Anti-Genderismus von Rechts im Rat der Hansestadt Lüneburg

Hinweisschild für die Ratssitzung
Rede Polizist und AfD Ratsherr Dirk Neumann bei der Diskussion über die Einführung gendergerechter Sprache in der Verwaltung.

Rede Polizist und AfD Ratsherr Dirk Neumann bei der Diskussion über die Einführung gendergerechter Sprache in der Verwaltung.

Der Antrag zur Verwendung gendersensibler Sprache in der Verwaltung wurde durch die Grünen eingebracht. Der Antrag wurde in den Gleichstellungausschuss verwiesen… dieser tagte zuletzt vor… 2 Jahren!

Der Antrag von der Partei die Grünen (pdf) ist auf der Seite der Hansestadt zu finden

Ich habe zur Kontextualisierung und Analyse der Rede, Zitate aus verschiedenen Werken zum Thema Anti-Genderismus eingeblendet.

Die Zitate sind hier nochmals zu lesen

„Antifeminismus und Antigenderismus sind in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema rechter Bewegungen geworden. Die dahinter stehenden Feindbilder und Argumentationslinien reichen aber weit hinein bis in die Mitte der Gesellschaft.“

Gesterkamp, Thomas: Die ‚Manndatsträger‘. Wie die AfD mit Antigenderismus in die gesellschaftliche Mitte wirken will. In: Neues Deutschland, 13.04.2019

„Auch in Deutschland vertreten die Parteien AfD und NPD ebenso wie Pegida Anti-Gender-Argumente sowie die Identitäre Bewegung und deren sich als feministisch bezeichnender Ableger 120 Dezibel, eine Anti-Gender-Haltung. In dieser rechtspopulistischen bzw. extrem rechten Variante findet der ‚Anti-Genderismus‘ seinen Hintergrund in einer völkisch-rassistischen Sorge um die demographische Entwicklung europäischer Staaten, die mit anti-muslimischen Argumentationsmustern gegen die Flüchtlingsbewegungen verzahnt wird.“

Sauer, Birgit: Anti-feministische Mobilisierung in Europa. Kampf um eine neue politische Hegemonie? In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 13 (2019), S. 343f.

Eine kurze Definition:

Im Anti-Genderismus wird „Geschlecht als vorgängige Kategorie verstanden, die entweder natürlichen oder göttlichen Ursprungs sei und vor den Einflüssen der Gender Studies, des Feminismus oder der ‚Homolobby‘ geschützt werden müsse. Die Unantastbarkeit einer als binär und heteronormativ verstandenen Geschlechterordnung und ihrer Institutionen stellt die Grundlage der anti-genderistischen Argumentation dar.“

Heft, Kathleen: Der Osten Deutschlands als (negative) Avantgarde. Vom Kommunismus im Anti-Genderismus. In: Hark, Sabine; Villa, Paula-Irene (Hrsg.): (Anti-)Genderismus. Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Bielefeld 2015, S. 184.

Charakteristisch für den Anti-Genderismus ist „das Beharren auf einer ‚natürlichen‘ Zweigeschlechtlichkeit auf, die mit der Vorstellung von traditionellen Frauen- und Männerbildern und vor allem einer patriarchalen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung einhergeht.“

Sauer 2019, S. 344.

Anti-Genderisten werfen dem Genderismus vor, „die BürgerInnen zu bevormunden, ja einen neuen Totalitarismus zu befördern. […] Die ‚Gender-Ideologie‘ wolle in totalitärer Weise die Gesellschaft umgestalten und beabsichtige, das Leben jedes einzelnen zu dominieren.“

Sauer 2019, S. 344f.

„Gängige Begrifflichkeiten des Anti-Genderismus-Diskurses, wie ‚gefährliche Ideologie‘, ‚staatlich verordnete Umerziehung‘, ‚Revolution von Oben‘ oder auch die Rede von ‚Propaganda(-Coup)‘, ‚herrschender Doktrin‘ und ‚totalitären Systemen‘ erinnern nicht zuletzt an Begrifflichkeiten und Denkschemata des Kalten Krieges.“

Heft 2015, S. 187.

Im Anti-Genderismus ist mit der „Anrufung der Figur des bedrohten Kindes eine homophobe Argumentation verbunden, besonders dann, wenn gegen Sexualerziehung in öffentlichen Einrichtungen agitiert wird.“

Sauer 2019, S. 344.

„In der Kombination von Diskreditierung von Geschlechtergerechtigkeit über die Diffamierung von Gender, Diffamierung von sexueller Vielfalt und Dämonisierung von Sexualerziehung/Sexualaufklärung verbindet die Partei die Ablehnung von Gender Studies und Sexualerziehung und die Stärkung von heterosexuellen Familien mit ihrer völkisch-rassistischen Ausrichtung: Familienpolitik versteht die AfD explizit als Bevölkerungspolitik.“

Schmicke, Imke: Frauenfeindlich, sexistisch, antifeministisch? Begriffe und Phänomene bis zum aktuellen Antigenderismus. In: APuZ 17: (Anti-)Feminismus (2018), S. 33.

„Zentrale thematische Angriffspunkte des Anti-Genderismus-Diskurses sind, neben dem gleichstellungspolitischen Konzept und Instrumentarium des Gender Mainstreaming und den Gender Studies (als Institution und Theoriegebäude) vor allem zivilgesellschaftliche Initiativen und Individuen, die für eine Auseinandersetzung mit und Anerkennung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt eintreten.“

Heft 2015, S. 185.

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