Die Polizei war - außer einige Angriffe auf DemonstrantInnen hier und da - insgesamt eher zurückhaltend - sie hätte die Proteste so oder so nicht aufhalten können, es waren dafür zu viele DemonstrantInnen - und selbst die Angriffe von Neonazis auf DemonstrantInnen hatte sie nicht im, Griff. Die Region ist nämlich eine dunkel-braune Sumpf. Nicht nur der Kohle wegen, sondern auch der Neonazis und anderen "Reichsbürger" und extremen Rechten wegen. Ich habe mich an einer erfolgreichen Kletterblockade der Kohlebahn beteiligt und wir bekamen die Dummheit und die stumpfe Gewalt der Neonazis zu spüren. Die einen warfen Äpfel  - diese erreichten ihr Ziel nicht und wurden von DemonstrantInnen eingesammelt und gegessen  -, die anderen fuhren durch die Gegend und brüllten von ihren Autos aus dümmliche Sprüche. Sie nutzten schließlich den Schutz der Nacht um AktivistInnen tätlich anzugreifen und mit gefährlichen Knallern und Böllern bewerfen. Viele von ihnen waren auf dem Rückweg aus einer "Gegendemonstration", die überwiegend aus Vattenfallmitarbeitern und Nazis bestand.

Es gab aber auch freundliche MitarbeiterInnen, wie die Arbeiter, die kurz nach Beginn unserer Kletteraktion die Oberleitung der Kohlebahn erdeten und dies deutlich professioneller und schneller erledigten als neulich die Bundespolizei in Buchholz... Sie grüßten uns freundlich. Wir erhielten außerdem immer wieder Zuspruch von EinwohnerInnen. Das Camp war außerdem ein Ort der Begegnung - auch mit Menschen die die Kohlekraft befürworten und das Gespräch suchten. Diese Art der Auseinandersetzung finde ich gut.
Das Camp hat mir gefallen, die Volksküche Fläming Kitchen sowie das vor Ort gebackene Brot des französischen Bäckers waren super und lecker. Das ist eine gewaltige Leistung, 3000 Tausend Menschen zu versorgen. Das wurde ausschließlich ehrenamtlich gemacht! Ich habe viele Bekannten getroffen und neue Kontakte geknüpft. Auch bat das diesjährige dezentrale Aktionskonzept mit Einbeziehung der gesamten Kohleinfrastruktur viel mehr Raum für kreative spontane Aktionen als letztes Jahr an. Das sehe ich sehr positiv.

Da ich wegen meiner chronischen Gelenkschmerzen (RA) nicht weit laufen kann, habe ich mich nicht an den Massenaktionen, sondern spontan an einer Kletteraktion beteiligt. Unsere kleine deutsch-französische Aktionsgruppe hat sich auf dem Camp zusammen gefunden und ich habe die Zusammenarbeit sehr genossen, fand es toll dass es auf Anhieb so gut geklappt hat. Wir haben uns ja zum Teil erst vor Ort kennen gelernt. 4 KletterInnen haben sich von einer Brücke an einer Bahnkreuzung abgeseilt und somit 2 Kohlebahnen 30 Stunden Lang besetzt gehalten. Die Besetzung begann am Samstag Vormittag. Deren Erfolg verleitete uns dazu diese zu verlängern und die Nacht vor Ort zu verbringen. Es war sehr kalt in der Hängematte und sicherlich nicht das Beste für meine seit Donnerstag andauernde Erkältung... aber es war es Wert! Es war ein bewegender Moment , als ein Kühlturm des Kohlekraftwerks Schwarze Pumpe zu rauchen aufhörte. Vattenfall ging auf Grund der zahlreichen Blockaden die Kohle aus, die Produktion musste auf 20 % der vollen Leistung herunter gedrosselt werden. Gemeinsam sind wir stark! Gemeinsam können wir den Kohleausstieg machen und das Klima schützen!

Ein Räumungsversuch der Kletterpolizei (TMHT) wurde am Sonntag Vormittag nach anderthalb Stunden abgebrochen. Wir beendeten unsere Kletteraktion gegen 15 Uhr zeitgleich wie die Massenaktionen. Einzelne Kleingruppenaktionen dauerten bis in die Nacht hinein.

Interessant ist, wie die verantwortlichen PolitkerInnen nun über die angebliche "Gewalt" der DemonstrantInnen jammern. Dabei geht es um angebliche Sachschäden und nicht - wie im Falle der attakierenden Neonazis  - um Gewalt gegen Menschen. Aber was soll Mensch von PolitikerInnen erwarten, die sich mehr für's Wählerstimmen fangen als für das Klima interessieren, erwarten? In einer Region, die seit Jahrzehnten von der klimaschädlichen Kohle lebt, ist es kein Wunder, dass das Umdenken schwer fällt.  Doch, das Klima geht uns alle an. Zu viele Menschen leiden an den Auswirkungen der desatrösen Klimapolitik! Alle reden von Klimaschutz (die COP 21 mit den leeren Versprechen von Klimaschutz ist nicht lange her). Die Umwelt wird aber ungebremst weiter im Namen von Profit zerstört.  Darum war es wichtig in der Lausitz dabei zu sein und ein Zeichen gegen die Kohlekraft und die umweltzerstötende Politik zu setzen. Un es gibt genug Alternativen zur  Kohle- und Atomkraft. Die lösung ist Erneurbar und dezentral. Und die beste Kilowattstunde ist die, die niemals benötigt wird! Ein Umdenken, eine andere Gesellschaft in der Ressourcen solidarisch geteilt werden und Ernergie gesparrt wird, ist notwendig. Ansonsten gehen wir in die Wand. Die folge ist immer mehr Kriege um Ressourcen und Leid und Zerstörung auf Grund des Klimawandels. Schrumpftum statt Wachstum!

Ich kuriere nun meiner Erkältung aus und hoffe, dass ich bis zum kommenden Samstag 21.5.16 wieder fit bin und meine Stimme wieder da ist. Am Samstag ist Autobahnaktionstag gegen Castortransporte aus Jülich ; im Anschluss mache ich eine Lesung mit meinem Buch "Kommen Sie da runter!".

Weitere Informationen:


- Bildergalerie von Ende Gelände zum Protest
- Homepage von Ende Gelände
- Pressemitteilung von Robin Wood zu Beginn der Kletteraktion
- Pressemitteilung von Robin Wood nach Beendigung der Kletteraktion
- Ein Film von Graswurzel TV (diverse Aktionen darunter die Kletteraktion kommen dort zur Sprache)

- Vorfeld Aktion zu Ende Gelände vor 3 Wochen in Schweden



zwei Bilder unten, Quelle ist  "Pay Numrich"