Protest gegen die EON Hauptversammlung – wenn Großkonzerne Grundrechte mit Füßen treten.
Par eichhörnchen le jeudi 3 mai 2012, 23:33 - Aktionen - actions - Lien permanent
Transparente
gegen Kohleschmutz und die Atomkraft begleiteten am Donnerstag die Aktionäre
der EON Konzerns zu ihrer Hauptversammlung in Essen. Das der Konzern die Kritik
fürchtet, war schon allein an der Anwesenheit von privaten
Sicherheitsangestellten und Überwachungskameras im Eingangsbereich der
Messehalle festzustellen. Zum Schutz der privaten Interessen des Konzerns wurde
die Polizei zusätzlich im öffentlichen Bereich in der U-Bahn und auf dem
Messe-Vorplatz eingesetzt. Die Beamten erschienen in Kampfmontur und glänzten
mit der Missachtung der Grundrechte der demonstrierenden UmweltaktivistInnen.
Eine Robin Wood Kletteraktivistin, die ein Antiatomtransparent in einem Baum
befestigen wollte, wurde Vormittags in polizeilicher Gewahrsam genommen und
gegen 16 Uhr... aus dem Krankenhaus entlassen. Sie erlitt auf Grund der
willkürlichen und unsanften Polizeimaßnahme gegen sie einen
Kreislaufzusammenbruch. Sie ist inzwischen wieder wohl auf. Es bleibt aber:
Atomkraft und Menschenrechte sind inkompatibel. Die Macht der Großkonzernen
lässt sich nur durch Grundrechtsverletzungen durchsetzen.
Die AktivistInnen staunten nicht schlecht, als die Polizei, selbst auf dem öffentlichen Platz zwischen U-Bahn und Messe das Verteilen von Flyern untersagte. „Eon hat hier das Hausrecht, dies setzen wir durch, erhielt einen Aktivistin als Antwort, als sich beschwerte und nach einer Begründung für das verbot erkundigte. Sie zweifelte an, dass ein öffentlicher Platz deswegen im Besitz eines Privatkonzerns sei, weil dieser seine Hauptversammlung im Gebäude hinten abhalte. Den Beamten war das aber alles egal. Nachdenken und den Schutz von Grundrechten gewähren? Das ist viel zu viel verlangt. Dies bestätigte sich im weiteren verlauf des Tages.
Die
ProtestlerInnen mussten mit ihren Transparenten am Rande stehen bleiben. Denn
Beginn der Hauptversammlung begleiteten gegen 10 Uhr mit Trommeln auf
Atom-Metallfässern. Als eine Kletteraktivistin von Robin Wood, ein Klettergurt
anzog, um ein Transparent in einem Baum zu befestigen, wurde sie von Polizisten
gewaltsam aus der Mitte der Versammlung herausgezogen und abseits geschliffen.
Und weil sie sich diese willkürliche Polizeimaßnahme und Einschränkung ihres
Rechtes auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht gefallen lassen wollte und
von den Polizisten eine schriftliche und begründete Ausfertigung des gegen sie
ausgesprochenen Platzverweises verlangte, wurde sie in Gewahrsam genommen. Die
Situation spitzte sich weiter zu, als die Beamten die rheumakranke Frau am
rechten Handgelenk anfassten und ihr dadurch Schmerzen zufügten. Trotz
vorhandenem Schwerbehindertenausweis, hatten sich die Beamten keine Mühe um
Aufklärung des Gesundheitszustandes der Demonstrantin gegeben. Die Aktivistin
schrie vor Schmerzen und verlangte ein Telefonat zu ihrem Anwalt. Dies wurde
ihr verweigert, sie wurde stattdessen in die Einzellzelle eines
Gefangenentransportes gestopft. Während des Transportes erlitt die Aktivistin
einen Kreislaufzusammenbruch. Als sie kaum ansprechbar mit Atemnot in der Zelle
lag, wurde ein Rettungswagen gerufen. Im Krankenhaus konnte sie endlich zur
Ruhe kommen sowie Wasser und Nahrung zu sich nehmen. Ihr Zustand verbesserte
sich schnell. Gegen 16 Uhr konnten sie von ihren FreundInnen im Empfang
genommen werden. „ politisches Engagement kann zu Repression führen – vor allem
wenn man die Mächtigen dieser Welt kritisiert. Solidarität hilft aber, weiter
zu kämpfen. Das sind wir Menschen, die noch stärker unter der Politik von
Großkonzernen wie EON aber auch RWE , EnBW oder Vattenfall – um nur
Energiekonzerne zu nennen - leiden schuldig. Das Leiden der Menschen und die
Missachtung von Grundrechten beginnt - egal ob Kohleschmutz oder Atomtod – in
den Abbaugebieten.“ fasst die Aktivistin zusammen.
Wie wenig der EON Konzern von Menschenrechten und Umweltschutz hält, wurde heute vor der Messehalle aber auch in der Hauptversammlung deutlich – als kritische Aktionäre das Wort ergriffen und unbequemen Fragen zur Beteiligung des Konzerns an Kohlegeschäften, an Atomprojekten im Ausland oder an der Gronauer Urananreicherungsanlage stellten.
Eichhörnchen