Dem Uranabbau, das ist bekannt, fallen zahlreiche Menschen zum Opfer in den Abbaugebieten. Über die Politik in Australien, Russland, Kanada oder Niger (um nur ein paar Abbauländer zu nennen) könne man ja nicht bestimmen, ist immer wieder zu hören.

Wirklich ??? Bestimmt nicht ! Politische Entscheidungen hierzulande sind Teil des Problems.

Was ist mit Europas größte Urananreicherungsnanlage (UAA) in Gronau bei Münster??? Die Firma Urenco betreibt diese Anlage. Dort reichert sie Uran für die Fertigung von Brennstäben an.

Am Mittwoch den 8. Mai traf der jüngste bekannte Urantansport aus Sankt Petersburg im Hamburger Hafen ein. Öffentlich wurde dies nur dank der Arbeit von Antiatomgruppen, die mühselig Informationen sammelten sowie Beobachtungsposten aufstellten, um die Position des Schiffes veröffentlichen zu können - die Behörden selbst geben über den Weg der gefährlichen Fracht nichts bekannt - diese offiziell schwach und mittelradioaktiven Transporte sind nicht genehmigungspflichtig. Es liegt aber nahe, dass das Uran für die Fertigung von Brennstäben bestimmt ist. Denn in Europa fängt die Atomspirale mit der Lieferung vom Rohstoff Uran.

Atomschiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal am 7.6.11

Am Mittwoch wurde die Uranfracht im Hamburger Hafen auf LKWs umgeschlagen. BeobachterInnen konnten die Ankunft dieser LKWs in Lingen beobachten. Bei dem Transport handelte es sich offenbar um Uranoxid, was in der Brennelemntenfertigungsanlage zu Brennstoff für die AKWs weltweit verarbeitet wird.
Atomtransport bei seiner Ankunft in Lingen am 8.6.11 - Foto Sofa Münster

Aus Beobachtungen weiß man, dass Natururan, das im Hamburger oder auch im Bremer Hafen ankommt (der Rostocker Hafen ist auch eine atomare Drehscheibe), in der Regel für die Urananreicherungsanlage Gronau oder auch für die Urananreicherungsanlagen in den Niederlanden (Almelo an der Grenze unweit von Gronau, Betreiber ist auch die Urenco) und Frankreich (Pierrelatte - Tricastin bei Lyon, Transporte die meist per Bahn über Hannover Seelze und den Grenzübergang Perl-Apach erfolgen) bestimmt sind. Uranoxid (der Rohstoff wurde bereits verarbeitet) wird in der Regel nach Lingen zur Brennelementenfertigungsanlage befördert.

Und ohne Brennstäbe läuft keine einziges Atomkraftwerk!!!



Atommüllfässer lagern unter freiem Himmel in Gronau (Foto Mai 2008)

Die Urananreicherungsanlage spielt eine wesentliche Rolle in der Verbreitung von radioaktiven Stoffen und den Betrieb von Atomanlagen weltweit. Es werden nicht nur Deutsche Anlagen mit frischen Brennstäben beliefert. Bis ende April 2011 waren die aktuell erteilten Genehmigungen für hoch radioaktive Atomtransporte auf der Homepage des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) abrufbar - nur die Transporte mit hochradioaktivem Müll sind genehmigungspflichtig. Aus der Genehmigungstabelle war beispielsweise zu entnehmen, dass die Atomkraftwerke im Nachbarland Frankreich alle mindestens ein mal im Jahr mit Uranbrennstäbe aus Lingen beliefert werden - nach der Urananreicherung kommt die Fertigung der Brennstäbe, diese findet im Niedersächsischen Lingen statt. Auch Japan, darf sich über Brennstäbe aus Deutschland freuen... Unter diesem Gesichtspunkt ist Fukushima gar nicht so weit weg entfernt...Nachweislich wurde das AKW Fukushima in der Vergangenheit mit Brennelementen aus Almelo (selber Betreiber wie Gronau) beliefert.

Transparenz heißt Geheimhaltung


Echhörnchen vor dem Bahnanschlussgleis der UAA in Gronau

Das Thema ist brisant. Und die Bundesregierung weiß welches (Protest)Potenzial es hier gibt. Ende April forderte das Bundesumweltministerium das BfS dazu auf, die Veröffentlichung erteilter Genehmigung für hochradioaktiven Atomtransporten auf seiner Homepage einzustellen. Angeblich aus Sicherheitsgründen. Aus Furcht vor Protesten ist aber der wahrscheinlichste Grund ! Von Atomausstieg kann keine Rede sein. Atomgeschäfte laufen weiter und möglichst unbemerkt.

Gut, in Frankreich ist es noch eine Nummer willkürlicher. Wer Informationen über Atomtransporte veröffentlicht gilt als Verräter und kann wegen Militärgeheimnisverrat zu bis 5 Jahren Gefängnis verurteilt werden. Es geht also auch schlimmer - aber diese Politik zu unterstützen ist ja nicht glorifizierend ! Ein echter Atomausstieg sieht anders aus.

Ob Rot-grün oder MerkelniX : Atomausstieg niX da - leider

Selbst die rot-grüne Koalition förderte ihrer Zeit die Urangeschäfte. Sie genehmigte die Erweiterung der Produktionskapazität der Gronauer UAA. Die Kapazität der Urananreicherungsanlage wurde von 1 800t Trennleistung auf 4 500t Trennleitung erweitert. Die Trennleistung gibt den Faktor an, mit dem das Uran für AKWs produziert werden kann. Heute können 30 bis 35 Reaktoren mit angereichertem Uran aus Gronau beleifert werden. Also mehr Reaktoren als das was Deutschland überhaupt besitzt!

Im rot-grünen Atomausstiegskonsens wurde die UAA damals mit keinem einzigen Wort erwähnt. Die Profite sollten bloß nicht gestört werden. Die Grünen im Münsterland stehen unter Drucken und verlangen nun ganz schüchtern die Sitlllegung der Anlage. Sehr überzeugend ist es aber nicht, wenn man ihre Politik der vergangenen Jahre kennt.


Ausbau der UAA Gronau (Foto Mai 2008)

Und wenn heutzutage wieder mal von Atomausstieg die Rede ist, haben es AktivistInnen aus Gronau und Umgebung schwer, sich überregional Gehör zu verschaffen. Hunderttausende gehen auf die Straße und fordern die Abschaltung der Atomkraftwerke. MerkelniX und ihre Leute nehmen darauf ihn die wenige Monate zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung zurück und kündigen den Atomausstieg an. Ob dies dazu führt, dass die Massen - wie zu rot-grünen Zeiten - bald wieder aus der Straße verschwinden? Das Geschehen ist eher das Markenzeichen eines Scheinatomausstieges in einer Scheindemokratie. Eine Beruhigungspille mit gutem Gewissen für die Massen?


Tagung des Atomforums - Berlin Mai 2011 - Polizei verbietet selbst Meinungsäußerung mittels Kreide

Dies wird im nächsten Atom-Text dieser Reihe zum Amtomausstieg näher beleuchtet: Inkompatibel: Grundrechte und Atomkraft

Aktiv statt radioaktiv : Demo für die Stilllegung der UAA am 3. Juli 2011


Demonstrieren ! Hier in HH (Foto Konrad Lippert, Maerz 2011)

Ich dokumentiere unten den Aufruf zur Demo in Gronau am 3. juli - in der Hoffnung dass sich jede-r betroffen fühlt und dass der Protest nicht lokal begrenzt bleibt. Uran geht uns alle an. Es muss in der Erde bleiben. Der Hahn muss zugedreht werden. Mehr Informationen - der Aufruf kann unterzeichnet werden :

Ach und dass gezielter Protest effektiv sein kann, zeigt der Beispiel Uranmülltransporte nach Russland - dessen Ende die Antiatombewegung (mit Eichhörnchen in der Luft) erreichen konnte - Ein Etappensieg. (Berichte: 1 , 2 )

Lesenswert ist auch das in der Zeitschrift Graswurzelrevolution im Juni erschienene Interview mit AKU Mitglied Udo Buchholz. Der Arbeitskreis Umwelt (AKU) ist eine Gruppe, die sich seit 30 Jahren gegen die UAA engagiert. (GWR Sommer 2011, Nr. 360 , Artikel "Wichtig ist der Druck der Straße")

Der Aufruf für den 3. Juli 2011:

Jetzt am Ball bleiben! Sofortiger

und endgültiger Atomausstieg – auch in Gronau!

3. Juli 2011, 13.00 Uhr

Kundgebung mit Straßenfest an der Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau, Röntgenstraße 4, (Stadtosten). Mit Lebensfreude gegen die lebens­feindliche Atomkraft: Redebeiträge – VolXküche – Musik – Infostände - Tombola

Wir wollen erneut in Gronau gegen die militärische und sogenannte zivile Nutzung der Atomenergie demonstrieren. In Gronau betreibt der Urenco-Konzern die bundesweit einzige Urananreicherungs­anlage, an der maßgeblich RWE und E.ON beteiligt sind. Mit Uran, das in Gronau angereichert wird, werden weltweit Atomkraftwerke betrieben. Aus dem „Atomausstiegspaket“ wurden Anlagen wie die UAA bisher bewusst ausgeklammert.

Vor 25 Jahren: Offizielle UAA-Einweihung

Nachdem die UAA 1985 mit der Produktion begann, wurde sie vor 25 Jahren, wenige Tage nach der Tschernobyl-Katastrophe, offiziell eingeweiht (12.06.1986). 2005 wurde von der damaligen rot-grünen NRW-Landesregierung der Ausbau der UAA und (!!) der Bau eines Uranmüll-Lagers (für 60.000 Tonnen Uranoxid) genehmigt. Der Ausbau der UAA ist nahezu abgeschlossen, jetzt soll bald mit dem Bau der Uranmüll­deponie neben der UAA begonnen werden. Ständig rollen hochgefährliche Urantrans­porte von und nach Gronau. Die rot-grüne Landesregierung kann und muss die UAA und den Bau des „Zwischenlagers“ stoppen. Es gibt weder Schutz vor Flugzeugabstürzen noch ein griffiges Entsorgungskonzept. Auch alle anderen Atomanlagen in NRW wie die GNS-Atommüll-Verarbeitung in Duisburg und das Atomforschungszentrum in Jülich müssen gestoppt werden.

Unermüdliche Spaziergängerinnen und Spaziergänger

Nicht nur die offizielle UAA-Einweihung hat in diesen Tagen „Jubiläum“, sondern auch der inzwischen traditionelle Sonntagsspaziergang, der immer am ersten Sonntag im Monat an der UAA stattfindet: Am 3. Juli wollen sich Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Grenzgebiet NRW-Niedersachsen-Niederlande zum 300. Sonntagsspaziergang treffen! Vorbilder der UAA-Sonntagsspaziergänge waren z. B. die Sonntagsspaziergänge am Bauplatz der Atommüllfabrik (WAA) in Wackersdorf. Ursprünglich von den Grünen ins Leben gerufen haben die UAA-Sonntagsspaziergänge keinen organisatorischen Rahmen: „Man trifft sich traditionell“, und das bei Kaffee und Kuchen der VolXküche. Die Beteiligung reichte bisher von 2 bis 200 Personen aus dem Grenzgebiet, aus Bonn, Bremen, Oldenburg... Man trifft sich, tauscht Informationen aus, oder hält beim Umrunden der UAA Ausschau nach Bahnwaggons oder LKW auf dem Anlagengelände, die Uranhexafluorid geladen haben könnten. Unterstützt werden die Sonntagsspaziergänge stets von Polizisten, die schon öfters die Zahl der TeilnehmerInnen verdoppelt hat. Immer wieder gibt es Debatten darüber, ob die Spaziergänge als Demonstration anzumelden sind, oder ob sie traditionell nach Gewohnheitsrecht stattfinden. Nach unserem Kenntnisstand gibt es traditionell für den 300. Sonntagsspaziergang keine Anmeldung.

Druck auf die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung ausüben!

Unsere Sorge gilt nicht der Bewertung friedlicher Spaziergänge: Unsere Sorge gilt der Gesund­heit der Bevölkerung in Gronau, an den Uran-Transportrouten, an den Uranminen, an den Atom­kraftwerken und Atommüll-Standorten. Die rot-grüne NRW-Landesregierung und die Bundesregie­rung müssen merken, dass die Stilllegung der UAA Gro­nau auf der anti-nuklearen Tagesordnung nach ganz oben gehört.

Für die sofortige und weltweite Stilllegung aller Atomanlagen!

Wir rufen zur Teilnahme an der Kundgebung auf und bedanken uns gleichzeitig bei allen Menschen, die seit Ende 1986 einmal, öfters, oder (fast) immer an den UAA-Sonntagsspaziergängen teilgenommen haben.