Rund 20 Aktivist*innen fanden sich am frühen morgen des 11. Juli 2016 vor der UAA zusammen. Sie stellen zwei sechs Meter hohen Tripods (3-Beine) vor der Hauptzufahrt der Anlage auf. Die hintere Zufahrt wurde durch zwei Kletter*innen in den Bäumen versperrt. „Wenn die Politik versagt, übernehmen wir die Schließung“, so die Aktivist*innen. In einer Erklärung kritisierten sie sowohl das Politikgeplänkel als auch den weltweiten Export von angereichertem Uran – die Urenco hat beim angereichertem Uran einen Weltmarktanteil von 10%. Hinzu kommt die Müllproblematik. Atommüll entsteht bei jeder Etappe der Atomspirale. In Gronau lagern unzählige mit abgereichertem hoch giftigem Uranhexafluorid gefüllte Fässer unter freiem Himmel.
Die Aktivist*innen thematisierten außerdem die verheerenden Folgen des Geschäfts mit Rohstoffen zur Energiegewinnung: „ Die Produktion von Strom mittels fossilen Energien, egal ob Uran, Kohle oder Erdgas, sollte dem vergangenen Jahrhundert angehören. Es ist längst klar, dass es so nicht weiter geht ohne massive Zerstörung von Lebensräumen für Menschen und Tiere. Die Ausbeutung dieser Energieträger geschieht dabei in kolonialistischer Art. Die Menschen in den Gebieten, wo die Rohstoffe abgebaut werden, profitieren davon nicht. Das meiste Uran wird in Kasachstan, Australien, Kanada und Namibia auf dem Gebiet von Indigenen abgebaut, die unter der Umweltzerstörung leiden, während die Profite hier gemacht werden.“
Die Urenco, die Betreiberfirma der UAA, wurde von der unangekündigten Protestaktion kalt erwischt. Die Demonstration erfuhr aufgrund der aktuellen Debatte um die Anlage, großes öffentliches Interesse. Die Urenco erklärte, sie wisse das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu schätzen, die Protestaktion werde toleriert – und hoffte auf einen baldigen Abzug der Demonstrant*innen. Die Aktivist*innen dachten keine Sekunde daran. „Wir sind gekommen um zu bleiben“ stand auf einem Transparent. Die Urenco, die sich nach außen tolerant zeigte, setzte in Absprache mit der Polizei auf Zermürbungstaktik. Mehrere Aktivist*innen wurden ohne Vorwarnung oder Angabe von Gründen aus der Demonstration heraus verhaftet und bis zu 14 Stunden in Gewahrsam genommen. Die Polizei verhinderte dadurch eine Ablösung der Kletter*innen und warf bei der Festnahme eines Kletterers ein besetztes Tripod beinahe um. Die Taktik ging jedoch nicht auf. Als die Besetzer*innen nach ihrer ersten Nacht vor der Anlage statt das Feld zu räumen, sich immer gemütlicher einrichteten und sich auch nicht vom drohenden Regen und Gewitter von ihrem Vorhaben abhalten ließen, wurde es der Urenco zu viel.
Die Blockade wurde nach 36 Stunden Besetzung durch die Bereitschaftspolizei aus Bochum und eine Spezialklettereinheit aus Köln geräumt. Eine Gelegenheit, sich selbst zu entfernen, erhielten die Demonstrant*innen nicht. Die Polizei nahm alle Anwesenden – einen Passanten inklusive – zu den Polizeiwachen nach Gronau und Ahaus mit. Und weil die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit unerwünscht war, wurde ein Pressefotograf durch eine schikanöse Kontrolle minutenlang am Dokumentieren der Räumung gehindert.
Atomstaat made in Gronau“ schrieben die Aktivist*innen in einer Erklärung: „Dieses Vorgehen zeigt, dass es hier um eine einseitige Berichterstattung geht. Bilder, die den von Staat und Sicherheitskräften gewünschten Darstellungen widersprechen, werden bewusst verhindert. Kritik an der Anlage bleibt unerwünscht; Protest wird diffamiert. Atomkraft ist schon lange nur noch mit Rückgriff auf die Polizei gegen die Bevölkerung durchsetzbar. Heute hat die Urenco ihr hässliches Gesicht gezeigt und auf den Polizeistaat zurückgegriffen, um die Urananreicherung zu ermöglichen. Wir werden uns jedoch nicht einschüchtern lassen und uns weiter gegen Urenco, Urananreicherung und Atomkraft zur Wehr setzen.
Die Beteiligten blicken auf eine erfolgreiche Aktion zurück, die die Debatte um die Schließung der Anlage befeuert hat.

Eichhörnchen

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