Man versteht die allzu offensichtliche Logik dieser Operation, alles weist darauf hin, dass man darin die eiserne Demonstration eines Wahns sehen muss: Nachdem man nach einem ausgedehnten, über Jahrzehnte geführten populären Kampf im Januar 2018 zurückweichen und das Projekt eines Großflughafens in Notre-Dame-des-Landes fallen lassen musste, will die Regierung jetzt ihre Stärke demonstrieren, indem sie die vermeintlich „illegalen“ Besetzer vertreibt. Das aber widerspricht allen Auflagen, die solcherart Räumungen begleiten müssen; die Regierung Macron verwirft ohne Diskussion die Vorschläge zu einer kollektiven Nutzung dieser seit 10 Jahren von den Besetzern kultivierten Böden. Und sie hat selbst keinen Vorschlag für Projekte, die dieses ökologisch sensible, einmalige Gebiet erhalten würden, so wie es jene seit Jahren tun, die die Herrn Macron, Philippe, Colomb und Hulot nun verjagen wollen.

Dieses brillante Quartett kann nun unwidersprochen dank der Medien in Händen von Großunternehmern der öffentlichen Meinung zeigen, was Ordnung heißt und worauf sich die brodelnden diversen sozialen Bewegungen in diesem Land einstellen müssen.

Das Missverhältnis bei den in der ZAD eingesetzten Mitteln der Gewalt ist jedoch auch ein Indikator dafür, dass die dort entwickelten Modelle die neoliberale Ordnung bedrohen, deren brutale Verkörperung Macron und seine Minister sind. Die Möglichkeit anders zu leben, sich um Kooperation statt Konkurrenz zu bemühen, sich ohne Hierarchien zu organisieren, Konflikte ohne Polizei und Justiz zu regeln, gemeinsam und in Harmonie zu teilen, was man Natur nennt, sich anständig zu ernähren, aus der Unterwerfung unter das Geld herauszutreten. Ob man das schaffen wird in der ZAD, es ist ungewiss. Aber man hat es versucht es ernsthaft zu schaffen und vieles beweist, dass es eine wunderbare Alternative gibt, ein offenes Fenster in der erdrückenden Mauer des Kapitalismus.

Aber man muss auch über diesen Horizont hinaus sehen und die Zusammenhänge erkennen: was nun in der ZAD vor sich geht, ist Teil eines allgemeinen, weltweiten Krieges der Oligarchie gegen die Völker. Und mehr und mehr entwickelt sich auch Europa in Richtung dieses neuen Modells einer autoritären Oligarchie.
Eine Zahl mag verdeutlichen, dass es nicht allein um einen sozialen Kampf geht, sondern um einen Krieg über die Zukunft der Menschheit und einen Planeten, der zur Beute geworden ist in einer historisch einmaligen ökologischen Krise:
Ein Prozent der reichsten Menschen auf dem Planeten sind verantwortlich für den Ausstoß von 80 Tonnen CO2 jährlich, das ist neun Mal mehr als die gesamte Bevölkerung weltweit (6,2 t). Anders gesagt, die Reichsten verschmutzen die Umwelt am stärksten. Angesichts des gravierenden Klimawandels und seiner vorhersehbaren Auswirkungen, muss man sagen, dass diese Umweltverschmutzer mit ihren 80 Tonnen CO2 Ausstoß jährlich wirklich Kriminelle sind. Das, was diese Oligarchen vorantreiben, ist mit allen Mitteln ein System aufrechtzuerhalten, das dem Allgemeinwohl entgegen steht. Denn die zentrale Frage zu Beginn dieses 21.Jahrhunderts ist die ökologische Frage, von deren Beantwortung hängen die zukünftigen Lebensbedingungen der Menschheit ab.

Es ist beinahe schon eine Ironie des Schicksals, dass ihre Attacke nun genau gegen jene zielt, die auf eine Weise leben, die nicht dem Klima schadet. Genau darum sind auch Monsieur Macron, Monsieur Philippe, Monsieur Colomb und Monsieur Hulot Kriminelle, die die Interessen derjenigen vertreten, auf deren Konto 80 Tonnen CO2 pro Jahr gehen - genau deshalb muss man die ZAD verteidigen.


(Übersetzung: Ruth Jung)