Die Herausgeber*innen zum Buch Die Anti-Atom-Bewegung

Nach dem Beginn der Reaktorkatastrophe in Fukushima dauerte es nicht lange, da machte sich Frau Merkel zur Atomausstiegs-Kanzlerin. Es ging nicht um die tatsächliche Lösung von Problemen; dafür aber sollte eine Bewegung entsorgt werden, die auf die Probleme hinwies. Die Gegenseite schrieb unsere Geschichte und behauptete, sie sei nun zu Ende. Das war für uns der Anlass, mit unserer "Geschichtsschreibung von unten" zu beginnen. Wir baten Menschen, das aufzuschreiben, was sie in Bewegung gebracht hat: gegen atomare Rüstung, gegen die angeblich friedliche Nutzung, gegen Polizei- und Überwachungsstaat. Und: was sie in Bewegung gehalten hat über einen langen Zeitraum von Wyhl bis heute (und übermorgen) Insgesamt 53 Autor*innen haben auf diese Aufforderung reagiert. Manche haben erzählt und aufschreiben lassen, andere haben selbst geschrieben. Erlebnisse werden berichtet, manche Geheimnisse (ein bisschen) gelüftet, persönliche Motivationen dargelegt, Zusammenhänge aufgezeigt, ideengeschichtliche Stränge nachgezeichnet. Die Texte sind so verschieden wie die Menschen in dieser Bewegung.

"Die Bewegung" gibt es natürlich nicht, und es gab sie nie. Insofern führt der Titel des Buchs möglicherweise ein wenig in die Irre. Von jeher gab es unter Atomkraftgegner*innen eine große Bandbreite an Grundeinstellungen, häufig gab es engagierte Auseinandersetzungen um viele Fragen nach richtig oder falsch. Zwischen den Buchdeckeln tragen wir diesem Umstand Rechnung, indem wir Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund zu Wort kommen lassen. Die Streits von damals werden verständlich und Standpunkte nachvollziehbar; und möglicherweise liefern auch einige der Texte Stoff für ganz aktuelle Auseinandersetzungen.

25 Fotograf*innen haben ihre Bilder zur Verfügung gestellt. Bei den großen und kleinen Momenten der Geschichte waren sie mit ihrer Kamera zugegen und haben Bilder festgehalten, die sich oft decken mit der Erinnerung derjenigen, die dabei waren, oft genug aber auch verblüffen: ach - so war das da am anderen Ende? Und der/die war damals auch dort? Gearbeitet haben wir vier - manchmal zähe - Jahre an diesem Projekt. Kurz vor Schluss kamen dann plötzlich noch ganz wichtig einige Texte dazu, sodass wir die Seitenzahl zweimal erhöhen mussten. Am Ende sind es 384 Seiten geworden; viele Abbildungen tragen zu einer guten Lesbarkeit bei. Es ist im gut sortierten Buchhandel erhältlich - und sollte demnächst bei jeder örtlichen anti-Atom-Gruppen zu haben sein!

ISBN: 978-3-86241-446-8 | Paperback | 24.80 Euro | Bestellung

Mit Baumhäusern gegen Bagger - Geschichten vom Widerstand im rheinischen Braunkohlerevier

Der Hambacher Forst ist Europas letzter „Urwald“; er ist 12.000 Jahre alt- und bald verschwunden, denn seit Jahren rodet und baggert der Energiekonzern RWE, Europas größter Luftverschmutzer, die grüne Landschaft zur Wüste. Die Folgen für die Natur sind verheerend, nicht nur direkt vor Ort, sondern auch in Form der weiteren Aufheizung der globalen Temperatur durch die Braunkohleverbrennung. Die weltweiten Folgen sind Klimawandel, Klimakriege, Massenflucht, die lokalen: Zwangsumsiedlung, Bergschäden, Feinstaubbelastung, Vernichtung jahrtausendealter Siedlungsgemeinschaften und Kulturräume. Früher wären für das gigantische Vernichtungswerk der RWE Armeen und Kriege nötig gewesen, heute genügt eine handvoll monströser Bagger (im Schnitt 80-90 Meter hoch und 200 Meter lang), die von ein paar Kranführern bedient werden, dazu politischer und sozialer Druck und finanzielle Bestechung.

Im politisch und ethisch taubstummen Merkelland geschieht nicht viel, um dieses verrückte Treiben zu beenden- aber etwas passiert doch! Seit 2012 besetzen Umweltaktivisten mit Baumhäusern und (Dauer-)Camps den bedrohten Wald, sie blockieren Bagger, leisten Aufklärungsarbeit, vernetzen sich mit internationalen Gruppen und Aktivisten und probieren wie nebenbei in ihren „MonkeyTowns“, „Neuländern“ und „Skillsharing Camps“ alternative Lebens-, Lern- und Vergemeinschaftungsformen aus- für ein Leben jenseits von Umweltzerstörung, Ausbeutung und Konditionierung. Repressionen, Durchsuchungen, DNA-Abnahmen, Inhaftierungen und Räumungen durch die Polizei und die privaten Sicherheitsdienste der RWE lassen die Aktivisten nicht den Mut verlieren, sondern sind ihnen Beweis dafür, daß es nicht „egal“ oder „umsonst“ ist, sich gegen die „Großen“ aufzulehnen, denn jedesmal, wenn sie reagieren und sich erklären müssen, verlieren sie Zeit (beim Baggern) und Ansehen (in der Bevölkerung und bei Aktionären), werden sie auf rechtlich dünnes Eis gelockt und machen sich immer stärker angreifbar.

Im vorliegenden Buch erzählen die Umweltaktivisten ihre Geschichten vom Widerstand, informieren über die Ökologie des Waldes, legen Medien- und Politfilz offen, machen sich Gedanken zur Frage, wie Menschen in Frieden miteinander und mit der Natur leben können. Verträumt, wütend, kampflustig, übermütig, optimistisch, nachdenklich - jeder Widerständler ist anders und vermutlich ist es gerade die bunte Vielfalt von Menschen und Aktionsformen, die den Widerstand im Hambacher Forst von Jahr zu Jahr weiterleben, wachsen und sich entwickeln läßt.

Just im Monat der Herausgabe dieses Buches stürmten 800 Aktivisten den Garzweiler Baggerkrater— alle wurden von der Polizei abgeführt und von der RWE wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Der Energieriese reagiert überzogen und panisch, die Aktivisten werden weiterkämpfen!

ISBN 978-3-931504-55-7 | 16 € | 197 Seiten, DIN A5, mit vielen Abbildungen und Farbphotos. | backpapierverlag