Uranmüll aus Gronau nach Russland

Neuer Artikel von der Kampagne gegen Urantransporte urantransport.de zu der Wiederaufnahme der Atommülltransporte nach Russland, Stand Oktober 2019.

Ich war bei der Mahnwache gegen den jüngsten Uranmülltransport nach Russland in Münster dabei und habe die Durchfahrt durch Münster Hbf gefilmt. Zum Video

Von 1995 bis 2009 wurde das in Gronau als Abfallprodukt anfallende abgereicherte Uranhexafluorid nach Russland exportiert – und nach Protesten gestoppt. 2019 wurden diese Transporte wieder aufgenommen. Weil Atommüllexporte gesetzeswidrig wären, wird das Uranhexafluorid kurzerhand als Wertstoff deklariert.

Atommüll?

Bild: Sperrmüll-Blockade an der Urananreicherungsanlage in Gronau, Januar 2015 gegen die Deklaration des Uranmülls als Wertstoff

Die Betreiberfirma Urenco der Urananreicherungsanlage Gronau behauptet, sie exportiere Wertstoff, denn auch das abgereicherte Uranhexafluorid mit einem niedrigen U235-Gehalt lasse sich in Russland wieder anreichern, um es in Brennelementen einsetzen zu können. De facto findet aber weltweit nirgendwo eine „Wiederanreicherung“ von abgereichertem Uran in industriellem Maßstab statt – weil es sich wirtschaftlich nicht lohnt. Schätzungen aus Russland gehen dort von einem Bestand von 1 Mio. t abgereichertem UF6 aus – und jedes Jahr kommen Zehntausende Tonnen hinzu. So viel kann in Russland gar nicht genutzt werden. Und auch bei einer Wiederanreicherung verbleiben 80-90% des radioaktiven Materials als Atommüll beim Anreicherer zur Endlagerung. Damit liegt nahe, dass die Deklaration als Wertstoff einzig und allein dazu dient, das Atommüllexportverbot zu umgehen.

Neuer Artikel von der Kampagne gegen Urantransporte urantransport.de zu der Wiederaufnahme der Atommülltransporte nach Russland, Stand Oktober 2019.

Ich war bei der Mahnwache gegen den jüngsten Uranmülltransport nach Russland in Münster dabei und habe die Durchfahrt durch Münster Hbf gefilmt. Zum Video

Von 1995 bis 2009 wurde das in Gronau als Abfallprodukt anfallende abgereicherte Uranhexafluorid nach Russland exportiert – und nach Protesten gestoppt. 2019 wurden diese Transporte wieder aufgenommen. Weil Atommüllexporte gesetzeswidrig wären, wird das Uranhexafluorid kurzerhand als Wertstoff deklariert.

Atommüll?

Bild: Sperrmüll-Blockade an der Urananreicherungsanlage in Gronau, Januar 2015 gegen die Deklaration des Uranmülls als Wertstoff

Die Betreiberfirma Urenco der Urananreicherungsanlage Gronau behauptet, sie exportiere Wertstoff, denn auch das abgereicherte Uranhexafluorid mit einem niedrigen U235-Gehalt lasse sich in Russland wieder anreichern, um es in Brennelementen einsetzen zu können. De facto findet aber weltweit nirgendwo eine „Wiederanreicherung“ von abgereichertem Uran in industriellem Maßstab statt – weil es sich wirtschaftlich nicht lohnt. Schätzungen aus Russland gehen dort von einem Bestand von 1 Mio. t abgereichertem UF6 aus – und jedes Jahr kommen Zehntausende Tonnen hinzu. So viel kann in Russland gar nicht genutzt werden. Und auch bei einer Wiederanreicherung verbleiben 80-90% des radioaktiven Materials als Atommüll beim Anreicherer zur Endlagerung. Damit liegt nahe, dass die Deklaration als Wertstoff einzig und allein dazu dient, das Atommüllexportverbot zu umgehen.

Vergangene Transporte

Von 1995 bis 2009 wurden nach offiziellen Angaben – unter anderem von RWE und EON – insgesamt 27 300 t abgereichertes UF6 von Gronau zu vier Atomanlagen in Russland verbracht, darunter Novouralsk, Seversk und Angarsk.

Zwischen 2004 und 2009 kam es zu vielfältigen Protesten in Deutschland, den Niederlanden, in Skandinavien und auch in Russland: Es gab zwei Urankonferenzen in Dortmund und Almelo, bei denen über die Transporte und den Widerstand gesprochen wurde. Der Uranmüllexport wurde thematisiert auf den Hauptversammlungen der Aktionär*innen von RWE und EON, die dort gar nicht erfreut über die Thematisierung waren. 2006 wurde in Münster Strafanzeige gegen Urenco von russischen Atomkraftgegner*innen eingereicht, ab 2007 gab es immer wieder Proteste und Mahnwachen an der Strecke bis hin nach St. Petersburg, mehrfach auch im Münsterland erzwungene Stopps der Urantransporte durch brennende Reifen oder mehrere Kletteraktionen.

Bild: Kletteraktion gegen Urantransport bei Burgsteinfurt, 16.-17. Januar 2008 (siehe auch Video)

Als Resultat aus dem Widerstand wurden die Transporte mit Auslaufen der Verträge 2009 dann eingestellt.

Lagerung in Russland

In Russland werden die Container, in denen das Uranhexafluorid gelagert ist unter freiem Himmel in Stahlbehältern in der Nähe der Stadt Angarsk aufbewahrt. An einigen Fässern wurden Rostschäden festgestellt und in der Stadt Angarsk ist die Krebsrate signifikant höher als in anderen Städten des Gebietes Irkutsk, was die Vermutung nahe legt, dass die Atommülllagerung dies verursacht. Auch deshalb protestieren russische Umweltaktivist*innen und Anti-Atom-Initiativen hier gemeinsam gegen die Transporte.

Aktuelle Transporte

Die Transporte nach Russland wurden im Mai 2019 wieder aufgenommen. Nach Recherchen von Atomkraftgegner*innen, von Lokalpolitiker*innens sowie dann auch von Linken und Grünen im Bundestag wurde klar, dass Urenco mit Rosatom (russischer Atomkonzern) eine Lieferung von 6000 t abgereichertes Uranhexafluorid im Jahr 2019 vereinbarten. In acht Transporten wurden bisher bereits 5100 t abgereichertes UF6 von Gronau via Amsterdam nach Russland gebracht. Sieben Transporte erfolgten nur recht regelmäßig alle drei Wochen per Bahn von Gronau über Münster und Hamm durch das Ruhrgebiet zum Hafen nach Amsterdam, der achte war größer und wurde zusätzlich auch mit LKWs abgewickelt.

Ein weiterer Transport wird im November 2019 erwartet.

In einer zweiten Tranche kann Urenco laut Vertrag mit Rosatom 2020/21 von einer der drei UAAs in Gronau, Almelo oder Capenhurst weitere 6000 t nach Russland bringen. Offiziell hat Urenco noch nicht gesagt, welche der drei UAAs an der Reihe sein soll – oder ob die 6000 t zwischen den drei Standorten evtl. aufgeteilt werden. Es kann also sein, dass die Exporte des Uranmülls aus Gronau auch 2020 weiter gehen.

Bild: Mahnwache am Hbf Münster, 28.10.2019

Beim Transport, der am 28.10. aus Gronau losfuhr, gab es Proteste in Gronau und Münster, als der Urantransport durchfuhr. Im an der Strecke liegenden Büro der Bundesumweltministerin Svenja Schulze wurde ein Protestschreiben abgegeben. In Gronau fuhr der Zug um 12 Uhr, etwa eine Stunde später als sonst los, durch den Hauptbahnhof Münster um 13.30 Uhr, um 13.40 Uhr in Münster-Hiltrup und kurz nach 14 Uhr durch den Hammer Hauptbahnhof und in den dortigen Güterbahnhof. Nach mehr als sechs Stunden verlies der Uranzug laut Bundespolizei gegen 20.25 den Güterbahnhof und fuhr durch das Ruhrgebiet weiter nach Westen zum Hafen.

Bild: Rangieren des Zuges am Güterbahnhof Hamm am 28.10.2019

Quellen:SofA Münster, Greenpeace

Stand: Ende Oktober 2019

2 réflexions sur « Uranmüll aus Gronau nach Russland »

  1. So. 17.11. 13Uhr Kundgebung gegen die Urantransporte nach Russland vor der UAA Gronau

    Gastredner: Vladimir Slivyak von Ecodefense Russland

    Nächster Atommüll-Export am 18.11. erwartet, es sei dem URENCO ändert Fahrplan wegen Protest –  oder noch schöner, stellt die Transporte ein

  2. Liebe Freundinnen und Freunde,

    heute Abend hat das WDR-TV-Magazin Westpol einen längeren, sehr guten Bericht über die Uranmüllexporte von Gronau via Münster und Hamm nach Russland gebracht:

    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/video-aus-nrw-nach-russland-fragwuerdige-atomgeschaefte-100.html

    Dabei kam raus, dass Urenco klammheimlich schon seit 2016 wieder abgereichertes Uranhexafluorid (UF6) nach Russland liefert – und zwar von der britischen UAA Capenhurst. Wir gehen nach den uns vorliegenden Infos davon aus, dass es sich dabei um ein bislang komplett vertuschtes Kettengeschäft handelt, nämlich dass das UF6 ursprünglich aus Gronau stammt, dann nach Südfrankreich zur sog. Dekonversion ging und schließlich als Uranoxid in GB landete. Dort ging dann wohl dieselbe Menge UF6 nach Russland, wie ursprünglich aus Gronau abging. Gronau ist also der Hauptprofiteur, weil die Atommüllentsorgung in Deutschland ausfällt – echt krass, aber leider genau, was wir seit zwei Jahren befürchten!

    Bislang hatten Urenco, Miteigentümerin RWE, Land NRW und das BMU einen solchen Kettenexport immer abgestritten, jetzt fällt das Kartenhaus zusammen! Russland wird wieder zur bequemen und billigen Atommüllkippe für den Gronauer Atommüll – wir sagen zu dem dreckigen Deal klar Nein!

    Deshalb rufen wir nochmals zur Kundgebung an der UAA Gronau für nächsten Sonntag, 17. November, um 13 Uhr auf. Dazu wird um 12.40 Uhr ein Shuttle-Bus vom Bahnhof Gronau zur UAA fahren und nach Abschluss der Kundgebung wieder zurück zum Bahnhof – ihr könnt also gerne bequem mit dem Zug anreisen.

    Treffpunkt Münster: 10.50 Uhr am Haupteingang des Hauptbahnhofs, dann fahren wir um 11.08 Uhr mit dem Zug nach Gronau. Auf der Kundgebung in Gronau erhalten wir Unterstützung direkt aus Russland – wir freuen uns auf unsere russischen MitstreiterInnen und werden solidarisch gemeinsam die Proteste voranbringen. In Russland wenden sich schon mehr als 20 Umweltorganisationen gegen den Atommüllimport aus Gronau, 30 000 Menschen haben eine Online-Petition an RWE, EON und Merkel unterschrieben.

    18. November: Proteste zum nächsten Uranmülltransport Und für Montag, 18., gibt es in Gronau (8 Uhr, UAA) und Münster (10.45 Uhr, Hauptbahnhof) wieder Mahnwachen, weitere sind in Vorbereitung.

    Wir gehen zunächst wieder davon aus, dass der nächste Uranzug zwischen 11 und 13 Uhr in Gronau abfährt und durch Burgsteinfurt-Münster-Hamm ins Ruhrgebiet rollt. Zudem rechnen wir erneut mit zusätzlichen LKW-Transporten von Gronau via Enschede direkt zum Hafen Amsterdam.

    Allerdings sind nach den jetzigen Medienberichten auch Überraschungen möglich. Zeigen wir Urenco und RWE/EON, dass es so nicht geht – auf nach Gronau! Atomfreie Grüße SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen http://www.sofa-ms.de, http://www.urantransport.de)

    PS: Wie schon gemeldet, fällt der Sonntagsspaziergang am 17. in Ahaus aus, weil die BI den SoSpa solidarisch nach Gronau zur UAA verlegt hat – herzlichen Dank!

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