Plakat Im Jahr 1974 reichten über 12.000 Menschen Einwendungen gegen den Bauantrag des Betreibers Preussen-Elektra (heute e.on) ein. Als dennoch mit dem Bau begonnen werden sollte, demonstrierten über 20.000 AKW-Gegner. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) ließ die Demonstration durch einen brutalen Einsatz von zum Teil berittener Polizei auflösen. Es folgten eine Platzbesetzung auf dem geplanten Kühlturmgelände und am 23. August 1977 die Räumung des Hüttendorfes.

Der Bau wurde gegen den Willen vieler Menschen aus der Region durchgedrückt und dann wurde ein Stahl verbaut, der schon damals nicht mehr zulässig war.

Vor 30 Jahren wurde das AKW Grohnde trotz allem erstmals eingeschaltet. Seitdem bemüht sich der Betreiber e.on um ein sauberes Image.

Im Jahr 2010 zählte e.on das Kraftwerk wegen der erzeugten Jahresstrommenge von 11,42 Milliarden Kilowattstunden zu den „Top Ten der produktivsten Atomkraftwerke weltweit“.

Mox-Brennelemente Tatsächlich wird das Atomkraftwerk aber immer dreckiger. Inzwischen werden immer mehr plutoniumhaltige Mox-Brennelemente eingesetzt, die zwar billiger, aber schwieriger zu beherrschen sind. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel hat vor einem Jahr zwar angekündigt, den Einbau von Mox-Brennelementen kritisch zu prüfen – passiert ist aber nichts. Stattdessen tragen weiterhin die Anwohner um das Atomkraftwerk das volle Risiko. Nach einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz hat es statistisch durch den Betrieb des AKW in der Umgebung von Grohnde ca. 20 bis 30 zusätzliche Fälle von Kinderkrebs gegeben. Schrottreaktor

Das Atomkraftwerk macht vor allem durch Fehler und Störfälle von sich reden – 234 meldepflichtige Pannen waren es bisher. Und jetzt sind bei der jährlichen Wartung (Revision)

weitere Fehler hinzugekommen. Zunächst wurde bekannt, dass der Generator einen Totalschaden hatte, der vorher nicht entdeckt worden war. Als Ersatz wurde nun ein gebrauchter und offenbar stark angerosteter Stromerzeuger aus dem stillgelegten AKW Philippsburg herbeigeschafft. Dann tauchten im Reaktor „Fremdkörper“ auf, die sich als gebrochene Federn an den sogenannten Drosselkörpern entpuppten – diese Teile sorgen dafür, dass der Kühlstrom an den Brennelementen überall gleichmäßig fließt.

Bis jetzt wurden neun gebrochene Federn gefunden und es ist unklar, warum sie kaputt gegangen sind. Umweltminister Wenzel hält den Fund für bedenklich, hat sich aber anscheinend mit dem Betreiber darauf geeinigt, dass alle Drosselkörper im Lauf der nächsten zwei Jahre getauscht werden sollen.

Das zusätzliche Risiko tragen die Menschen in der Region.

Grohnde – Störfall ist der Normalfall

Am 1. September steht ein zweifelhaftes Jubiläum bevor. Denn vor 30 Jahren produzierte das AKW Grohnde erstmals Strom und Atommüll. Dabei führte der Reaktor lange Zeit die AKW-Pannenstatistik an.

Alleine in den vergangenen zehn Jahren gab es Lecks im Kühlsystem, Ausfall von Pumpen, Fehler im Notstromaggregat, defekte Bauteile, Austritt von Wasserdampf und Risse an Brennelementen.

Denn je älter ein Reaktor ist, desto störanfälliger wird er. Die AKWs der Generation „Grohnde“ sind doppelt so anfällig wie die neueren in Deutschland gebauten Reaktoren. Und bis zur Abschaltung Ende 2021 bleibt das Restrisiko, dass sich das nächste Mal ein Super- GAU ereignet, der uns den Rest geben kann.

Das AKW Grohnde gehört zu 83,3% E-On und zu 16,7% den Stadtwerken Bielefeld. Ein Zwischenlager mit 100 Stellplätzen für Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen wurde Anfang 2006 in Betrieb genommen.

Nur noch billig

Nach dem Atomausstiegsgesetz kann das AKW Grohnde nur noch sieben Jahre betrieben werden. Daher sparen die AKW-Betreiber jetzt, wo sie können. Das AKW Grohnde ist beim Fukushima-Stresstest der EU durchgefallen, weil es keinen ausreichenden Schutz gegen Erbeben und schwere Überschwemmungen bietet. Als Konsequenz hat der Betreiber ein paar tragbare Pumpen angeschafft – die Betroffenen der letzten großen Hochwasser an Oder und Elbe dürften das als schlechten Witz empfinden. Das dicke Ende kommt noch
Dabei sind die Reparatur- und Nachrüstkosten, wie sie durch die jüngsten Störfälle und den Stresstest notwendig wurden, wahrscheinlich harmlos gegen das finanzielle Desaster, das den Betreibern noch bevorsteht. Der Abbau der AKWs und die Lagerung des hoch riskanten Atommülls wird Milliarden kosten.

Die AKW-Betreiber haben der Bundesregierung daher vorgeschlagen, ihre AKWs zu verschenken, um sich um die Bezahlung der Abriss- und Lagerungskosten herum zu drücken.

Wir wollen das Risiko nicht länger tragen – weder das gesundheitliche noch das finanzielle!

Umweltminister Wenzel muss die Genehmigung zum Wiederanfahren des Reaktors verweigern

Grohnde muss endlich abgeschaltet bleiben