Demo in Grohnde: Redebeitrag über die französische Atompolitik
Par eichhörnchen le lundi 3 octobre 2011, 23:56 - Pressemitteilungen - communiqués - Lien permanent
Weil der angebliche Atomausstieg in Deutschland eine glatte Lüge ist...Gab es am AKW Grohnde am 2. Oktober 2011 Demos, Redebreiträge,eine Mahnwache, Blockaden, Kletterkunst, etc.
Hier mit einem Eichhörnchen-Redebeitrag gehalten am 2.Oktober 2011 - den gibt es auch als Video auf Youtube (ach Redebeiträge in einer Fremsprache halten, das ist nicht einfach!).
Über explodierende Öfen in einer Atommüllverbrennungsanlage in Marcoule und verstahlte Opfern, über Wolken die Halt an der Grenze machen, Pfush im Beton des EPR-Reaktors, international widerständige Menschen in Frankreich sowie über Repression gegen Engagierte.
Nach der Demo gab es eine (kletter)künstlerische Aktion über eine Zufahrtstraße zum Akw - sowie einen rechtswidrigen Polizeieinsatz dagegen (Versammlungs- und Meinungsfreiheit ist für sie oft ein Fremdwort...). Mehr dazu im nächsten Beitrag.
Bild: Eichhörnchen bei einer Kletteraktion in Grohnde (nach der
Kundgebung) - Foto Konrad Lippert
Pfusch, Gewalt, Geheimnis und Vertuschung: Diese Begriffe bringen die
französische Atompolitik auf den Punkt.
Sechs Monate nach dem schrecklichen dreifachen GAU in Fukushima hielt eine
weitere atomare Explosion zahlreiche Menschen in Atem. Im Südfranzösischen
Marcoule ereignete sich am 12. September 2011 ein schwerer Unfall in einer
Atommüllverbrennungsanlage.Ein Arbeiter kam bei der Explosion eines Ofens ums
Leben, 4 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Über diesen " nicht atomaren
Industieunfall" - wie der Innenminister sagte - wurde die Öffentlichkeit erst
zwei Stunden nach der Explosion informiert. Und natürlich hieß es,
Radioaktivität sei nicht ausgetreten, keiner der ArbeiterInnen sei verstrahlt
worden.
Wenige Tage später verdichteten sich - wie oft wenn es um die Atomkraft geht -
Hinweise auf Vertuschung.
Von Glück kann wenn es toten gibt überhaupt nicht die Rede sein. Aber ja das
ist irgendwie Glück im Unglück. Der toter Arbeiter stammte aus Spanien und dort
stellte man sich Fragen, als der Arbeiter beerdigt wurde. Die Leiche des Opfers
durften sich nicht einmal seine Verwandten anschauen - weil der Tote in einem
speziellen gepanzerten Sarg gelegt wurde. Gut unterrichteten Kreise der Justiz
zu Folge war es nicht möglich die Leiche zu dekontaminieren, so dass es als
schwachradioaktiven Müll zu verpacken war.
Für Empörung sorgt weiter, dass sowohl die für die Atommüllverbrennung
zuständige Firma Socodei, eine Tochterfirma des staatlichen
Stromversorgungsunternehmens EDF, als auch die Regierung über die Herkunft des
Atommüll - und dessen radioaktives Inventar schweigen. Eine militärische
Herkunft - zum Beispiel plutoniumhaltiges Atombombenmaterial - wird
vermutet.
Dafür spricht nämlich dass eine der schwerverletzten Opfer inzwischen im
Militärkrankenhaus liegt. Über seinen Gesundheitszustand und darüber ob es
verstrahlt wurde wird nicht kommuniziert. Das ist Militärgeheimnis - genauso
wie alle die Sicherheit von Atomanlagen betreffenden Informationen in
Frankreich. (Aktuelle Infos zum Thema bei Sortir
du nucléaire)
Geheimnis und Vertuschung herrscht ebenfalls in der Aufklärung um die
radioaktive Verseuchung Frankreichs durch die Technobyl-Wolke. Offiziellen
Angaben zu Folge hielt die Wolke an der Deutschen Grenze. Frankreich wurde
nicht kontaminiert, es wurden - anders als in Deutschland - keine sanitäre
Maßnahmen getroffen. Mehrere Hundert Menschen, die in Folge von Tschernobyl an
Schuldrüsenkrebs leiden, haben den Staat verklagt. Wenige Tage nach dem GAU in
Fukushima beantragte die Staatsanwaltschaft, das Verfahren klanglos
einzustellen. Dem folgte inzwischen das Gericht.
Und währenddessen gehen die kriminellen Machenschaften der Atomlobby weiter.
Wenn das Leben von Millionen Menschen gefährdet ist, das nenne ich
kriminell!
In Flamanville, in der Nieder-Normandie wird ein neues Atomkraftwerk gebaut.
Der so genannter EPR sollte ursprünglich 3 Milliarden Euro kosten. Inzwischen
sind wir aber bereits bei 6 Milliarden. 2007 wurde ein Aktivist vom
Französischen Netzwerk Atomausstieg durch dann innere Geheimdienst des
Militärgeheimnisverrates bezichtigt, als eine Studie zur den Sichrheitsmängeln
des Reaktors veröffentlicht wurde. Ich selbst stand in Cherbourg vor Gericht,
weil ich mich an einer Strommasbesetzungsaktion gegen diesen Reaktor
beteiligte
Inzwischen bemängelt aber selbst die französische Atomaussichtsbehörde ASN den
Pfush im porösen Betonfundament des Reaktors. Pfusch und Fälschungen sind auf
der Tagesordnung der Baustelle - ähnlich wie in Köln... über diesen Beton wird
aber kein Stadtarchiv stehen, sondern ein Atomreaktor. Der Bau hat inzwischen
über zwei Jahre Verzögerung. Hoffentlich wird aus diesen zwei Jahren eine
Ewigkeit!
Das sind alles keine erfreuliche Nachrichten aus Frankreich. Aber dort gibt es
selbstverständlich zahlreiche Menschen, die sich gegen diese tödliche Industrie
engagieren!
Dank der mühsamen Arbeit der AktivistInnen ist das Thema Atomkraft zum ersten
Mal Thema im Wahlkampf für Wahlen auf nationaler eben. 2012 stehen
Präsidentschaftswahlen an. Nicht dass ich für Wahlen und die Politik von oben
werben will. Jeder kenn den Spruch... wenn Wahlen etwas verändern würden, wären
sie verboten. Aber es zeigt dass das Thema es allmählich in die Öffentlichkeit
schafft.
Am 15. Oktober wird es dezentral in 7 verschiedenen Städten Demonstrationen
gegen die Atomkraft geben. Zum Beispiel in Straßbourg an der Grenze! Weil
Radioaktivität keine Grenzen kennt, darf unser Widerstand auch keine Grenzen
haben. Ihr seid alle nach Straßbourg herzlich eingeladen! (Infos bei
www.sortirdunucleaire.org)
Global denken und Lokal handeln, das ist auch ein wichtiger Ansatz. Der
Atomausstieg - angenommen wir hätten wirklich eins in Deutschland - bringt uns
nichts wenn es auf der anderen Seite der Grenze knallt. Das ist kein
Atomausstieg, wenn in Deutschland die Urananreicherungsanlage in Gronau
erweitert wird und Brennstoff aus Gronau und Lingen ins Ausland geliefert wird
- Der Uranhahn muss sofort zu gedreht werden! Wir müssen Druck machen, es darf
nicht sein, dass der Protest gegen die Urananreicherungsanlage in Gronau nur
von regionaler Bedeutung bleibt.
Und weil die Aktivistinnen in Frankreich auch wissen, wie wichtig
internationaler Protest ist, werden sie dieses Jahr erneut gegen den
Castortransport von La Hague nach Gorleben. Meinen Beitrag schließe ich mit
einem Lob an die AktivistInnen vom GANVA. Die AktivistInnen
dieser französischen gewaltfreien Aktionsgruppe stellten sich im November 2010
dem Castortransport in dem Weg. Nachdem der Zug zum Stehen gebracht worden war
ketteten sich 4 von ihnen an der Schiene Fest. Drei Stunden konnten sie den
Transport in der nähe von Caen aufhalten.
Doch sie mussten dafür dass sie sich deutschem Atommüll in dem Weg stellten
einen hohen Preis zahlen. Die Polizei verletzte sie bei der Räumung schwer.
Zuvor hatte sie die Presse weg geschickt, damit sie in Ruhe foltern kann. Einem
Aktivisten trennte die Polizei zwei Sehnen mit der Flex. Andere wurden schwer
verbrannt und musste anschließend operiert werden.
Die AktivistInnen wurden vor Gericht zu hohen Geldstrafen verurteilt. Ihre
Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Polizei wurde von der
Staatsanwaltschaft nach wenigen Tagen eingestellt.
Damien, einem der AktivistInnen von GANVA, dem ich gut kenne weil er in
Deutschland an einer Luftblockade eines Atomtransportes in Geestacht
(Ottohahn-Brennstäbe die inzwischen in Lubmin lagern) beteiligt war, sagte mir
neulich im Bezug auf der Gewalt der Polizei: erst jetzt recht! Ich bin wütender
denn je und will weiter kämpfen. Niemals aufgeben!!!!!
Dem schließe ich mich an! Niemals aufgeben!