Den Schaden habe ich vor einem Monat gemeldet, vor 2 Wochen war ein Techniker vom Sanitätshaus da und hat den Schaden aufgenommen. Seitdem ist nix passiert, noch keine Reparatur in Sicht und weder Krankenkasse noch Sanitätshaus haben einen Ersatz für die Zeit bis der Rolli repariert ist, angeboten. Aber ich bin nicht plötzlich in der Lage hin und her zu laufen, weil ich keinen funktionierenden Rollstuhl habe! Heute habe ich zb einen schlechten Rheuma-Tag und kann so gut wie keinen Schritt selbst laufen, die Rheumaschmerzen in beiden Knie sind unerträglich, wenn ich diese belaste.

Die Beschwerde

Ich möchte auf  einen Sachverhalt im Bezug auf Barrierefreiheit und Mobilitätsdienst der Bahn eingehen.

Es geht um eine Reise mit der Bahn von Erkelenz nach Lüneburg am 24. Juni 2019. Vorgangsnummer V-00669075
Ich bin Rollstuhlfahrerin.

Ich Mein erster ICE hatte Verspätung, in Hannover war der Anschluss schon weg, als ich ankam. Das sind Sachen die passieren, damit kann und muss ich alle anderen Fahrgäste leben.
Was ich aber nicht in Ordnung finde, ist dass die Tatsache dass ich im Rollstuhl sitze, in solchen Situation regelmäßig zu großen Problemen führt, das habe ich oft erlebt und nicht immer gemeldet. Dieses mal mache ich mir die Mühe die Probleme zu schildern, in der Hoffnung auf Verbesserungen.

In Hannover war die Frau vom Mobilitätsdienst, die mich in Empfang nahm, sehr freundlich. Aber sie sagte selbst - und das glaube ich ihr - dass es zu wenig Personal gebe und sobald ein kollege krank sei, sei es mit
dem Mobilitätsdienst kaum zu verwalten. Sie musste an jenem Tag sowohl die Mobilittäshilfe leisten, als auch Dienst am Infopunkt in der Bahnhofshalle leisten.

Die Dame hat sich nach einer Lösung für mein Weiterkommen bemüht. Ich sollte den darauf folgenden ICE nach Hamburg nehmen. Es war wenige Minuten später (ich habe es nicht mehr genau im Kopfe, aber das wäre um ca. 16:20 gewesen (ich hatte den Anschluss von 15:59 ICE 588 verpasst).
Sie erklärte mir, ich müsse diesen ICE nehmen, auch wenn er nicht in Lüneburg (Zielbahnhof halte) weil ich damit in Hamburg Harburg umsteigen könne, um in LG Gleis anzukommen, der Aufzug Gleis 2 sei außer Betrieb.

Das Mobilitätsdienst hatte meine Reise bestätigt, mich aber nicht darüber informiert, dass der Aufzug in Lüneburg nicht funktionsfähig ist. Also selbst ich meinen Anschluss bekommen hätte, wäre dies eine
böse Überraschung gewesen.

Doch es kam die nächste Überraschung: den Folgezug nach Hamburg durfte ich nicht nehmen, die Zugführerin lehnte dies mit der Begründung es gebe ein technisches Problem (Klo außer Betrieb, um mehr ging es nicht, wenn ich richtig verstanden habe) ab. Ich saß vor dem Wagen mit dem unbesetzten Rollstuhlplatz und durfte nicht einsteigen. Ich erklärte, ich könne es problemlos bis nach Hamburg ohne Toilettengang aushalten.
Aber, nein, ich durfte nicht einsteigen. Es ist ein Ärgernis, dass das behinderten Klo außer Betrieb ist. Das erlebe ich viel zu oft bei der Bahn. Aber ich finde es nicht in Ordnung, dass mir die Wahl nicht gegeben wird, trotzdem mitzufahren. Behinderte Menschen sind nicht "zu nichts" fähig und in der Lage Entscheidungen zu treffen! Ich darf doch entscheiden, ob ich trotz nicht funktionierenden Klo einsteigen will oder nicht! Ich weiß einzuschätzen, wie problematisch diesen Umstand ist! und es ist Willkürlich. Denn mal darf ich trotz kaputtem Klo einsteigen, mal nicht.

ich musste also auf den darauf folgenden ICE warten. Der Fuhr 16:59 los. Der Rollstuhlplatz war belegt. Der Schaffner war aber kulant und freundlich, ich durfte einsteigen. mein Rollstuhl stand ein bisschen im Wege, aber das war auch für die anderen Fahrgäste OK.  Doch den Umweg über Harburg  wegen kaputtem Auszug in Lüneburg wollte ich wirklich nicht mehr in Kauf nehmen. Denn ich hätte am Ende 2,5 Stunden Verspätung gehabt und einen wichtigen Termin in Lüneburg verpasst.

Eine Zugreisende, die meinen Ärger mitbekam, schlug vor, mir zu helfen, die Treppe runter zu gehen. Also Rollstuhl und Gepäck nach einander zu tragen und mir dann die Treppe herunter unterstützen. Dafür brauchte es zwei Personen, weil der Rollstuhl 45kg wiegt. Das hat schließlich geklappt, die Verspätung bleibt also schließlich bei einer Stunde. Es ist aber keine schöne Erfahrung, so vom Glück dass andere Reisenden hilfsbereit sind, abhängig zu sein. Das ist stressig. Nicht die Bahn hat mir hier geholfen, sondern Fahrgäste! Das nenne ich nicht barrierefreie Bahn.

In Lüneburg kam ich mit dem Hublift aus dem Zug. Der Mitarbeiter erzählte mir hier auch, dass es an Personal mangle. Er sei alleine im Dienst.
Die Bahn sollte mindestens dafür sorgen, dass genug Personal eingestellt wird. Ich Lüneburg kommt es häufiger vor, dass eine Hilfeleistung abgelehnt wird (Hublifteinsatz), weil es kein freies Personal gibt.

Fernzüge Richtung Süden und Norden kommen oft zeitgleich in Lüneburg ein. Ein-e Angestellte-r kann sich nicht allein um beide eins/Aussteige kümmern, wenn zufällig für beide Züge Rollstuhlfahrer sich melden.

Und es ist kein Zustand, dass Aufzüge über Wochen außer Betrieb bleiben (in Lüneburg ist laut Personal vor Ort kein Termin in Sicht, zudem der Fahrstuhl wieder in Betrieb genommen wird) und es keine Alternativlösung für Mobilitätseingeschränkte Menschen gibt.

Ich kann die kommenden Wochen meine Termine in Hamburg nicht wahr nehmen, wenn ich keine Menschen finde, die bereit sind meinen schweren Rollstuhl zu tragen.  Das ist keine erträgliche Situation.

Denn nach Hamburg fahren die Züge /Fernverkehr und RB Linie 3) immer von Gleis 2 oder 3. Die RB Linie 31 fährt zwar von einem anderen Gleis am Westbahnhof ab, aber da ist der Teil vom Bhf der bislang nicht barrierefrei ist, die Zugbühne kann dort nicht eingesetzt werden. Und es ist laut Bahnpersonal vor Ort nicht möglich die Züge auf Gleis 1 zu verlegen, weil es nach Norden keine Signalisation gibt (Ampel). Kann man da nicht Abhilfe schaffen, das kommt oft vor, dass der Aufzug außer Betrieb ist, also müsste sich die Bahn Gedanken um eine Alternative machen.  Das wäre im Sinne der Barrierefreiheit.

Ich fahre heute wieder Zug und komme Gleis 2 in Lüneburg an. Ich hoffe einfach mal, dass ich im Zug Menschen die in Lüneburg aussteigen finde, damit mir die Treppe herunter geholfen wird... und es bedeutet trotzdem Schmerzen, selbst wenn Menschen mir helfen, die Belastung der Gelenke ist schmerzhaft.

Barrierefreiheit im Jahr 2019....

Gruß

Cécile Lecomte