Diese Anleitung richtet sich an Menschen mit vorhandenen Kletterkenntnissen, die Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung das Baumklettern beibringen möchten oder selbst ausgebildete Kletter*innen sind, es wegen körperlicher Beeinträchtigung jedoch nicht mehr wie früher schaffen, hoch zu kommen. Je nach Handicap ist die Technik anpassbar. Ich stehe für Rückfragen zur Verfügung. ( http://www.eichhoernchen.ouvaton.org/de/kontakt.html ).

Meine Schmerzen schwanken innerhalb eines Tages und von Tag zu Tag stark. Die Krankheit verläuft schubweise und ein Schub kann mehre Wochen bis mehrere Monate andauern. Ich bin dabei auf viel Unterstützung im Alltag angewiesen, kann mich abends nicht selbstständig anziehen und habe bereits beim Tee-Trinken Schwierigkeiten die Tasse in der Hand zu halten. Ich bin froh es endlich geschafft zu haben, dieses Video zu drehen und schneiden. Ich bin da kein Profi, es sollte aber trotzdem nützlich sein, denke ich.

Ich war in den letzten Monate oft krank (Erkältungen ohne Ende wegen Schwächung des Immunsystems durch neuem Therapieversuch) und hatte gerade einen 2,5 Monaten langen Schub mit heftigsten Schmerzen. Blöderweise löste sich der Schub bei einem Krankenhausaufenthalt (Naturheilkunde in der Rheumaklinik in Berlin) aus... dort suchte ich nach Therapien... Erfolgreich war es leider nicht - doch lokal hat die Blutegeltherapie sehr geholfen, aber das ist ambulant wenn ich die Therapie fortsetzen will, leider keine Leistung der Krankenkassen - ich habe die Kraft noch nicht gefunden, bei einem/er Heilpraktiker*in nach Preisen und Bedingungen anzufragen. Es wurde mir irgendwann mit dem Stress vom politischen Alltag (und Misshandlung im Knast zum Beispiel) oben drauf zu viel, darum bin ich in den letzten Wochen etwas weniger Aktiv gewesen. Es ist wichtig auch mal Pause zu machen, auch wenn es mir schwer Fällt Anfragen abzulehnen.

Klettern geht nicht zu jeder Tageszeit, aber es geht trotzdem und ich habe Spaß dabei, das ist viel schonender als Laufen für meine Gelenke. Ich kann nur wenige Schritte laufen und nutze meinen Rollstuhl täglich, ohne Rolli fühle ich mich aufgeschmissen, das sind meine Ersatzbeine im Sinne der horizontalen Gesellschaft. Beim Klettern fühlt es sich anders als beim gehen an, was die Schmerzen angeht. Adrenaline spielt beim Schmerzempfinden hier sicherlich eine Rolle! Und ich hänge im Seil und kann mein Gewicht und die Kraftanspannung auf die verschiedenen Glieder verteilen. Die Gelenke werden schließlich wenig belastet und ich passe mich den Einschränkungen an. Ich kann auf die Beine nicht aufsteigen. Horizontal - etwa wie beim Liegefahrrad - habe ich dagegen ein wenig Kraft und vor allem weniger Schmerzen. Also setzte ich Hüftenbewegungen und horizontale Beinbewegungen ein. Hätte ich Schmerzen in den Hüften oder gar keine Beinfunktion und dafür Kraft in den Armen, würde ich am Flaschenzug feilen und mich mit Armkraft hoch ziehen. Jede Behinderung ist anders. Und vieles ist möglich!

Die Bilder sind von Barbara Schnell und die bewegten Aufnahmen von Olivier Samain - das letzte Bild ist von einer Uranzugblockade im September 2018 an der Moseltalbrücke.

Kolumne: anders sein

Ich leide seit 2004 an chronische rheumatoide Arthritis (Autoimmunkrankheit, schmerzhafte chronische Gelenkentzündung). Der Verlauf meiner Erkrankung gilt als schwer beeinflussbar. Auf dem Papier habe ich einen Grad der Behinderung von 80 mit Merkzeichen G und B. Aber was heißt „Behinderung“ im Alltag? Das ist nicht auf eine Plastikkarte mit der Aufschrift „Schwerbehindertenausweis“ zu reduzieren! „
Ich berichte in dieser Kolumne „anders sein“  über den Kampf um eine adäquate Schmerzbehandlung, über meine Erfahrungen als Schwerbehinderte und den Umgang der Gesellschaft damit. Manche Texte richten sich an „gesunde“ Menschen, es geht um Vermittlung, weil „gesunde“ Menschen sich in den Alltag chronisch kranker Menschen nicht hineinversetzen können. Andere Texte, können anderen Betroffenen Ideen für ihren eigenen Kampf gegen die Krankheit und die Mühlen des bürokratischen Gesundheitssystems nützlich sein.