Foto Philip Eichler

Die Aktion war geeigneter "Hingucker" um Flugblätter in einem feindlichen Umfeld zu verteilen - die Passagieren die zu ihren Flug wollen oder die Angestellten der Fraport und anderer Unternehmen am Flughafen mögen nicht unbedingt unsere Kritik hören, sehen oder lesen. Verdrängen ist ihnen lieber. Viele die PassantInnen zeigten sich auf jeden Fall interessiert und fragten von sich aus nach den Flugblättern. Die Presse erhielt die Gelegenheit, Bilder und Filmaufnahmen zu machen. Denn vom Terminal 2 aus fuhren anschließend die geladenen Gäste und die Presse zur Einweihungsfeier auf die Landebahn hin. Diese Einweihung stellte sich als reiner Propaganda-Show von einer mit der Politik stark verfilzten Industrielobby heraus. "Wirtschaftsnation, Wirtschaftsstandort" beherrschte den Diskurs. Eine Unverschämtheit und Arroganz von Politik und Industrie in Zeiten von Klimawandel und Protesten der "Occupy-Bewegung" gegen die Übermacht von Börsen und Finanzmärkten. Profit regiert die Welt - leider. In der Presse war anschließen kaum kritische Berichtsersttatung zu der neuen Landebahn zu finden. Widerstandsdorf 2008-9 Der Protest wurde lediglich am Rande erwähnt und die Berichtserstattung beschränkte sich meist auf die "Verlärmung der Region" - ein wichtiger Aspekt der Kritik, aber das ist keinesfalls eine ausführliche recherchierte Berichtserattung.

Klimawandel, CO2-Ausstoß, wurden in der Regel lediglich in zwei Zeilen im Zusammenhang mit unserer Robin Wood Protestaktion am Terminal erwähnt. Ohne unsere Aktion wäre das Thema komplett ausgeblendet worden. Statt dessen konnte sich beispielsweise ein Luftansa-Chef mintutenlang im Hessischen Rundfunk über den vor kurzem durch das VGH verhängten Nachtflugverbot beschweren.

Das Eichhörnchen hätte eigentlich krankheitsbedingt im Bett bleiben sollen. Aber solch ein Ereignis wollte ich doch nicht verpassen - denn ich bin schon seit Jahren im Widerstand gegen den Flughabenausbau aktiv. Für mich war es wichtig am gestrigen Tag noch ein Zeichen zu setzen.Der Widerstand hat nicht mit der Räumung unseres Widerstandsdorfes (Bild oben mit der Räumung des Eichhörnchens z.B.) und der anschließenden Verfolgung von umweltbewegten Menschen vor Gericht aufgehört. Nein! Wir wissen, dass wir es mit einer gewaltigen Lobby zu tun haben. Die Verfilzung von Industrie und Politik zeigt, dass Widerstand nur auf der Straße oder in der Luft einen Sinn hat. Wir sind vielleicht nur ein kleiner Tropfen im Meer - aber wir werden nicht aufgeben. Ich will nicht die Folgen der verrückten Politik von oben auf dem Gewissen haben!

räumung cecile 2009

Einen Text darüber, was der Widerstand für mich bedeutet, was wir in den letzten Jahren erlebt haben, wie es sich anfühlt auf der Seite der "Verlierer" zu stehen, werde ich demnächst schreiben, wenn ich wieder etwas gesunder bin. Mit Fieber und Erkältung fühle ich mich gerade nich so richtig in der Lage länger zu schreiben. Zu der gestrigen Aktion übernehme ich aber schon mal einen Beitrag aus dem Robin Wood Blog.

Eichhörnchen

Beitrag aus dem Robin Wood Blog:

ROBIN WOOD-AktivistInnen haben heute am Vormittag im Terminal 2 des Flughafens ein 40 Quadratmeter großes Transparent entrollt mit der Aufschrift: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Flugbewegungen deckeln!“ Sie demonstrierten damit gegen die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen, die heute im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Betrieb genommen wurde. „Fliegen ist der Klimakiller Nummer eins, wenn es um das Verhalten des Einzelnen geht. Deshalb brauchen wir nicht mehr, sondern weniger Flugverkehr. Merkel und Ramsauer weihen hier ein Dinosaurierprojekt ohne Zukunft ein“, sagt ROBIN WOOD-Aktivistin Aglaia Abel.

Gut eine Stunde protestierten die RobinWood Aktivist_inen gegen die erneute Expansion des Flughafens und wachsenden Flugverkehr weltweit. Während drei Aktivist_innen das Deckengerüst des Terminals nutzen, um ihr Transparent zu hängen (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Flughafen von Cecile für das “coole Klettergerüst”), verteilten andere Aktivist_innen am Boden Flugblätter und warben damit für mehr Lebensqualität durch weniger Fliegen. Unangenehm empfanden die Kletter_innen die Staubwolke durch die sie sich kämpfen mussten und meinten, die Fraport könne sich bei Robin Wood für die Reinigung bedanken. Die Aktivist_innen sind zufrieden mit der gelungenen Aktion. Sie hatten Monate im nun für die Landebahn gerodeten Wald gelebt und trauern um das verlorene Gelände. Resigniert haben sie nicht. “Wir haben nicht verloren, auch wenn die Landebahn nun gebaut wurde, wir werden weiter dafür kämpfen, dass sie irgendwann auch wieder wiederbewaldet wird.”

Für den Bau der vierten Landebahn hat der Flughafenbetreiber, die Fraport AG, rund 300 Hektar Bannwald kahl schlagen lassen. Damit wurden ein wichtiger Klimaregulator, der Lebensraum vieler, teilweise bedrohter Tierarten, ein wertvolles Naherholungsgebiet und natürlicher Schallschutz zerstört. ROBIN WOOD hatte von Anfang an den Widerstand gegen den Bau der neuen Landebahn u.a. mit Baumbesetzungen gestärkt und das Widerstandsdorf im Kelsterbacher Wald unterstützt.

Fraport will mit der Landebahn Nord-West die jährlichen Flugbewegungen von 500.000 auf 800.000 steigern, technisch möglich wären bis zu eine Million Flugbewegungen. Mit der neuen Bahn kann Frankfurt – statt wie bisher 82 – künftig 90 Flüge pro Stunde abfertigen, also alle vierzig Sekunden ein An- bzw. Abflug. Nach Fertigstellung des neuen Terminals 3 soll sogar eine Abfertigung von 126 Flügen pro Stunde möglich sein.

Fliegen schadet dem Klima immens. Bereits heute trägt der Flugverkehr bis zu vierzehn Prozent zur globalen Erwärmung bei. Um einen Klimakollaps noch abzuwenden, ist eine radikale Reduktion der Treibhausgas-Emissionen notwendig. In Deutschland müssten sie laut Umweltbundesamt bis 2050 um neunzig Prozent sinken gegenüber dem Vergleichsjahr 1990. Im Verkehrssektor geht dies nur durch eine Beschränkung des bislang noch stetig wachsenden Flugverkehrs. Bundes- und hessische Landesregierung sorgen jedoch für das Gegenteil und feiern es – wie heute in Frankfurt – noch als Fortschritt, wenn die Infrastruktur für den klimaschädlichsten aller Verkehrsträger ausgebaut wird. „300 Hektar Wald kahl geschlagen und 300.000 Flugbewegungen mehr pro Jahr – das ist eine Bankrotterklärung für eine klimaverträgliche Verkehrspolitik“, sagt Abel. „Klimaschutz in unserem Mobilitätsverhalten fängt mit weniger Fliegen an.“

ROBIN WOOD will bessere Mobilität für alle statt mehr Verkehr. ‚Mehr Verkehr’ bedeutet mehr Lärm, mehr Beton, mehr Abgase, mehr Treibhausgase und mehr Stress. Deswegen brauchen wir keinen Ausbau von Flughäfen, sondern grundlegend neue Ziele in der Verkehrspolitik. Sie geht von der Frage aus: Warum sind Menschen und ihre Sachen unterwegs? Wie können wir unseren Mobilitätsbedürfnissen auch in Zukunft sicher nachkommen – gerecht, umwelt- und klimaverträglich?

Aglaia Abel und Anne Mühlemeier