Die gegen die beiden Kletteraktivistinnen eingeleiteten Strafverfahren wegen eines Eingriffes in den Schienenverkehr wurden wenige Wochen nach der Aktion eingestellt, es konnte keine Straftat festgestellt werden. Die Bundespolizei verfolgt jedoch die Handlung weiter als Ordnungswidrigkeit und verschickte Bußgelder in Höhe von 500 Euro wegen Verstoß gegen die Eisenbahn- Bau- und Betriebsordnung (EBO).
Die zwei Kletteraktivistinnen haben Widerspruch eingelegt. Der erste Prozess gegen Kletteraktivistin Cécile Lecomte findet am 06. September 2017 um 11 Uhr vor dem Amtsgericht Potsdam  (Saal 21) statt. Die Prozesse finden in Potsdam statt, weil die Bußgeldbehörde dort ihren Sitz hat.
Die Betroffene freut sich über solidarische Unterstützung vor und im Gerichtssaal. Kommt zum Prozess! Schreibt dem Gericht Protestbotschaften! Führt eigene Aktionen durch!

Hintergrund

Das Uranerzkonzentrat, das der gestoppte Zug geladen hatte, war zuvor mit einem Schiff der Reederei MACS aus Namibia nach Hamburg befördert und auf dem Süd-West-Terminal der Firma C. Steinweg umgeschlagen worden. In Frankreich wird das Uran in mehreren Etappen chemisch verarbeitet, angereichert und schließlich zu Brennelementen für den Einsatz in Atomkraftwerken weltweit gefertigt.

Das Uranerzkonzentrat ist aber auch unentbehrlicher Ausgsangangsstoff für die Produktion von Atombomben. Tatsächlich gibt - und gab es nie !- eine Trennung zwischen der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie. Beide Bereiche sind vielfach miteinander verknüpft und voneinander abhängig.

Die Versorgungstransporte der Atomindustrie finden in der breiten Öffentlichkeit kaum Beachtung, obwohl sie es sind, die den Betrieb von Atomanlagen weltweit ermöglichen. Schon am Anfang der Atomspirale und nicht erst beim GAU im Atomkraftwerk  sind zahlreiche Opfer zu beklagen. Arbeiter*innen erkranken und sterben beim Uranbergbau, ganze Gegenden werden radioaktiv verseucht. Selbst in einer Fabrik wie der in Narbonne Malvési erkranken und sterben auffällig viele Arbeiter*innen an Leukämie und anderen Krebsarten.
Die Kletteraktivistin und Journalistin Cécile Lecomte, die am 06. September vor Gericht steht, hat über diese Anlage recherchiert und ein Dossier veröffentlicht.

Atomkraftgegner*innen hatten im vergangenen Frühjahr zu Aktionstagen gegen Urantransporte aufgerufen. Die Abseilaktion vom 8. April 2016 fand in diesem Rahmen statt. Um Protestaktionen zu verhindern, hatte die Polizei die Abfahrt des Transportes vorverlegt. Die Aktivist*innen bemerkten dies und stellten sich auf die Fahrplanänderung spontan ein. Die Geheimniskrämerei gehört zum Geschäft der Atomindustrie. Informationen zu diesen Atomtransporten gelangen erst auf Initiative engagierter Menschen, die ihre Beobachtungen melden und Aktionen durchführen, an die Öffentlichkeit. Die Aktivist*innen fordern einen sofortigen Stopp aller Atomtransporte.

Für eine Protestbotschaft an das Gericht

Email: poststelle@agp.brandenburg.de

Fax: 033120171009

Aktenzeichen: 76 OWi 496 Js 36871/16 (202/16)

Weitere Informationen

Bildergalerie
Video von Graswurzel.tv zur Aktion
Aktionsbericht und Pressemitteilung von ROBIN WOOD
Dossier von Cécile Lecomte über die Uranfabrik in Narbonne Malvési
Hamburger Kampagne gegen Atomtransporte mit Hintergrundinformationen
Bundesweite Vernetzung gegen Urantransporte mit Hintergrundinformationen
Antirep-Seite