Letzte Woche hatte der Liedermacher David Rovics aufgrund von Hannas Inhaftierung einen Zwischenstopp in Hildesheim eingelegt und gemeinsam mit Hildesheimer Musiker*innen ein Konzert in Hörweite der Gefangenen gegeben. Über 60 Leute waren gekommen, um sich das Konzert draußen anzuhören und die eingesperrte Aktivistin zu unterstützen. Eine gute Stunde dauerte das spontan organisierte Konzert. Trotz des unschönen Anlasses war es ein sehr schönes Konzert mit sehr gemischtem Publikum und ausgelassener Stimmung. Die Musiker*innen forderten eine Welt ohne Knast und Strafe und bezogen sich in Liedern und Ansagen auch auf die anderen Inhaftierten.

Durch Hanna bekamen wir hinterher mit, dass unser Konzert auch anderen Gefangenen gefallen hat. Alles in allem war es also eine gelungene Aktion, die die Aktivist*innen Dienstag abend wiederholen wollten. Es ging zunächst unverstärkt los und es wurden einige Lieder mit Akkordeon und Geige gesungen. Diesmal kamen bereits nach einer Viertelstunde die Bullen. Während das Megafon mit einer interessanten Konstruktion aus zwei Mikrofonständern zur Verstärkung klar gemacht wurde, versuchten die beiden Uniformierten, die Leute vom Musik machen abzuhalten und teilten ihnen bei der Gelegenheit mit, dass unser Unterfangen jetzt eh keinen Sinn mehr hätte, weil die JVA Hanna inzwischen eh “in den Keller“ gebracht hätte.

So versuchen die Repressionsorgane, solidarischen Prozess zu unterbinden: Weil sie an die Menschen draußen nicht rankommen, lassen sie die Repression an Hanna aus und sperren sie in eine Arrestzelle im Keller des Knasts.

So versuchen sie, uns davon abzuhalten, die Gefangenen und insbesondere Hanna solidarisch zu unterstützen. Doch wir lassen uns nicht davon abhalten, Knast und Repression zu kritisieren!
Wir werden weiter dagegen protestieren, dass Menschen für legitimen Widerstand oder weil sie bspw die ‚falschen‘ Drogen konsumiert haben, eingesperrt werden!

Soweit die Perspektive solidarischer Menschen aus Hildesheim, im Knast schreibt Hanna dazu noch am gleichen Abend:

Jetzt kenne ich auch die Strafzelle. Die sieht so aus wie eine klassische Gewahrsamszelle: Gittertür, Edelstahl-Klo und so eine blaue Sportmatte zum Liegen. Zettel und Stift durfte ich nicht mitnehmen. Videoüberwacht. Wenn mensch pinkeln will, soll mensch vorher klingeln, dann wird für fünf Minuten die Kamera ausgemacht, so steht es auf dem einzigen Hinweisschild in der Zelle. Sie hat auch ein Fenster. Habe ein paar Dehnübungen gemacht und geschlafen. War die Strafe dafür, am Fenster gesessen und die Frage „Hörst du uns, Hanna“ mit „Ja, ich höre euch“ beantwortet zu haben. Habe ca. 2 Stunden da unten verbracht. Wasserflasche war einzig erlaubter Gegenstand. Falls es ein Konzert gab, habe ich davon dementsprechend nur drei Lieder mitbekommen.

Hier einige Kontaktdaten für Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die verantwortlichen Beamt*innen (in Vechta sitzt der Leiter der JVA Oliver Weßels, er hat das Ganze zu verantworten):

Tel Hauptstelle Knast in Vechta: 04441/9160 0
Tel Knast in Hildesheim: 05121-1794939 bzw. 05121-1794930
Fax (Hauptstelle Vechta): 04441/9160 180
Fax (Knast Hildesheim): 5121 17949400
Email: JFVEC-Poststelle@justiz.niedersachsen.de
Postalisch: JVA Hildesheim, Godehardsplatz 7, 31134 Hildesheim (in Hildesheim geht auch vorbei gehen und klingeln)

Für eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den JVA-Leiter Oliver Weßels ist das Justizministerium  Abteilung III (Justizvollzug) zuständig:
Tel: 0511 120 0 oder direkt zur Abteilung III: 0511 / 120 – 5222
Fax: 0511 120 5170 oder 0511 120 9170 oder die Pressestelle 0511 120 9181
Email: poststelle@mj.niedersachsen.de
Es ist auch möglich das Formular auf der Homepage des Ministeriums zu verwenden: http://www.mj.niedersachsen.de/service/kontakt/kontakt-10649.html