Und nun die Rezension aus dem Magazin OYA

Protestaktionen in 3D

Als professioneller Kletterer weiß ich: Sehr unterschiedlich sind die Reaktionen der Menschen beim Anblick eines hoch oben schwebenden Menschen —Bewunderung, Freude. Überraschung, aber auch Angst und Sorge. Glucklicherweise musste ich bisher nie heruntergeholt werden: doch für andere Kletterer steht eben dies auf der Tagesordnung. "Das machst du toll da oben" hort Cécile Lecomte alias "Eichhörnchen" so oft wie die bald darauf folgende polizeiliche Aufforderung "kommen Sie da runter!"

Ceclles Buch greift den hilflosen Befehl im Titel auf und glänzt innen mit Kurzgeschichten und Texten aus dem politischen Alltag einer Kletteraktivistin.Die ziemlich wirksame Demonstrationsforrn des Eichhörnchens: In luftiger Hohe positioniert. verkündet Cecile ihre politische Meinung — ganz zum Missfallen von AKW-Betreibern,  Stuttgart21—Verfechtern. VattenfalI—Fans und ausführenden Polizeibeamten Weil Letztere bislang keine passende Handlungstaktik gegen "Protestaklionen in der dritten Dimension" entwickeln konnten, gelingt es ihr, Castor-Transporte stundenlang aufzuhalten oderden Betriebvon Uranfabriken zum Erliegen zu bringen. Zugleich wird mit Ceciles Aktionen fast immer erfolgreich die Aufmerksamkeit der Medien auf Umweltprobleme gelenkt Mehrere Monatelang besetzte sie zusammen mit anderen Aktivisten bei Eis und Schnee Bäume im Hamburger Gählerpark. die einer Fernwarmetrasse welchen sollten. Die Besetzungen erfuhren große Unterstützung seitens der Bürgerinnen. So  dass die - Baupläne des Vattenfall-Konzerns gestoppt wurden.

Doch hat der Erfolg auch eine Kehrseite. Nicht selten wurde Cecile bereits von der Polizei in Gefahr gebracht; sie wurde schikanlert, verletzt, in Gewahrsam genommen, festgehalten. So ist fast jeder Bucheintrag mit Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft versehen. in mehreren Fallen wurde sie verurteilt. Allerdings weiß das Eichhörnchen auch Genchtsprozesse in Kundgebungen zu verwandeln
 
Nicht nur als Tagebuch ist das vorliegende Werk zu lesen, sondern auch als Appell an die Menschlichkeit (auch in Uniform), als Entbloßung der staatlichen Willkur, als Anleitung zum Nachahmen sowie als Ermutigung zum Weiterkampfen, Menschen gehen täglich auf die Straße, um für Ihre Überzeugungen einzustehen. Andere erklettern eben Bäume, Brücken oder Masten und erobern somit für die Protestbewegung nicht nur Weite und Breite, sondern auch Höhe — von wo aus man die Problemlagen stets in voller Große vor Augen hat.
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 von Ivan Raduychev