Pressemitteilung zur Aktion vom 18.11.2019 ca. 11 Uhr (von ContrAtom und SofA)

Die Urananreicherungsanlage in Gronau exportiert seit einigen Wochen wieder ihren radioaktiven Abfall, abgereichertes Uranhexafluorid, nach Russland. Ein solcher Bahntransport muss nun anhalten, da beide Richtungen aus der Urananreicherungsanlage mit Kletterblockaden versperrt sind. Von einer Brücke am Rock‘n‘Popmuseum in Gronau hat sich eine Person abgeseilt, beim Bahnübergang zum Kieferngrundsee bei Steinfurt hängen drei Personen zwischen den Bäumen. Transparente, auch in russischer Sprache weisen darauf hin, dass ein sofortiger und endgültiger Exportstopp erreicht werden soll.

Der Export von Uranmüll nach Russland, der 2009 nach heftigem länderübergreifenden Widerstand eingestellt wurde, ist jetzt 10 Jahre später wieder aufgenommen worden. Das zeigt aus Sicht der Umweltgerechtigkeitsaktivist*innen, dass es die endgültige Stilllegung der Urananreicherunganlage braucht, damit Urenco nicht weiter auf die aus ihrer Sicht billige Entsorgung zurück greift. Das Uran lagert in Russland unter freiem Himmel in teilweise rostenden Fässern, sodass Menschen in der Umgebung an Krebs erkranken. In der vorliegenden Form von Uranhexafluorid ist es nicht nur radioaktiv, sondern auch chemisch hochgradig gefährlich, da es bereits mit Luftfeuchtigkeit zur ätzenden tödlich wirkenden Flusssäure reagiert.

Doch auch schon beim Abbau des in Gronau angereicherten Urans entstehen Umweltschäden in anderen Ländern – in Kasachstan, Kanada, Australien oder Namibia. Dort bleiben radioaktive Abraumhalden und Schlammseen zurück. „Ob beim Uranabbau oder der Atommüllverklappung – es ist einfach unfair, dass Deutschland die aus einer scheinbar billigen Energieversorgung entstehenden Zerstörungen einfach woanders hinterlässt. Das ist Kolonialismus in neuer Form – und deshalb hänge ich hier im Weg vom Atomtransport“ erklärt Anne, eine der Kletter*innen ihre Motivation.

Bereits gestern gab es Proteste gegen die Uranmülltransporte vor der Urananreicherungsanlage. Dort hatten auch russische Aktivisten gesprochen und thematisiert, dass Urenco dafür bezahlt, dass Russland das abgereicherte Uran nimmt – ein deutliches Zeichen, dass hier Müll entsorgt wird.

Die Kletterblockade dauert zur Zeit noch an – und es wird auch nicht die letzte sein, wie Adele, eine der beteiligten Atomkraftgegner*innen erklärt: „Wir werden weiter hier hängen und wieder kommen zum Blockieren, bis die Urananreicherungsanlage stillgelegt ist und bis unsere Energieversorgung nicht mehr auf fossilen Brennstoffen wie Uran oder Kohle basiert. Denn fossile Energien zerstören unsere Welt.“

Mehr Informationen: urantransport.de

Aktuelle Updates zur Blockade: twitter.com/urantransport

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Videos vom WDR

Pressemitteilung vom 19.11. vom Aktionsbündnis Münsterland und weitere

Gronau/Münster/Moskau, 19. November 2019
Pressemitteilung

Massive Kritik an Laschets Umwelt-Äußerungen

Ecodefense, Russland ♦ Greenpeace Russland ♦ Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen ♦ Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau ♦ Arbeitskreis Umwelt (AKU) Schüttorf ♦ Enschede voor Vrede ♦ SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster ♦ Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm ♦ Hamm gegen Atom ♦ Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland ♦ Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ♦ Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) ♦ IPPNW – Internationale Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs / Ärzte in sozialer Verantwortung

Nach siebeneinhalbstündiger Abseilaktion:
Uranmülltransport rollt quer durch NRW Richtung Küste

Nach der umfangreichen gestrigen 7,5-stündigen Abseilaktion bei Burgsteinfurt vor dem aktuellen Uranmüllzug mit 600 t abgereichertem Uranhexafluorid (UF6) von der Urananreicherungsanlage Gronau zur Entsorgung in Russland, konnten AtomkraftgegnerInnen den weiteren Verlauf der Fahrt durch NRW recherchieren: Der Uranmüllzug erreichte gestern Abend gegen 20.15 Uhr den Hammer Güterbahnhof, wo er fast die gesamte Nacht abgestellt wurde.

Erst gegen 5 Uhr heute morgen nahm der Uranmüllzug wieder seine Fahrt auf und fuhr nach diversen Beobachtungen über die Bahnstrecke Unna-Hagen-Wuppertal-Düsseldorf nach Duisburg-Rheinhausen, wo er gegen 7.20 Uhr gesichtet wurde. Nach Fahrt durch Mönchengladbach verließ der Uranzug gegen 9.20 Uhr bei Venlo NRW. Von Venlo sind die drei möglichen Verladehäfen Amsterdam, Rotterdam und auch Antwerpen fahrtechnisch leicht zu erreichen. Damit steht nun fest, dass der Atomzug in NRW mitten durch die dichtbesiedeltsten Städte des Landes gefahren ist, größtenteils ohne polizeiliche Sicherung. Das Uran soll später per Schiff nach St. Petersburg in Russland zur Verbringung zur Atomanlagen Novouralsk bei Jekaterinburg transportiert werden.

Gestern gab es zudem eine weitere Abseilaktion über der Bahnstrecke in Gronau sowie Mahnwachen in Gronau, Münster, Drensteinfurt, Hamm und Enschede.

Teilnehmer der Mahnwachen in Münster und Hamm war Vladimir Slivyak, Ko-Vorsitzender von Ecodefense Russland. Er kritisierte:

„Wir freuen uns sehr über die solidarischen Proteste in Deutschland gegen die Uranmülltransporte von Gronau nach Russland. Wir fordern nun von der Betreiberfirma Urenco, von den deutschen Anteilseignern RWE und EON sowie von der Bundesregierung die sofortige Einstellung dieser verantwortungslosen Uranmüllexporte. Das Gronauer Uran stellt eine massive Gefährdung auch für die Umwelt in Russland dar.“

Unterdessen kritisieren die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland scharf die Äußerungen von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der gestern ausgerechnet die Umweltbewegung für die hohen CO2-Emissionen in Deutschland mitverantwortlich gemacht hat und implizit Laufzeitverlängerungen für Atomanlagen forderte.

„Was Ministerpräsident Laschet hier versucht, ist ein dreistes Abschieben von Verantwortung für die Klimakrise. Die Umweltbewegung und die Anti-Atom-Bewegung in NRW haben schon deutlich vor Fukushima gegen den damals unter Ministerpräsident Rüttgers (CDU) sehr forcierten Neubau von Kohlekraftwerken in NRW protestiert. Es ist Herr Laschet, der aktuell die Inbetriebnahme des nächsten Kohlekraftwerks in Datteln fordert. Es ist auch Herr Laschet, der vor zwei Jahren der belgischen Regierung Braunkohlestrom aus NRW als Ersatz für das Risse-AKW Tihange angeboten hat. Vom persönlich angekündigten Exportstopp für angereichertes Uran und Brennelemente für die belgischen Rissereaktoren ist hingegen nicht mehr die Rede. Ministerpräsident Laschet will sowohl Kohle wie auch Atom einen politischen Rettungsring zuwerfen, mit Klimaschutz hat das überhaupt nichts zu tun. Nachhaltige Umweltpolitik wird es nur ohne Kohle und Atom geben,“

ergänzte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.