Und zum Hintergrund , mein GWR-Artikel über die Aktion, erschienen in der GWR Nummer 382 im Oktober 2013

Kletterprotest im Vattenfall-Land

Wer die „Vattenfall Cyclassics“ in Hamburg besucht, fragt sich ob die Stadt dem Konzern gehört. Überall das Logo des Unternehmens. Mit dem Radrennen will sich der Konzern ein grünes Image geben – obwohl der Strom, den er produziert, zu 80 Prozent aus klimaschädlicher Kohleverbrennung stammt und der Konzern gerade in Hamburg Moorburg ein neues 1600 Megawatt Kohlekraftwerk in Betrieb nimmt. Außerdem setzt Vattenfall auf die besonders klimaschädliche Braunkohle in der Lausitz, wo der Tagebau ganze Dörfer schluckt. Daran soll sich in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern: Gerade wurde der neue Tagebau Welzow-Süd II beantragt – für einen Zeitraum von 2027 bis 2042. Mehr als 800 Menschen sollen dafür aus ihren Dörfern vertrieben werden.

Selbst gegen die Abschaltung seiner Pannen-Atomkraftwerke, die in den letzten Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen sorgten, klagt der Konzern vor einem internationalen Gericht in Washington.

Robin Wood AktivistInnen waren – wie schon in den Jahren zuvor – fest entschlossen, die Veranstaltung „Vattenfall Cyclassics 2013“ zum Anlass zu nehmen, um gegen die Kohle- und Atompolitik von Vattenfall sowie - einen Monat vor dem Volksentscheid über die Energienetze in Hamburg - für die vollständige Übernahme der Netze in die öffentliche Hand zu demonstrieren.

Weil AktivistInnen in den vergangen Jahren die Erfahrung machen mussten, dass Vattenfall jegliche unerwünschte Meinungsäußerung untersagt und Transparente von der Polizei beschlagnahmen lässt, hatten sich die Robin Wood AktivistInnen für eine Protestaktion in luftiger Höhe an der Rennstrecke entschieden. Unterstützt wurden sie durch AktivistInnen der Hamburger Initiative „Gegenstrom“. Die Transparente waren im Zielbereich für die Polizei unerreichbar und für das Publikum nicht zu übersehen: „Keine Kohle in Moorburg. Tschüss Vattenfall!“ ; „Kohlekraft macht krank!“ ; „Ätsch! Kohle nix da!“.

Die DemonstrantInnen achteten darauf, das Rennen nicht zu stören. Radfahren finden sie grundsätzlich gut, nur den Sponsor Vattenfall nicht.

Zu einer erheblichen Störung kam es allerdings auf Grund eines überflüssigen Feuerwehreinsatzes gegen einen an einer Laterne demonstrierenden Aktivisten. Obwohl die Feuerwehr nur in einem Notfall zur Amtshilfe verpflichtet ist, wurde sie von Vattenfall zur Entfernung eines unerwünschten Protestplakates samt Aktivisten angefordert – der Einsatz wurde aber schnell abgebrochen: Der Kletterer gefährdete das Radrennen nicht. Das von Vattenfall angeforderte Feuerwehrfahrzeug stand dagegen mitten auf der Fahrbahn und gefährdete die ankommenden RadfahrerInnen. Schnellbremsung von RadfahrerInnen war die Folge.

An anderer Stelle wurde eine Kletterin durch die Polizei gefährdet, weil Beamten ihre Vertrauensperson am Boden in Gewahrsam nahmen und bis zum Abend fest hielten. Selbst eine Versorgung der Kletterin mit Wasser wurde an diesem heißen Sommertag von der Polizei unterbunden. Wer direkt an der Rennstrecke die KletterInnen in den Bäumen unterstützen oder Flyer gegen Vattenfall verteilen wollte, erhielt einen Platzverweis – oder wurde in Gewahrsam genommen. Werbeflyer für Vattenfall durften dagegen verteilt werden. Grundrechte sind im Vattenfall-Land keine Selbstverständlichkeit.

Die Beteiligten ziehen eine positive Bilanz

Sie konnten im Zielbereich des Radrennens zahlreichen Menschen erreichen und zum Nachdenken bringen. Der Vattenfall-Polizei tanzten sie auf der Nase. Ätsch!

Eichhörnchen