Ende Gelände goes inklusiv, mein persönlicher Rückblick

Das Jahr 2019 ist noch nicht ganz zu Ende… und ich wollte schon vor Wochen ein paar Worte zu Ende Gelände schreiben. Ich hasse die umweltschädliche ohrenbetäubende Sylvesterknallerei und nutze die Zeit lieber zum Schreiben!

Ich habe mich dieses Jahr sehr darüber gefreut, bei Ende Gelände aktiv am Ort des Geschehens mitgestalten und mitmachen zu können. Ich habe den bunten Finger in der Lausitz mit tollen Menschen mitgestaltet. 
Es war viel Arbeit und ich war nach den Aktionstagen fix und fertig, habe gut eine Woche benötigt, mich davon zu erholen. Es war mir aus verschiedenen Gründen ein wichtiges Anliegen dabei zu sein.

Das Jahr 2019 ist noch nicht ganz zu Ende… und ich wollte schon vor Wochen ein paar Worte zu Ende Gelände schreiben. Ich hasse die umweltschädliche ohrenbetäubende Sylvesterknallerei und nutze die Zeit lieber zum Schreiben!

Ich habe mich dieses Jahr sehr darüber gefreut, bei Ende Gelände aktiv am Ort des Geschehens mitgestalten und mitmachen zu können. Ich habe den bunten Finger in der Lausitz mit tollen Menschen mitgestaltet. 
Es war viel Arbeit und ich war nach den Aktionstagen fix und fertig, habe gut eine Woche benötigt, mich davon zu erholen. Es war mir aus verschiedenen Gründen ein wichtiges Anliegen dabei zu sein.

Erster Grund ist natürlich das Klima und der Kampf gegen Klimakiller. Kohlekraft ist nun mal eine der dreckigsten Formen der Energiegewinnung. Die Politik redet, verspricht und „kommissioniert“. Gegen die Klimakrise tut sie aber nichts vernünftiges.  Da hilft nur direct action. Weil es Sand im Getriebe der Kohleinsdustrie ist. Weil ich handeln will und möglichst gegen die Klimakatastrophe angehen will. Ich lebe sicher nicht vorbildlich klimaneutral, habe meine Widersprüche. Aber ich versuche möglichst im Einklang mit meinen Ideen zu leben und handeln. Dazu gehört Sand im Getriebe der Klimakiller sein.

Ein weiter Grund mich bei den Protesten aktiv einzumischen war das Thema Inklusion. Ich beteilige mich selten direkt an Massenaktionen. Ein Grund ist, dass ich die Effektivität von Kleingruppenaktionen schätze. Ein anderer Grund ist aber, dass das Thema Inklusion genauso wie in der Gesellschaft, in vielen sozialen Bewegungen noch zu wenig Raum und Wertschätzung bekommt, dass ich oft meinen Platz nicht finde. Ich mache gerne bei der Rechtshilfe mit. Dort kann ich meine aktivistische juristische Erfahrung und meine Sprachkenntnisse sinnvoll einsetzen. Aber ich habe auch mal Lust mitten im Geschehen zu sein. Nur das ist bei Massenaktion oft unmöglich, wenn man keine lange Strecken zu Fuß zurücklegen kann und mit Rollstuhl unterwegs ist!

Als ich dies zum ersten mal innerhalb von Ende Gelände ansprach, fand ich die ersten Reaktionen sehr ernüchternd. Nicht böswillig, aber irgendwie neben der Spur. Die Menschen an denen ich mich wendete, hatten zunächst nicht begriffen, worum es geht. Es wurde zum Beispiel angeboten, bei der Küche für alle auf dem Camp mitzumachen. Ich finde die Küche super wichtig. Ohne Mampf kein Kampf! Aber ich will entscheiden dürfen, wo ich mich aktiv einmische. Und die Küche ist nun mal nicht meins – für meine rheumakranke Hände bedeutet dies nämlich eher das Gegenteil von Spaß. Wäre es meine Leidenschaft, würde ich da sicher einiges wuppen. Es ist nun mal aber nicht der Fall.

Die Menschen dachten, da sei doch Teilhabe, wenn ich auf dem Camp mithelfe.
Jaein, erwiderte ich. Behinderte Menschen haben wie andere Menschen viele Fähigkeiten und Wünsche. Der Wunsch einiger Betroffenen wie ich ist es, auch mitten im Geschehen von Massenprotest dabei zu sein.

Es kam also die Idee, einen inklusiven Finger auf die Beine zu stellen. Bei Ende Gelände organisieren sich die Aktivist*innen in Bezugsgruppen und ordnen sich einer größeren Gruppe, einem Finger dann zu. Viele Finger haben eine Art eigene Identität. Hier der Queerfinger, hier der Finger mit internationalen Aktivist*innen und Übersetzung, etc. Also warum nicht einen inklusiven Finger.

Ein bunter Finger im Frühjahr zum ersten mal ganz spontan auf die Beine gestellt und hat Straßen, also zb. Polizeinfrakstruktur auf dem Weg zu den besetzten Gruben behindert. Beteiligt waren Menschen mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen. Eine bunte Mischung. Ich habe mich gefreut, als ich im Büro der Rechtshilfe sitzend, davon erfuhr. Ich hatte mich im Frühjahr für die Mitarbeit bei der Rechtshilfe entschieden und dort war es auch schön, dass Rampen für meinen Rollstuhl gebaut wurden und Rücksicht auf meine Bedürfnisse genommen wurde. Das ist oft eine Herausforderung, Barriere-arme Orte für Treffen zu finden und Gruppen davon zu überzeugen, dass dies für Teilhabe wichtig ist und genauso als poltische Aufgabe zu begreifen ist, wie die Kämpfe die wir gemeinsam führen!

Der Finger war im Frühjahr nicht optimal in der Gesamtchoreografie eingebunden. Es war ber eine erste positive Erfahrung und es gab Menschen die die Motivation hatten, es im Herbst in der Lausitz erneut und besser vorbereitet, zu versuchen. Ich habe mich über die Einladung mitzugestalten gefreut. Das war für mich eine interessante neue Erfahrung.Denn ich weiß was ich als Rollstuhlfahrerin benötige und das ist schon nicht einfach auf die Beine zu stellen. Aber was benötigen andere Menschen mit Einschränkungen?
Sehr schön fand ich die Einladung zu Ende Gelände in Gebärdensprache!

Auch wenn schließlich keine Taube Menschen mit dabei waren, viele Rollstuhlfahrende waren es auch nicht.

Ich denke das ist ein Prozess, wenn Protest immer inklusiver gestaltet wird, trauen sich immer mehr Menschen, die bislang darin kaum Teilhabe hatten, mitzumachen.

Die Aktion war für Menschen mit Rollstuhl oder die schlecht zu Fuß sind, letztlich super. Wir sind mit dem Bus punktgenau zum Aktionsort an die Kohlebahn gekommen. Die einen haben dann die Straße und die anderen die Schiene – wer wollte wurde auf die Schiene getragen – für einen kurzen Aktionstag blockiert und waren somit Sand im Getriebe der Kohleinfrastrukur und haben für weitere Aufmerksamkeit auf das Thema Kohle und Klima gebracht. Natürlich reicht solch eine Massenaktion nicht aus. Es ist aber ein wichtiger Protest-beitrag. Beteiligt waren auch Menschen, die kaum Aktionserfahrung haben und einen sicheren Rahmen haben wollten. Die rechtlichen Folgen waren einschätzbar. Die Gesamtchoreografie war mit anderen Fingern  – die AKK, Anti Kohle Kids (geiler Name!) waren bei uns mitdabei – abgestimmt und es gab einen Seekuh-Konzept um Angriffe von Kohlebefürwortern, Rechten und Neonazis vorzubeugen – 2016 war Ende Gelände ein erstes mal in der Lausitz aktiv und es gab gewaltsame Angriffe von Rechten auf Klimaaktivist*innen. Das ist der Grund weshalb die Aktion vor Einbruch der Dunkelheit selbstbestimmt durch die beteiligten beendet wurde. Wir haben live von den anderen Aktionen von Ende Gelände auf Schienen und in Kohlegruben. Das war ermunternd.

Für mich war es ein schönes Gefühl, nach so vielen Jahren mitten im Geschehen von Massenprotest zu sein. Ich habe die nette Stimmung geschätzt und mich gut aufgehoben gefühlt. Es war am Abend vor der Aktion in der großen Halle mit über 1500 Menschen beim Zusammentreffen der Finger beeindruckend! Ich durfte sein wie ich bin, mein Rollstuhl war nicht mehr ein Hindernis. Ich habe nämliche eine Liebe-Hass-Beziehung zu meinem Rollstuhl. Ich „liebe“ ihn weil er für mich Freiheit bedeutet, ich kann Strecken zurücklegen, die ich zu Fuß niemals schaffen würde. Ich hasse ihn aber auch, weil Hindernisse wie Stufen, unebener Grund, etc ein täglicher Kampf und oft Ausschluß bedeuten.

Es gibt auf dem Weg zu inklusiveren Protestformen noch viel zu tun. Der bunte Finger war ein Schritt dorthin. Eine neue Erfahrung für mich und die Aktion hat dazu beigetragen, Bewusstsein für das Thema Protest und Inklusion zu schaffen. Das ist ein Grund weshalb ich mich während der Aktion auf Interviews eingelassen habe. Hier gibt es zum Schluss ein paar Videos.

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