Was also tun ?
Die frz. Atomaufsichtsbehörde (ASN) hat also, wie sie es im Frühjahr angekündigt hatte, eine „öffentliche Befragung“ gestartet, was für eine Beurteilung sie für die Kalotten des zukünftigen Druckwasserreaktors EPR abgeben soll (Obere Kalotte = Deckel, untere Kalotte = Bodes des Reaktordruckbehälters (RDB)).
Es ist keine Überraschung, dass ASN die beiden Kalotten für „Betriebs-tauglich“ erklärt,  aber was den Deckel betrifft, sei er nur „für eine bestimmte Anzahl von Jahren einsatzfähig“, ohne weitere Erläuterungen. Allerdings entspricht diese Anzahl von Jahren genau der Zeit, die benötigt wird, um einen neuen Deckel herzustellen…

Rot gezeichnet sind die Kalotten aus Stahl mit dem zu hohem Kohlenstoffanteil  [0,3% statt max. erlaubter 0,2% = sprödbruchgefährdet, A.d.Ü]

Das entspricht übrigens genau der klaren Ankündigung in der Einleitung zum Abschluss-bericht der ASN, in dem Areva und EdF der ASN mitteilten, dass der Boden des RDB nicht mehr ausgetauscht werden könne, aus Gründen der Fristeneinhaltung, von Kosten und dem Ansehen der frz. Atomindustrie. Was den Deckel betrifft, weil das einfacher zu bewerkstelligen wäre, könne EDF es ins Auge fassen …

Aber noch viel erstaunlicher ist die Tatsache zu sehen, wie die ASN sich der Meinung einer Volksbefragung unterwerfen will:  eigentlich sollte man doch denken, dass die Aufsichtsbehörde eine „Autorität“ ist, die „im Namen des Staates“ dafür bestellt wurde, „die Kontrolle über die atomare Sicherheit auszuüben […]“ und folglich beschlußfähig sein muß.
Sind die Kalotten gut oder schlecht? Wer soll das sagen können, wenn nicht ausgerechnet die Atomaufsichtsbehörde?
Ebenso sollte man eigentlich denken, dass die ASN „unabhängig“ sein müsste. Und heute sieht man, bis wohin diese „Unabhängigkeit“ führen kann. Wenn es sich also nicht darum handelt, dass man uns Sand in die Augen streuen will und lediglich um „Schein-Demokratie“:
Die ASN hat nämlich niemals und nirgendwo behauptet, dass sie diese Bemerkungen [bei der Online-Befragung auf ihrer Webseite www.asn.fr; AdÜ] auch tatsächlich berücksichtigen wird.

Einen neuen Boden für den RDB herstellen würde mit den dazu notwendigen Bauarbeiten die Zerstörung eines Teils des Reaktorgebäudes bedeuten und käme einem Rückbau des EPR gleich. Das würde mindestens bis 2024 dauern. Das hieße, es wäre erst NACH dem aktuellen Mandat [von wem oder was? Der Regierung Macron? AdÜ] fertig. Wenn man wiederum die derzeitige Unterwerfung der Regierung sieht zwischen einem Premierminister [Edouard Philippe], der ein Ex-Areva-Mann ist und einen Minister für Energiewende, der von EDF finanziert wird, kann man verstehen, dass die ASN für unfähig erklärt und die Entscheidung anderen aufbürdet…  Dass mir hinterher niemand kommt und behauptet, die Atomwirtschaft sei nicht politisch…

Was also tun? Nun gut, natürlich auf die Befragung antworten. Es gibt bereits über 600 Antworten.
Was das EPR betrifft, so haben wir bereits einen Baurückstand von über 8 Jahren und Kosten, die sich mindestens verdreifacht haben: die Kosten für das EPR (10 Milliarden Euro) entsprechen heute bereits denen von fast 4000 Windrädern à 2 MW (für 2,6 Millionen Euro), was einer installierten Leistung von 4 EPRs entspricht.
Und bei all dem drückt die ASN ihre Zweifel an den frz. AKWs aus, die angeblich „die sichersten der Welt“ seien.
Ziehen Sie Ihre eigenen Schlussfolgerungen daraus.

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Quelle:
Jean-Marie brom, Physiker und Directeur de Recherches au CNRS auf Mediapart (Investigationsjournalismus)
blogs.mediapart.fr/jean-marie-brom/blog/130817/consultation-de-lasn-sur-lepr
Übersetzung in Deutsche: Ilse Martin