Am Mittwoch, bei den Kletteraktionen, nahmen die PassantInnen in der Hafencity unsere Informationsflyer gerne entgegen, Schulklassen, die sich im Hamburger Hafen auf Besichtigungstour befanden, blieben zum Teil stehen, um Erläuterungen zu unserer Protestaktion zuzuhören. Die Aktion war sehr gelungen. (Flyer als pdf)

Am Donnerstag, einem Feiertag, wurde unsere Aktion auf einem Spielplatz in der Hafencity deutlich kühler aufgenommen. Mit Chemikalienschutzanzügen verkleidete DemonstrantInnen zogen durch den Grasbrookpark in der Hafen-City, verteilten Atommüll-Attrappen, sperrten Teile des Spielplatzes als Super-GAU Sperrgebiet ab und verteilten Flugblätter zur Vermittlung der Aktion.

Strassen theater
Strassentheater, Fotos dieser Aktion:  Pay Numrich

Einige Menschen bedankten sich ausdrücklich für die Aktion. Andere fühlten sich in ihrem idyllischen schönes Wetter Feiertagsausflug gestört. „Warum machen Sie das an einem Feiertag?“ „Warum auf einem Spielplatz, das kann die Kinder erschrecken“. Man stellte sich hin und deklarierte die Aktion zu einer „Gefahr für die Kinder“, die wegen des Auftretens der Menschen in Anzügen die kommende „Nacht nicht schlafen würden“. Erschrocken zeigten sich die Kinder eher nicht, viele stellten aber Fragen, wollten Erklärungen. Fragen, die ihre Eltern ungern beantworteten, weil dies ihren ruhigen Feiertag störte. Gefahren werden gerne verdrängt, man spricht nicht gerne darüber, schon gar nicht mit Kindern, das macht Arbeit, den Kindern das Thema in leichter Sprache zu vermitteln.

strassentheater

Was die Menschen auch gerne Verdrängen ist, dass ihre Kinder von einer atomaren Katastrophe nicht verschont bleiben würden und dass man sich nicht aussuchen kann, wann diese Eintritt. Sicher ist nur das Risiko – auch an einem Feiertag, wie der Brand an Bord des „Atlantic Cartier“ im Hamburger Hafen am 1. Mai 2013 es zeigte. Erst nach 16 Stunden und mit knapp 300 Feuerwehrleuten konnte der Brand gelöscht werden. An Bord befanden sich verschiedenste hochgefährliche Ladungen, darunter Munition, Ethanol, Brennelemente und Uranhexafluorid-Behälter. Derzeit verfügt die Hamburger Feuerwehr nicht einmal über funktionierenden Löschboten.

Ein Spielplatz in Sichtweite der damaligen Unfallstelle bot sich für die Straßentheateraktion besonders an. Es ist auch eine Erinnerung daran, dass einen ganze Generation von Kindern nach dem Tschenobyl-Gau nicht im Sandkasten spielen durfte. Das wird gerne verdrängt. Aufklärung ist bitter notwendig.

Aus dem Brand zu lernen hieße die Atomtransporte über den Hamburger Hafen einzustellen. An der organisierten Unverantwortlichkeit der Politik von oben hat sich aber nichts geändert.

Der Hamburger Hafen ist weiterhin Drehscheibe für zahlreiche radioaktive Transporte. Im Schnitt kommt es etwa jeden zweiten Tag zu einem Urantransport durch die Hansestadt. Umgeschlagen wird dort alles von Uranerzkonzentrat über angereichertes Uran bis zu fertigen Brennelementen.

Ausgerechnet der Frachter „Atlantic Cartier“ hat am heutigen Samstag im Hamburger Hafen wieder festgemacht. Es wurde auf Wasser an Land dagegen protestiert. Ich übernehme die Pressemitteilung und einige Bilder vom heutigen Samstag. Am kommenden montag kommt schon der nächste Atomfrachter: Die ‘Sheksna’ (Reederei ASPOL Baltic Corporation )befindet sich aus St.Petersburg kommend auf dem Seeweg über den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) zum Burchardkai im Hafen von Hamburg , dieses Schiff hat in der Vergangenheit bereits nachweislich angereichertem Urandioxid (“unbestr. Uran-Pellets”), neue Brennelemente ("unbestr. Brennelemente") und Uranerzkonzentrat (U3O8) in den Hamburger Hafen transportiert. Ein LKW mit Fässern von angereichertem UF6 (und das entsprechende Gefahrengutsymbol) wurde am heutigen Tag auf seinem Weg in den Gamburger Hafen außerdem gesichtet.

Pressemitteilung

„Atomtransporte brandgefährlich“ - Ein Jahr nach dem Großfeuer: Protest mit Barkasse und Transparent gegen Atomfrachter „Atlantic Cartier“ im Hamburger Hafen

Atlantic Cartier
Protest an der Atlantic Cartier - Bilder D. Seifert

Hamburg, den 03.05.2014

Erneut hat der vor fast genau einem Jahr von einen Großfeuer betroffene Atomfrachter Atlantic Cartier im Hamburger Hafen fest gemacht. Das Schiff befördert in vielen Fällen radioaktives Uran für die Ver- und Entsorgung von Atomanlagen. AtomkraftgegnerInnen, darunter Aktive von ROBIN WOOD, dem Anti-Atom-Plenum und der Gruppe SAND, fordern ein Verbot der Atomtransporte im Hamburger Hafen. Unser Ziel ist die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. Von einer Barkasse aus wurde ein großes Transparent mit Magneten an der Schiffswand der Atlantic Cartier angebracht: „Atomtransporte brandgefährlich“ war darauf zu lesen.  Die Atlantic Cartier hat heute morgen am Uni-Kai gegen 8 Uhr fest gemacht.

Über Hamburg werden rund jeden zweiten Tag radioaktive Frachten für Atomkraftwerke und  andere Atomanlagen in aller Welt abgewickelt. Oftmals sind die Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen und die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau (Münsterland) Ziel oder Absender der radioaktiven Uran-Materialien. Beide Uran-Fabriken unterliegen nicht dem sogenannten Atomausstieg, sondern verfügen über völlig unbefristete Betriebsgenehmigungen. Sie beliefern Atomanlagen weltweit.

Während des Großfeuers hatte die Atlantic Cartier vor einem Jahr neben Munition und Ethanol auch radioaktive Brennelemente und Uranhexafluorid-Behälter an Bord. Bis heute ist die Brandursache nicht aufgeklärt. Das Schiff gehört der Reederei ACL (Atlantic Container Line). Die ACL transportiert regelmäßig radioaktive Stoffe zum Betrieb von Atomanlagen.

Der letzte bekannt gewordene Unfall eines Schiffes der ACL, der Atlantic Companion, ereignete sich am 13.3.14 in Halifax/Kanada. Da hatten sich vier Fässer mit angereichertem Uran aus ihrer Halterung gelöst und stürzten beim Entladen aus sechs Meter Höhe auf das Schiffsdeck. Obwohl zunächst ein Anstieg der Radioaktivität auf das 3-4fache gemessen und der Hafenbereich evakuiert wurde, konnten später keine Undichtigkeiten der Behälter festgestellt werden. Dass die Behälter einen Sturz auch aus neun Metern Höhe überstanden hätten, wie der Hersteller angibt, beruhigt dabei wenig: Containerbrücken sind meist um die 15 Meter hoch. Auch die Atlantic Companion ist regelmäßig als Atomtransport auch in Hamburg „zu Gast“: Voraussichtlich wieder am 6. Mai 2014.

Das radioaktive Uranhexafluorid (UF6) ist hoch aggressiv und extrem toxisch: Bei Freisetzung nach einem Unfall bilden sich bereits durch die Luftfeuchtigkeit Flusssäure und andere giftige Fluorverbindungen. Diese verursachen schwere Verletzungen der Atemwege. Je nach Witterungsbedingungen können bis in ca. 600 m Entfernung vom Unfallort tödliche Konzentrationen auftreten.

Für die sofortige Sperrung des Hamburger Hafens für Atomtransporte! Für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit!"

Anti Atom Plenum, Robin Wood, SAND (Systemoppositionelle Atomkraft Nein Danke Gruppe Hamburg)


Um die weitgehend unbekannten Atomtransporte zu thematisieren, wird es im August (9.-16.8.) ein Anti-Atom-Camp in der Nähe von Kiel geben, denn auch durch den Nord-Ostsee-Kanal werden zahlreiche radioaktive Stoffe inklusive UF6 transportiert. Dort fährt im Schnitt einmal pro Woche radioaktive Fracht entlang. Mit Workshops, Vorträgen und Aktionstagen sollen die Menschen in und um Kiel für das Thema Atomtransporte und die damit verbundenen Gefahren sensibilisiert werden.

Presse:

* Aktueller ZEIT-Artikel zum Brand, mopo, Abendblatt,