Eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten ist derzeit nicht zu erwarten. Die ANDRA hat mehrere Schlappen vor Gericht erlitten. Der Baustopp wurde in der Berufungsinstanz bestätigt. Die Umweltbehörde, die zunächst eine Rodungsgenehmigung erteilt hatte, musste zurück rudern. Das Areal gilt als Naturschutzgebiet „Zone Naturelle d’Intérêt Écologique, Faunistique et Floristique (ZNIEFF)“ weil dort seltene Pflanzen und Tiere (Fledermäuse, wilde Katzen, etc.) leben. Das Netzwerk Sortir du nucléaire hat die Entscheidung der Behörde angefochten. Das Ergebnis wurde am 28. Juni 2017 verkündet: Keine Rodungsgenehmigung ohne vorige Umweltverträglichkeitsprüfung!(Link auf Französisch) Die ANDRA muss ihren Antrag neu formulieren und stellen.

Das Projekt Cigéo selbst wurde vor einem Jahr durch die Assemblée Nationale in Anwesenheit von 20 Abgeordneten gebilligt. (Link auf Französisch) Ein Gesetz zu Cigéo wurde bereits ein Jahr zuvor im Rahmen des Gesetzes zum Wirtschaftswachstum vom damaligen Wirtschaftsminister und heutigen Präsidenten Macron verabschiedet. Das französische Verfassungsgericht kassierte den Absatz zu Cigéo, weil er mit Wirtschaftswachstum so gut wie gar nichts zu tun hat. Ein neues eigenständiges Gesetz musste her. Geregelt wird darin die „Réversibilité“ der Lagerung also die Rückholbarkeit – für lediglich ca. 100 Jahren.

Für das Cigéo-Projekt selbst hat die ANDRA noch keinen Bauantrag gestellt. Jüngsten Meldungen zur Folge verzögert sich die Antragstellung um ein Jahr, weil das  IRSN (Institut für Strahlenschutz und atomare Sicherheit), dem die ANDRA ihr Konzept unterbreitet hat, Sicherheitsbedenken formuliert hat. Das Überwachungskonzept ist fehlerhaft, die Rückholbarkeit nicht sichergestellt und die Brandgefahr wurde unterschätzt – insbesondere bei der geplanten Lagerung von bitumhaltigem Atommüll. Der Bauantrag wird nun für 2019 – frühestens – erwartet. (Mitteilung von Sortir du nucléaire auf Französisch dazu)
Ein weiterer Streit droht zu eskalieren: Das Gebiet wurde 2016 auf archäologisch wertvollen Gegenstände untersucht. Die Archäologen wurden fündig (Artikel in der Lokalzeitung auf Französisch). Sie haben u.a. eine Festung aus dem Neolithikum entdeckt. Den Standort dürfen sie aber nicht weiter untersuchen.  Die Archäologen haben eine Petition gestartet.

Auch wenn mit einer baldigen Wiederaufnahme der Bauarbeiten nicht zu rechnen ist: die Militarisierung der Gegend um Bure nimmt zu. Eine Gruppe Namens IRSN – OP (Intervention Ridicule de Sauvegarde Naturaliste – Pour l’Observation des Poulets = Lächerliche Intervention für den Schutz durch Naturforscher – für die Beobachtung von Hühnern ; die „Bullen“ werden in Frankreich „Hühner“ genannt ) in Anspielung auf das Akronym der Strahlenschutzbehörde, hat allein am 22. Juli ein Polizeiauto im Abstand von durchschnittlich 23 Minuten vor dem Widerstandshaus in Bure beobachtet. Die Aktivist*innen lassen sich nicht unterkriegen und finden kreative Wege des Widerstandes gegen das Atomklo und die Unterdrückung.

Das Festival les Bure'lesques steht auch für die Kreativität des Widerstandes. Auf dem Programm stehen Konzerte, Theater, Zirkus, Podiumdiskussionen, Workshops und Spaziergänge. Mesnchen mit Sprachkenntnisse werden vor Ort sein und können dolmetschern.

Die Großdemonstration am 15. August startet dann um 14 Uhr.

Wir sehen uns in Bure! Radioaktivität kennt keine Grenzen – Widerstand auch nicht!

Weitere Informationen