Widerstand soll keine "Dienstleistung" à la "ich bestelle mir eine Aktion" sein. Und  die Tedenzen zu großen Organsiationen die den Protest organisieren, damit die Leute nur noch mitmachen müssen, die Protest auf Unterschrift leisten begrenzen, begegne ich sehr kritisch.

Der Film hat einen dokumentarischen Charakter und ich finde gut, dass vier verschiedene Mensch da zur SPrache kommen, das ist weniger eintönig als die tausende "Proträts" die sonst im fernsehen laufen. Ich sehe ein, das ein "Porträt" für die porträtierte Person auch eine Möglichkeit darstellt, Inhalte zu vermitteln. Aber vom Gefühl her, habe ich es lieber vielfältiger mit mehreren Personen und Standpunkten. ich besitze nicht DIE WAHRHEIT !

A propos Porträt, hier ein Eichhörnchen-Porträt vom Spiegel online (15 Minuten mit nerviger Werbung dazwischen...) Mensch kann mit dem Dokufilm vergleichen und für sich entscheiden, was informativer ist, was ihm gefällt... In einem Porträt geht leider die "Hintergrundarbeit" , die poltische Arbeit genauso ausmacht, wie die Aktionen, verloren. Das ist auf Sensation gerichtet und weniger auf die Wirklichkeit von poltischem Engagement gerichtet. Das ist meine Hauptkritik. Aktionen verlangen viel Vorbereitung, viel hintergrundarbeit. Teil meines poltischen Engagements ist auch meine journalistische Tätigkeit mit Hintergrundrecherchen und Recherchereisen, die Vorträge die ich halte, mein Buch-projekt, etc..

Die Überschrift, die die Taz für den Artikel zum Film "die Protestmacher" gewählt hat, finde ich gut!

Ich gebe hier den Artikel wieder:

Der Mensch in der Revolte

BEWEGUNG Der Film "Die Protestmacher" begleitet vier AktivistInnen zwei Jahre lang in ihrem Alltag. Wie ist es denn, sich in Vollzeit der Bewegung hinzugeben?

VON SOPHIE FEDRAU

Mit Karabinerhaken und Seilen unterwegs in der Vertikale: Fünf Aktivisten spannen ein Transparent über die Fassade des Vattenfall-Gebäudes in Hamburgs Innenstadt, auf diesem abgebildet ein Atompilz in idyllischer Landschaft. Unter den Blicken der Passanten seilen sich die Protestkletterer ab - kopfüber.

Cécile Lecomte ist eine der vier Personen, die der Soziologe und Protestforscher Dieter Rucht in seiner Dokumentation porträtiert, eine Protestkletterin. Rucht möchte wissen: Was sind die persönlichen Antriebskräfte für politischen Protest? Welche Mittel setzen Menschen dafür ein? Und: Welche Hoffnungen hegen sie?

Die Protagonisten Jochen Stay, Jutta Sundermann, Dieter Lehmkuhl und Cécile Lecomte sind Vollzeitaktivisten - gegen Atomkraft, für eine gentechnikfreie Land- und eine gerechte Finanzwirtschaft. Sie organisieren die öffentlichen Aktionen, leisten aber auch die planerische Vernetzungsarbeit an der Basis, welche die spektakuläre, medienwirksame Aktionen erst möglich macht. Diese "Mühen der Ebene" möchte Soziologe Rucht sichtbar machen und würdigen, ohne die Aktivisten zu Helden oder Don Quichottes zu stilisieren.

Einen festen Feierabend haben die Protestmacher natürlich nicht, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verwischt - ist Aktivist zu sein ihr Lebensstil? Beruf oder Berufung? Die Biografien von Regisseur Dieter Rucht und den Protagonisten laufen in der "Bewegungsstiftung" zusammen, in dessen Entscheidungsgremium Rucht bis 2010 tätig war. Die Idee: Stifter wie Dieter Lehmkuhl unterstützen die Arbeit politischer Aktivisten wie Lecomte, Sundermann und Stay, damit die Gestaltung gesellschaftlichen Wandels auch in Euro und Cent honoriert werden kann.

Die Suche nach dem "guten Leben" ist für Porträtierten von ihrem politischen Engagement nicht zu trennen. "Im Kleinen an dem experimentieren, wofür man im Großen kämpft", formuliert Cécile Lecomte. Protest, so zitiert sie zustimmend Albert Camus, sei permanente Revolte. In diesem Filmessay ist es eine Revolte mit Hingabe, Freude, Reflexion und Augenzwinkern. Auf die Frage, worin der Erfolg einer sozialen Bewegung liegt, antwortet Lecomte eher vage: in ihrer Vielfalt, in ihrer Kreativität.

Und ihr persönliches Rezept? "Einfach frech sein, einfach machen!"

Der Film "Die Protestmacher" wird, in Anwesenheit des Regisseurs Dieter Rucht, auch auf dem taz.lab zu sehen sein.


Dieter Rucht

geboren 1946, gilt hierzulande als wichtigster Protest- und Bewegungsforscher. Bis vor drei Jahren arbeitete er als Soziologe am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung mit dem Spezialgebiet "Soziale Bewegungen und politischer Protest". Dokumentarfilme dreht er seit fast zehn Jahren.