Es war der 11. März 2011 als nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami zwei Atomkraftwerke im japanischen Fukushima explodierten. Mehr als 150.000 Menschen mussten umgesiedelt werden, die meisten von ihnen ohne die Chance, jemals wieder zurückzukehren. Die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern geht in die Tausende, viele andere Strahlenerkrankungen werden folgen. Weltweit gingen Hunderttausende gegen die Atomkraft auf die Straße. In Deutschland nötigte der Druck von der Straße die Politiker*innen zum Versprechen eines Atomausstiegs. Doch: was bleibt 5 Jahre danach davon üblich? Kann wirklich von Atomausstieg die Rede sein?

Aktivist*innen, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigen, beantworten diese Frage mit einem klaren Nein. AKW produzieren weiterhin Atommüll, obwohl die Entsorgungsfrage ungelöst bleibt. Die Versorgungsanlagen der Atomindustrie wie die Urananreicherungsanlage Gronau und die Brennelementefabrik Lingen dürfen zeitlich unbefristet weiter laufen. Damit werden Reaktoren in aller Welt beliefert.

Es sind für die Aktivist*innen in Hamburg Gründe genug, am Anfang der Brennstoffkette anzusetzen, um Unfälle und Atommüll zu verhindern, bevor sie entstehen. Antiatomgruppen und Einzelaktivist*innen rufen zu Aktionstagen gegen einen Urantransport auf. Sie wollen den ersten Uranerzkonzentrat-Zug nach dem 5. Fukushima Jahrestag, dem 11. März 2016, von Hamburg nach Narbonne-Malvési in Südfrankreich mit Protestaktionen begleiten. Uranerzkonzentrat ist der Ausgangsstoff zur Herstellung von atomaren Brennelementen oder Atombomben.

Den Auftakt macht Hamburg am 11.3.2016 ab 16 Uhr mit einer Kundgebung direkt vor den Toren der Uranumschlagfirma C. Steinweg am Süd-West-Terminal (Kamerunweg) unter dem Motto “Fukushima mahnt – alle Atomanlagen stilllegen – Atomtransporte durch Hamburg stoppen”.

Am Tag X , dem eigentlichen Transporttag, folgen bei der Abfahrt des Uranzuges weitere Kundgebungen am Kamerunweg, nahe an der Einfahrt zum Gelände der Firma C. Steinweg und zwischen „Am Saalehafen” und „Veddeler Damm”, südlich der Bushaltestelle „S Veddel (Westseite)”.

Zum Hintergrund:

Das transportierte Uranerzkonzentrat wird aus uranhaltigem Gestein ausgewaschen, welches in Minen im Tagebau in Namibia oder mit einer frackingähnlichen Methode in Kasachstan und Usbekistan abgebaut wird. Die Umweltschäden dabei sind dramatisch, denn es entstehen riesige Mengen radioaktiver Abfall und Tiere und Menschen leiden an den Folgen der Strahlung.

Das Uranerzkonzentrat kommt nach Hamburg zum Süd-West-Terminal der Firma C. Steinweg mit Schiffen der Hamburger Reederei MACS aus Namibia und Schiffen der Reederei ASPOL aus Russland. Allein in den letzten zwei Jahren wurden nach Angaben des Hamburger Senats ca. 6600 Tonnen Uranerzkonzentrat am Süd-West-Terminal umgeschlagen. Uranerzkonzentrat ist der Ausgangsstoff zum Betrieb von Atomanalgen weltweit. Es wird von Hamburg nach Narbonne-Malvési in Südfrankreich auf die Reise geschickt, wo es in Urantetrafluorid umgewandelt wird. Dies ist eine Vorstufe zur Urananreicherung. In Narbonne-Malvési sind mehrere Arbeiter der Uranfabrik an strahleninduziertem Krebs erkrankt oder gestorben.

In Hamburg gab es in der Vergangenheit bereits verschiedene Aktionen wie eine Inspektion des Hafengeländes, eine Ankett- und eine Kletteraktion zum Stopp des Atomgeschäfts und Aktionstage im vergangenen September. Bei der Kampagne gegen Atomtransporte sind mehrere Hamburger Antiatom- und Umweltgruppen dabei: Anti-Atom-Büro Hamburg, attac Hamburg, contratom, Junepa, Regionalgruppe Hamburg Lüneburg Robin Wood, SAND (Systemoppositionelle Atomkraft-Nein-Danke-Gruppe), xtausendmalquer Hamburg.

Weitere Informationen:

Kampagne gegen Atomtransporte durch Hamburg:

www.atomtransporte-hamburg-stoppen.de/aktionstage/

Bundesweite Vernetzung:

http://www.urantransport.de

Transportticker:

www.twitter.com/urantransport/