Im Sommer 2008 beteiligten  sich ca. 80 Menschen an einer öffentlichen Aktion des zivilen Ungehorsams gegen die Gentechnik, einer Feldbefreiung  im Bayrischen Kitzingen. Durch ihre Handlung wollten die AktivistInnen der Initiative Gendreck weg ! auf die Gefahren der unkontrollierten Verbreitung von Gentechnik in die Umwelt hinweisen und die Pflanzen unschädlich machen.


Gegen die Hälfte der Beteiligten wurden daraufhin Strafverfahren eingeleitet. Vor kurzem wurde das letzte "Feldbefreierverfahren" vor dem Landgericht Würzburg abgeschlossen.
Weil sie in den Augen der Behörden als eine Art Schlüsselfigur des Widerstandes gilt, wurde die für ihre spektakuläre Kletteraktionen bekannte Umweltaktivistin Cécile Lecomte als erste vor Gericht gestellt und zu 45 Tagessätze, die höchste Strafe für diese Aktion, verurteilt. Über 30 Beweisanträge stellte die Angeklagte vor Gericht, um die Gefahren der Gentechnik im allgemein und des Monsanto Genmais MON810 ins Besondere zu beweisen. Auch das Versagen der institutionellen Politik und die Notwendigkeit von Widerstand direkt auf den Feldern begründete sie ausführlich.  Das Gericht erkannte die Gefahren der Gentechnik an. 


Verurteilt wurde die Aktivistin im Sommer 2010 trotzdem. Das Gericht vertrat die Auffassung, eine Feldbefreiung sei nicht notwendig gewesen, um die Gefahr abzuwenden, die Aktivistin hätte sich an einer Menschenkette beteiligen können. Ein Urteil, das auf viel Unverständnis stieß. " Ah ah ! Eine Menschenkette kann den Pollenflug aufhalten?? Die sind witzig die Gerichte, das sind schlicht Wahrheitsschaffendeinstanzen, die mit Gerechtigkeit niX zu tun haben," amüsierte sich Cécile. Kritik an das Vorgehen der Justiz gegen FeldbefreierInnen gab es auch angesichts der politischen Entwicklungen: der Genmais, den die AktivistInnen im Sommer 2008 mit ihrer Feldbefreiung unschädlich machten, war inzwischen von der Behörde selbst verboten worden. Vorausschauend im Sinne der Allgemeinheit handeln dürfen BürgerInnen aber nicht...

Weil viele Menschen, das was das Gericht als "Sachbeschädigung" urteilte, als eine Handlung im Sinne des Allgemeinwohl betrachten, folgten sie den Aufruf, sich durch die Übernahme von Tagessätzen solidarisch zu zeigen.


" Für die Unterstützung bedanke ich mich bei allen Menschen! Die Tagessätze sind nun "ausverkauft", konnte die Aktivistin am 5. Mai 2011 weiteren UnterstützerInnen mitteilen. "Meine Zeit kann ich nun für weitere politische Aktionen nutzen, das ist für mich sinnvoller, als die Strafe im Gefängnis abzusitzen. Denn ich bleibe dabei: meine Handlungen richte ich nicht nach Gesetzen, sondern nach Sinn und Gewissen! Eine Gesellschaft verändert sich schneller als ihre Gesetze."

Eichhörnchen

Weitere Infos:

Der Soli- Aufruf von Ende April

Meine Homepage, Anti-Gentechnik-Seite

Die Initiative Gendreck weg !