Glühende Hitze sorgt für Stromausfälle


Atomkraft hat für die Atomlobby den Vorteil des Zentralismus: über den Bau von Atomkraftwerken wurde in Paris entschieden, den PolitikerInnen war dabei egal, was die Menschen vor Ort dachten. „Grands projets“ (Große Projekte) können einfach über die Köpfe der Menschen hinweg durchgesetzt werden, wenn die klugen Lobbyisten in Paris verkünden, dass diese dem Allgemeinwohl dienen. Wer hat denn was gegen Energiesicherheit?

Nur der Zentralismus ist eben auch das Problem, wie die Menschen in Frankreich es immer wieder zu spüren bekommen, wenn es ein bisschen zu kallt oder zu warm wird. Wenn es zu kalt ist und die Menschen brav den Empfehlungen der Lobby zur Wahl einer Elektroheizung gefolgt sind, haben sie ein Problem: sie sitzen zu Hause ohne Licht und im Kalten. Der Wind und der Schnee machen die oberirdischen Hochspannungsleitungen kaputt, die AKWs kommen mit Verbrauchsspitzen nicht klar. Und wenn es zu heiß wird, haben gibt es auch ein Problem: die Klimaanlage geht nicht mehr, das Licht bleibt aus. Die Hitze beschädigt die empfindlichen unterirdischen Hochspannungsnetze, AKWs kommen mit Verbrauchsspitzen nicht klar und es braucht einer überdimensionierten Gießkanne um diese zu kühlen. Und die tolle Atomkraft sorgt als zentralisierte Energiequelle für zentral gesteuerten Netze und spektakulären Stromausfälle, auch „Blackout“ genannt. Und Schwups... das waren am Mittwoch allein im Westen Frankreichs gleich mal wieder ca. eine Million Menschen ohne Strom. „Materialdefekt“ heißt es beim Stromnetzkonzern RTE.

Der Störfall gehört zum Normalbetrieb


Seitens des Stromkonzerns EDF bekommt man immer wieder zu hören, Störfälle und die Alterung von AKWs seien kein Problem. EDF lerne von jedem Störfall, dies ermögliche es dem Unternehmen die AKWs immer sicherer zu machen (das wird „retour d'expérience“; „Erfahrungsrückfluss“ genannt).

Ob dies die vor wenigen Tage im AKW Le Blayais (bei Bordeaux) verstrahlten Mitarbeiter erfreut? Selbst die atomare Aufsichtsbehörde macht sich Sorgen. Sie sorgt sich nicht vordergründig um die 11 „leicht“ verstrahlen MitarbeiterInnen, sondern darum, dass die Zwischenfälle sich wiederholen. Also doch nichts gelernt? Innerhalb einer Woche musste das AKW le Blayais 2 mal evakuiert werden, weil der Austritt von Radioaktivität die Grenzwerte überschritt. Der Wert ist innerhalb von wenigen Sekunden auf über 500 Becquerel pro Kubikmeter angestiegen. Möglicherweise weil EDF nicht in der Lage ist, den primären Kreislauf mit dem kontaminiertem Wasser dicht zu halten.

Am gestrigen Freitag kam dann die nächste Meldung: Ein Brand im AKW Paluel. EDF hat für die Überholung der französischen AKWs 55 Milliarden Euro veranschlagt. Der Konzern muss überholen und umbauen, um seine Meiler länger laufen zu lassen. Das fängt aber nicht gut an. Ausgerechnet im AKW Paluel wo erste Überholungsarbeiten stattfinden ereignete sich ein Großbrand. Ein Kondensator fing Feuer. 71 Feuerwehrmänner rückten an, sie konnten das Feuer erst nach gut 6 Stunden unter Kontrolle bringen. Noch ist die Gefahr nicht gebannt, eine große Menge verschmolzem Metall droht jeder Zeit erneut Feuer zu fangen. Das Antiatombündnis „sortir du nucléaire“ merkt ironisch an, dass die Generalüberholung zum Gemetzel wird (Wortspiel auf Französisch zwischen „carénage“ = „Überholung“ und das Wort mit einer Buchstabe Unterschied „carnage“= „Gemetzel“). Die ständigen Störfälle sind besorgniserregend. Die Störfälle sind eine Folge der Alterung der Reaktoren, die Überholung der Reaktoren ist eine Herausforderung, die EDF kaum meistern können wird. Schon jetzt fehlt es an kompetenten Arbeitskräfte. EDF greift schon jetzt immer öfter auf schlecht bezahlten und ausgebildeten ArbeiterInnen von Zeit- und Subunternehmen zurück. Das fördert nicht die Sicherheit (Sicherheit gibt es bei der Atomkraft eh nicht).

Die veranschlagten 55 Milliarden Euro für die Überholung werden nicht ausreichen. Da EDF ein staatlicher Konzern ist, ist davon auszugehen, dass der Steuerzahler für die Rechnung aufkommen wird. Wenn er nicht noch dazu mit seiner Gesundheit zahlt. Aber natürlich ist Atomkraft weiterhin toll, weil ach so billig und sicher...

Mandres (bei Bure): Der Gemeinderat beschließt den Kahlschlag um 6 Uhr morgens

A propos bilig.... die Kosten der Entsorgung vom Atommüll ist auch nicht auf der Rechnung vom Verbraucher zu sehen. Später oder früher wird er aber zahlen müssen.

Auch nicht auf der Rechnung zu sehen, sind die ganzen Schmiergelder, die die ANDRA (Nationalagentur zur Entsorgung von radioaktivem Müll) für die Akzeptanz eines atomaren Endlagers in Bure zahlt. Darüber berichtete ich bereits in früheren Berichten (Siehe Hintergrund-Artikel über CIGEO in Bure). In diesem Hinblick sind die neuesten Entwicklung in der Gegend um Bure spannend. Die ANDRA braucht Grundstücke, die diversen Kommunen gehören, um ihr Endlager Namens CIGEO zu implementieren. Ein Großteil der Wälder Lothringens soll im Zuge von CIGEO kahlgeschlagen werden. Das wird natürlich von der ANDRA und der atomaren Energiebehörde, die Herren des Projektes sind, mit Ökomantel vorgestellt: aus dem Holz wird Agrotreibstoff. Das erinnert mich an die Fernwärmetrasse von Vattenfall in Hamburg Moorbug, die eigentlich der verlängerte Arm eines Kohlekraftwerks war. Agrotreibstoff klingt zunächst Öko!

Der Hintergrund ist aber, dass die ANDRA für das Endlager für radioaktivem Atommüll in 500 Meter Tiefe über 300 Kilometer Galerien bauen will. Dafür muss sie im Besitz der (oberirdischen) Grundstücke sein.

Obwohl die Bevölkerung des Dorfes Mandres an Barrois sich 2013 gegen das Vorhaben ausgesprochen hat, tagte der Gemeinderat quasi im Geheimen um 5 Morgens am 2. Juli 2015. Mit Geheimzettel wurde über den Austausch von Waldgebieten mit der ANDRA abgestimmt. Der Gemeinderat stimmte schließlich für den Austausch, den die Bevölkerung nicht will. 220 Hektar Gemeindegebiet werden der ANDRA übertragen und somit für den Kahlschlag und für CIGEO freigegeben. Dafür erlangt die Gemeinde Besitz über 370 in der Gegend in bis zu 11 Kilometern verstreuten Hektar Waldgebiet.

Verbitterter Kommentar eines Gegners vom CIGEO-Projket: Interessant ist, dass es diese Woche in Montiers (in der Gegend ) eine Volksabstimmung wegen des Baus einer Tankstelle gab. Über den Austausch von Waldgebieten und CIGEO wird im geheimen beraten und entschieden, es gibt keinen Volksentscheid.

Da kann ich mir ein Augenzwinkern nach Griechenland nicht verkneifen, immerhin darf die Bevölkerung dort über eine wichtige Angelegenheit abstimmen. Und unsere Regierenden finden das schlimm... Stimmt zu ihrer politischen Regierungskultur gehört ja, dass grundsätzlich über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird.

Noch wurde in Bure kein Atommüll tief eingebuddelt, noch ist es möglich CIGEO zu verhindern. Kommt alle zum internationalen Sommercamp nach Bure! Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Das Programm wird spannend. Das Camp findet auf einem Grundstück statt, dass sich in der Nähe der geplanten CASTOR-Eisenbahnlinie befindet (geplant für 2 CASTOREN die Woche 100 Jahre lang) und Menschen aus der Widerstand gegen CIGEO gehört. Sie werden sicher nicht an die ANDRA verkaufen!

Eichhörnchen


infos zum Camp in Bure auf Deutsch: http://de.vmc.camp/