Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10

Baumbesetzung gegen die Vattenfall-Fernwärmetrasse, Winter 2009/10 (Foto: C. Grodotzki)

Heute vor fünf Jahren besetzten ROBIN WOOD-KletterInnen gemeinsam mit unabhängigen AktivistInnen bei Schnee und klirrender Kälte Bäume im Gählerpark in Hamburg-Altona (PM v. 18.12.2009). Sie wollten die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall durchkreuzen, die Bäume für eine Fernwärmetrasse des neuen Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg zu fällen. Bis in den März 2010 hinein harrten sie auf Plattformen in den Wipfeln aus. Das war großartig – und von Erfolg gekrönt! Die Bäume stehen noch immer, die Fernwärmetrasse wurde bis heute nicht gebaut.

Bereits einige Tage zuvor hatten zwei AnwohnerInnen einen Baum im Gählerpark besetzt. Gemeinsam unterstützten sie das Bündnis Moorburgtrasse stoppen. Die Aktion setzte unzählige HamburgerInnen in Bewegung. Sie kamen vorbei, brachten Lebensmittel, informierten sich, wurden selbst aktiv. Tag für Tag wuchs die Alarmliste, in die sich Leute eintrugen, die sich im Falle einer Räumung querstellen wollten.

Der Protest vor Ort und eine Klage des BUND vor dem Hamburger Oberverwaltungsgericht zwangen Vattenfall dazu, die Pläne zu stoppen. Das hat die weiteren energiepolitischen Debatten in Hamburg geprägt – und energiepolitisch ist viel passiert seitdem.

Vattenfall hat im September 2013 den Volksentscheid über die Hamburger Energienetze verloren, so dass die Stadt ihr Strom- und Fernwärmenetz von Vattenfall und von HanseWerk das Gasnetz zurückkauft. Außerdem bekommt Vattenfall – wie die anderen großen Versorger auch – die Energiewende zu spüren. Das schwedische Unternehmen ist unter Druck und sucht nach einem Käufer für seine extrem klimaschädliche Braunkohlesparte. Das Steinkohlekraftwerk Moorburg, eines der größten in Europa, würde Vattenfall wohl wegen miserabler Gewinnaussichten heute so nicht mehr bauen – doch jetzt steht es da und wird ab dem neuen Jahr rund 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft pusten, dazu Feinstaub und Schwermetalle, die insbesondere die Menschen in den angrenzenden Stadtteilen belasten werden. Zudem gibt es Pläne, im schleswig-holsteinischen Wedel – als Ersatz für die Moorburgtrasse – das dortige veraltete Kohlekraftwerk zu “ertüchtigen” oder ein Fernwärmekraftwerk neu zu bauen.

Die Proteste gegen die Energiepolitik von Vattenfall und Hamburger Senat werden daher auch im nächsten Jahr weitergehen. Für 2015 ruft die Kampagne gegenstrom zu einer neuen Aktion auf. Bereits 2013 hatte es eine symbolische Schiffsblockade auf der Elbe gegen das Kraftwerk Moorburg und speziell gegen den Import von Kohle aus Kolumbien gegeben, an dem sich auch ROBIN WOOD-AktivistInnen mit einem Holzfloß beteiligt hatten.

Ein Blick zurück – Videos von der Baumbesetzung 2009/10:
Video Quer TV
ROBIN WOOD-Video, 3.1.2010

Aktuelle Infos von ROBIN WOOD: Kohlekraftwerk Moorburg