Beschwerde an die DB nach meiner Reise vom 12.08.2019, Az. V-00699764 Mobilitätsservice

sehr geehrte Damen und Herren

ich reiche hiermit eine - neue – Beschwerde ein.

Ich bin Rollstuhlfahrerin (GdB 80, Merkzeichen G und B) und es gibt in Sache Barrierefreiheit Verbesserungsbedarf!

Ich hatte mich für meine Reise am 12.08. von Münster nach Lüneburg bereits am 23.7. beim Mobilitätsdienst angemeldet und die Hilfe wurde bestätigt (Bestätigung ist im Anhang).

Als ich am 12.08. sah, dass der IC 2022 mit 60 min Verspätung in der App angekündigt wurde, begab ich mich frühzeitig zum Bhf Münster, um mit dem Mobilitätsdienst in Ruhe bereden zu können, ob es alternative Verbindungen gibt, da ich durch die Verspätung den Anschluss in Harburg nicht erreichen würde.

Dort wurde mir vorgeschlagen, über Hamm und Hannover zu fahren, ich wäre dadurch sogar früher angekommen als geplant, weil ich so rechtzeitig am Bhf Münster war, dass ich RB 89 nach Hamm um 19.10 Uhr hätte nehmen können.

Doch eine Umbuchung scheiterte an nicht vorhandener Barrierefreiheit. Sowohl der Aufzug für den Umstieg in Hamm war außer Betrieb als auch der Aufzug bei der Ankunft in Lüneburg Gleis 2.

Ich wohne in Lüneburg und der Aufzug Gleis 2 ist immer wieder außer Betrieb, ist gerade seit mehreren Wochen kaputt! Das ist ein echtes Hindernis, für mobilitätseingeschränkte Menschen! Barrierefreiheit sieht anders aus!

Denn ich kann derzeit nicht mal nach Hamburg fahren. Die Züge gen Norden fahren ALLE von Gleis 2/3 los oder vom West Bahnhof. Der West Bahnhof ist aber gar nicht barrierefrei (Hebebühne nicht mal einsetzbar).

Zurück zu meiner Reise vom 12.8.

Eine Umbuchung auf eine Verbindung über Hannover war wegen fehlender Barrierefreiheit also unmöglich.

Und bei der gebuchten und bestätigten Verbindung taten sich noch mehr Probleme auf!

Der IC 2022 hatte keine funktionierende behinderten Toilette. Auf Drängen eines Mitarbeiters vom Mobilitätsdienst, willigte ich deshalb ein, den Folgezug zu nehmen, den EC 6. Es hieß, der würde quasi zeitgleich wie der verspätete ursprünglich gebuchte IC 2022 von Münster abfahren.

Es wurde mir aber mitgeteilt, dass es dann für den Umstieg in Hamburg Harburg keine Mobilitätshilfe um 23 Uhr mehr gebe! Obwohl ich mich ja frühzeitig angemeldet hatte und nichts dafür kann, dass die Züge verspätet fahren und ohne Behindertentoilette!!

Man wollte nun, dass ich über Hamburg Hauptbahnhof fahre. Aber das hätte bedeutet, dass ich den Metronom RB 31 (81645) nicht hätte erreichen können (was bei einem Umstieg in Harburg problemlos gewesen wäre und war) und noch eine weitere Stunde später angekommen wäre.

Nur ich hätte dann keine Abholmöglichkeit in Lüneburg mehr gehabt, ich wohne ja nicht direkt am Bahnhof. Ich hätte also nicht mehr mein Ziel erreichen können. Aber das hat die Menschen vom Mobilitätsdienst vor Ort nicht interessiert. Eine Alternative wie Taxi von Hamburg nach Hause oder zumindest vom Bhf Lüneburg wurde nicht angeboten.

Also musste ich in Harburg umsteigen und den Umstieg selbst organisieren! Mitreisende haben mir dabei geholfen, es war aber purer Stress und Schmerzen! Das ist nicht akzeptabel. Ich bin der Auffassung, dass ich für solche Umstände Anspruch auf Schmerzensgeld habe!

Ach und… die Umbuchung von IC 2022 auf EC hat wohl absolut nix gebracht! Denn die Behindertentoilette war dort auch kaputt! Als ich einstieg versuchten die Schaffner es zu reparieren, erfolglos. Also konnte ich die 2 Stunden, die die Fahrt von Münster nach Harburg andauert, nicht auf das Klo.

Jüngst hat es in Frankreich ein Urteil mit 5000 Euro Schmerzensgeld gegeben, und zwar nicht mal wegen Verspätung oder nicht geleistete Hilfe, sondern bereits wegen nicht funktionierenden Behindertentoilette!

Siehe https://kobinet-nachrichten.org/2019/07/03/punktsieg-david-gegen-goliath-2/

Barrierefreiheit ist zu gewährleisten, das ist Sinn und Zweck der UN-Behindertenkonvention, die Bahn muss sich dran halten.

Zugverspätungen gehören zum Alltag der Bahn, das trifft alle Reisende. OK. Aber es kann nicht angehen, dass Menschen im Rollstuhl dann deshalb ihr Ziel nicht mehr in angemessener Zeit erreichen können, weil es beim Umstiegsbahnhof dann trotz Buchung und Bestätigung Wochen zuvor, allein wegen der Verspätung keine Mobilitätshilfe mehr gibt.

Ich habe den Umstieg unter Schmerzen mit Hilfe von Mitreisenden in Harburg geschafft. Das war schwierig, weil nicht nur die Treppen vom Zug ein großes Hindernis waren, sondern auch der Aufzug in Harburg, der so klein ist dass nur der Rollstuhl nicht aber das Gepäck hinein passte, also musste ich hier auch nach Menschen suchen, die mein Gepäck übernehmen. Das ist nicht angenehm, Wertsachen fremden Menschen anvertrauen zu müssen!

Ich kam schließlich erst kurz vor 1 Uhr an, weil der Metronom ME RB31 (81645) sich – wegen Bauarbeiten - verspätete.

Ohne die Verspätungen wäre ich 23.22 Uhr angekommen. „Barrierefrei“ also wenn ich eine Abholung in Lüneburg zu noch späteren Uhrzeit als es schon wurde gefunden hätte und in Hbf statt Harburg mit Hilfe vom Mobilitätsdienst umgestiegen wäre, wäre ich erst 1:22 Uhr in Lüneburg angekommen.

Und wenn die Aufzüge der Bahn funktionieren würden oder ich nicht auf einen Rollstuhl angewiesen wäre, wäre ich sogar bereits mit der Verbindung über Hamm und Hannover um 22:57 Uhr angekommen. Und hätte mir Schmerzen sparen können. Aus diesem Grund sehe ich hier eine Diskriminierung durch nicht funktionierende Barrierefreiheit.

Ich fahre viel Bahn, weil ich möglichst Klimaschonend von A nach B reisen will. Aber die Bahn motiviert wirklich nicht dazu. Statt unheimlich viel Geld in Prestigeprojekte/Milliardengrab à la Stuttgart 21 (S21 ist nach Meinungen von Behindertenverbänden was Barrierefreiheit angeht, katastrophal geplant) , sollte Geld in NiederfluchZüge, Aufzüge und Rampen (für den Ausfall der Aufzüge) invertiert werden!

Eine Frage noch: wann wird in Lüneburg der Aufzug Gleis 2/3 endlich repariert, so dass er dann auch länger als zwei Wochen in Betrieb bleibt, bevor er wieder kaputt geht? Das ist seit Monaten ein echtes Ärgernis!

Ich hoffe dass meine nächste Reise am XXX glatter verläuft und dass bis zu meiner Rückkehr am XXX der Aufzug Gleis 2 wieder in Betrieb ist, denn ich komme dann Gleis 2 an, Mobilitätshilfen wurden bestätigt.

Meine Beschwerde mag zornig klingeln, aber ich bitte um Verständnis. Ich habe 2 Tage gebraucht, um mich von den Strapazen der Reise vom 12.8. zu erholen, ich war nicht in der Lage zu arbeiten. Es war zu viel Stress, Aufregung und Schmerzen auf ein mal.

Mit freundlichen Grüßen

Cécile Lecomte

Update 2.9.

ich habe heute eine Antwort von der Bahn erhalten. Aus der Antwort:

Ich danke Ihnen für die Schilderungen und bedauere, dass Sie nicht wie geplant reisen konnten. Für Ihre Kritik habe ich großes Verständnis.

Zur Anmeldung von Hilfeleistungen möchte ich erläutern, dass die Bestätigung der MSZ Ihnen die Möglichkeit gibt, die Richtigkeit der aufgenommenen Anmeldung zu überprüfen. Damit kann hingegen keine Garantie verbunden werden, dass am Reisetag Mitarbeiter nicht krank werden, Aufzüge nicht ausfallen oder Toiletten außer Betrieb genommen werden müssen. Dennoch bemühen wir uns in solchen Fällen nach Kräften, die Reise trotzdem zu ermöglichen oder eine geänderte Reisekette kurzfristig zu organisieren.[...]

Darüber hinaus wird ein Reisegutschein als "Dankeschön für Ihre ausführlichen Schilderungen und als Geste unseres Bedauerns über die für Sie eingetretenen Mängel" angeboten.

Wieder nichts zu der Frage nach Dienstzeiten... Die Mobilitätshilfe wurde in Hamburg Harburg ja deshalb nicht geleistet, weil mein Zug 70min verspätet war, so dass ich nach 23Uhr in Harburg eintraf und der Service macht Feierabend um 23Uhr. Also lautet die Devise, Zug verspätet und einfach Pech? Und eine bestätigte Hilfeleistung ist grundsätzlich trotz Bestätigung nicht sicher? Behindertenrechtskonvention ist der Bahn egal? Verbindlichkeit auch? Diskriminierung auch? So kann es doch nicht bleiben! Ich bezweifele stark, dass dies rechtmäßig ist. Ein ausführliches rechtliches Gutachten ist laut "barrierefreie Bahn" in Arbeit. Vielleicht wirds helfen Dinge zu verändern?

Ich habe umgehend geantwortet:

Guten Abend,

ich frage mich hier trotzdem, wieso es nicht möglich ist, bei einer bestätigter Hilfeleistung, wo sich der Fahrplan wegen einer Zugverspätung ändert, die Mobilitätshilfe auch nach Feierabend (das war so wurde es mir gesagt, das Problem in Harburg, wegen der Verspätung war kein Personal mehr da) ohne weiterem Umweg, der noch mehr Verspätung bedeutet, über einen anderen Bhf, diese zu gewährleisten. Es ist meiner Meinung nach eine Frage der Wille: will man ausreichend Personal einstellen, damit mehr Menschen geholfen wird und dies auch zu späteren Uhrzeit, insbesondere wenn ein Zug außerplanmäßig später eintrifft? Offensichtlich fehlt es dafür an Personal. Doch das wäre im Sinne der Barrierefreiehit und der Behindertenrechtskonvention, ausreichend Personal dafür einzustellen. Wie es derzeit läuft, ist realitätsfremd. Verspätete Züge sind keine Seltenheit (ich in den letzten Monaten im Fernverkehr viel öfter verspätet als pünktlich angekommen), dafür sollte es eine passende Planung geben. Sowas wie Überstunden oder Bereitschaftspersonal, für Fälle wo ein Zug sich derart verspätet, dass er nach den offiziellen Zeiten für den Mobilitätsservice ankommt.