Schon vor Jahren wurde per Koalitionsvertrag vereinbart, dass auf die Hafenbetriebe eingewirkt werden solle, auf die Transporte zu verzichten. Passiert ist offensichtlich nichts. Statt dessen wurde gegen die Kletteraktivist*innen von Robin Wood, die im April 2017 den Hamburger Grünen mit einem Transparent gegen Urantransporte aufs Dach stiegen, um Bewegung in der Sache zu fordern, ein Strafantrag gestellt.
Die Zahlen und die Beobachtungen der Atomkraftgengner*innen sprechen für die Untätigkeit des Hamburger Senats. Durchschnittlich alle 1,5 Tage findet ein Atomtransport durch Hamburg statt. Ende 2017 machten Aktivist*innen auf Atomtransporte aufmerksam, die bislang weit ab von der Öffentlichkeit statt fanden: Die Lingener Brennelemente Fabrik von Framatome (früher AREVA NP), die trotz angeblichen Atomausstiegs unbefristet weiterlaufen darf, beliefert ein sich noch nicht im Betrieb befindliches Atomkraftwerk in Finnland mit neuen Brennelementen. Der finnische Betreiber TVO preist die „Qualität aus Lingen“ auf seiner Homepage an. Das AKW vom Typ EPR in Olkiluoto 3, das in der Bauphase aufgrund einer Kostenexplosion und schwerwiegenden Mängeln beim verwendeten Beton und Stahl für Schlagzeilen sorgte (2), soll in den kommenden Monaten in Betrieb gehen. Derzeit läuft der Probebetrieb. Zwischen Januar 2017 und Februar 2018 haben sieben Brennelemente-Transporte von Lingen nach Olkiluoto 3 stattgefunden. Der Atomfrachter „Link Star“ der finnischen Reederei „Godby Shipping“ verließ zuletzt am 23. Februar 2018, dem Tag vor dem Streckenaktionstag gegen Urantransporte, den Unikai / O’Swaldkai im Hamburger Hafen mit Brennelementen für das finnische AKW.
Deutschland ist dafür mitverantwortlich, dass in Europa nach Fukushima ein neues AKW in Betrieb genommen wird! Noch sind die Brennelemente nicht im Reaktor. Noch ist es nicht zu spät. Die Lieferungen können jederzeit eingestellt werden. Darum die Forderung nach einem Stopp der Atomtransporte, einer Sperrung der Häfen für Atomfrachter und der Stilllegung der Uranfabrik in Lingen – und aller Atomanlagen weltweit!

Die Stilllegung der Atomfabriken in Lingen und Gronau ist nach einer durch die Bundesregierung im Auftrag gegebenen  Studie, rechtlich unkompliziert möglich. (3)

Der GroKo-Koalitionsvertrag lässt hier aber in Sachen Klima und Atomkraft zu wünschen übrig. Darin ist in Bezug auf Lingen nur die Einschränkung von Brennstoffexporten in Pannen-AKWs wie die belgischen in Thiange und Doel, erwähnt (Zu Tihange und Doel siehe Artikel in dieser GWR). Der GAU ist allerdings jederzeit und überall möglich, wie die Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl gezeigt haben, die, obwohl sie aus den Schlagzeilen verschwunden sind, andauern. Ohne entschlossenem Widerstand auf der Straße, auf den Schienen oder auf dem Wasser wird es keinen Atomausstieg geben.
Lasst uns Atommüll verhindern bevor er entsteht!

Eichhörnchen


Weitere Infos:

http://urantransport.de

Fußnoten:

1) https://www.robinwood.de/sites/default/files/Offener_Brief_Kerstan_180223.pdf
2) https://www.talouselama.fi/uutiset/olkiluoto-3-vanhenee-jo-ennen-kaynnistamistaan-lansi-suomi-vesivaurioita-halkeamia-ja-rakennusvirheita/9ef9adea-b05e-35a2-b39d-4e97c1f85049
3) http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/abschaltung-der-atomfabriken-waere-gratis-zu-haben.html