Zwei AktivistInnen hingen mit Transparenten in einem quer über der Schiene gespanntes Seil. Sie wurden erst kurz nach Mitternacht herunter geholt und in Gewahrsam genommen. Die Räumung verlief etwas abenteuerlich. Die Polizei zeigte sich lange planlos. Immer wieder zeigte sie plötzlichem Aktionsdrang, der in sinnlosen Maßnahmen endete. So wurden Sandsäcke und Turnmatratzen auf der Schiene unter den KletterInnen gestapelt. Offensichtlich für den Fall eines Absturzes der AktivistInnen bei ihrer Räumung. Selber Schuld wenn sie abstützen, sie haben sich doch freiwillig in die Seile begeben, so der Einsatzleiter. Es wurde auch versucht, die AktivistInnen von einer Lok aus zu Räumen. Sie sollten sich auf dem rutschigen Dach der Lok begeben, hoffte die Polizei. Die zwei DemonstrantInnen ließen sich auf eine solche abenteuerliche Idee nicht ein!

Beamte einer technischen Einheit erreichten die Ankerpunkte der Seilkonstruktion der AktivistInnen mit Leitern und bastelten daran herum. Es zeigte sich schnell, dass sie überhaupt keine Ahnung vom Klettern hatten. Sturzfaktor??? Fangstoß?? Prusik? Blake? Flaschenzug? Das alles waren für sie Fremdwörter. Einzig bekannter Knoten: Der Haushaltsknoten.

Die Feuerwehr sah sich schließlich in der Verantwortung zu intervenieren. Da es sich nicht um einen Notfall handelte, war sie zur Amtshilfe nicht verpflichtet. Die Sicherheit sollte jedoch auf ein Mindestmaß gewährleistet werden, damit die Unfähigkeit der Polizei nicht erst recht eine Notfallsituation verursacht...

Fachkundige Feuerwehrmenschen zeigten den Polizeibeamten die Knoten unten. Die Beamten kletterten daraufhin auf die Leiter hoch und machten die gerade gelernten Knoten mühsam nach. Ein Feuerwehrmensch kletterte anschließend ebenfalls hoch um die Knoten zu überprüfen.... dies wiederholte sich bis der Flaschenzug einsatzbereit war.

Nach der Räumung setzte der Zug seine Fahrt fort. Er verließ anschließend den Bahnhof Hamburg Süd gegen 2:30 Uhr. Er soll die Uranfabrik in Narbonne-Malvési in Süd-Frankreich am kommenden Freitag erreichen.

Die zwei KletterInnen wurden gegen 4 Uhr morgens aus dem Gewahrsam entlassen, ihre MitstreiterInnen, die auf der Schiene demonstriert hatten, waren kurz zuvor ebenfalls frei gelassen worden. Die Kletterausrüstung der KletterInnen wurde von der Polizei als „Tatmittel“ beschlagnahmt.

Für die Beteiligten war das eine gelungene Aktion. Sie haben ihre Entschlossenheit gezeigt. Und dies nicht zum ersten mal. Im Sommer hatten schon andere AktivistInnen (keine Robin Wood Aktion) eine Inspektion bei C.Steinweg durchgeführt und einen Uranzug 5 Stunden gefangen.

Eichhörnchen

Bildergalerie zur Aktion von Montag (Bei Weiterverwendung, bitte Quelle beachten und angeben (unten links im Bildnamen angegeben)

Presse und Berichte zur Aktion

RoWo-Blog
Mopo,

Abendblatt,
Welt,
Radio Hamburg,
Hamburg zwei,
shz,
Neues Deutschland,
Sat 1,
NDR,
DPA-Video
Junge welt
Weser Kurier
selbstgemachtes Video über die Aktion

Juristische Folgen der Aktion

Gegen die an der Aktion in Hamburg beteiligten AktivistInnen laufen Strafverfahren. Darüber hinaus klagen drei AktivistInnen vor dem Verwaltungsgericht gegen ihre Ingewahrsamnahme nach der Aktion.

Es gibt für die Prozesskosten ein Spendenkonto:

Renald Orth
Stichwort: Rechtshilfe fuer AktivistInnen - Uranzug 2014
IBAN: DE37251205100008412000
(DE37 2512 0510 0008 4120 00)
BIC: BFSWDE33HAN
Bank für Sozialwirtschaft, Hannover
(Kto 84 120 00, BLZ 251 205 10)

Hier gibt es regelmäßig aktualisierte Infos über die juritischen Folgen der Aktion

Pressemitteilung von Robin Wood zur Aktion

Aktivist_innen der Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD demonstrieren zur Stunde im Hamburger Hafen gegen einen Transport von Uranerzkonzentrat. Sie fordern den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz auf, die Transporte von radioaktivem Material durch den Hamburger Hafen zu verbieten. Von der beteiligten Hamburger Firma, dem Umschlagbetrieb C. Steinweg, fordern die Umweltschützer_innen, ihr schmutziges Geschäft mit Uran zu beenden.

Zur Stunde spannen ROBIN WOOD - Aktivist_innen ein Transparent über den Transportweg mit der Forderung: "Stopp Atomtransporte!"

Am vergangenen Donnerstag legte das Schiff „Sheksna“ mit der radioaktiven Fracht in Hamburg Hafen an. Sie kam aus St.Petersburg und legte im Steinwerder Hafen am Max-Brauer-Kai im Südwest-Terminal der Umschlagfirma C. Steinweg an. Dort wurden fünfzehn Container mit Uranerzkonzentrat entladen, die aus den autoritär regierten GUS-Staaten Kasachstan oder Usbekistan stammen.

Die Firma C. Steinweg hat von August 2013 bis August 2014 fast fünftausend Tonnen Uranerzkonzentrat in Steinwerder umgeschlagen. Das entspricht fast zehn Prozent der weltweiten Uranförderung. Von Januar bis August 2014 kamen 52 Prozent des hier umgeschlagenen Uranerzes über St. Petersburg aus Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Weitere 38 Prozent des Uranerzes werden aus Namibia eingeschifft. Die restlichen zehn Prozent stammen je zur Hälfte aus Brasilien und den USA.

In Kasachstan liegen die meisten Uranminen in Sandsteinformationen. Das Uran wird mit einer Art Fracking-Methode gefördert: Beim In-Situ-Leaching-Verfahren werden große Mengen an Schwefelsäure in den Untergrund gespritzt, um das Uran zu lösen. Nach einigen Monaten wird die Lösung aus dem Untergrund wieder abgesaugt und das darin enthaltene Uran verarbeitet. Das Verfahren beeinträchtigt das Grundwasser, die Langzeitfolgen sind ungewiss.

Kasachstan hat seine Uranfördermenge von 5279 Tonnen im Jahr 2006 auf 22.574 Tonnen im Jahr 2013 vervierfacht. Es hat damit seinen Weltmarktanteil von 28 auf 38 Prozent erhöht und ist das weltweit wichtigste uranproduzierende Land. Der Uranabbau sowie der gesamte Nuklearkomplex unterstehen dem kasachischem Atomministerium und dem staatseigenen Bergbaukonzern Kazatomprom.

Die Hamburger Firma C. Steinweg lagerte bereits zu einem früheren Zeitpunkt über einen Monat lang radioaktives Material in mangelhaften Behältern auf ihrem Gelände in Steinwerder. Atomkraftgegner_innen inspizierten das Gelände der Firma. Am 18. August 2014 stoppten Personen einem Zug mit mehr als fünfzig Containern Uranerzkonzentrat aus Namibia, Kasachstan und Usbekistan an.

Das jetzt bei C. Steinweg umgeschlagene Uran für die Konversionsanlage im französischen Malvési in der Nähe von Narbonne bestimmt. Per Bahn ist die radioaktive Fracht vier Tage lang von Hamburg über Bremen, Osnabrück, Münster, Köln, Koblenz und Woippy nach Malvési unterwegs. „In Zusammenarbeit mit französischen Atomkraftgegner_innen beobachten und kritisieren wir diese Transporte regelmäßig“, erklärt Tobias Darge, Energie-Referent von ROBIN WOOD.

Grafik Herkunft Uranerz im Hamburger Hafen

Weitere Informationen: www.robinwood.de/energie