Es ging für mich am Freitag abend mit einen Vortrag zum Thema Polizeigesetze im Hambicamp in Morschenich los. Ich zögere immer mal wieder, zu Camps zu fahren, weil ich es dort mit meinen körperlichen Einschränkungen häufig schwer habe. Entsprechend war ich noch nie auf diesem Camp gewesen, obwohl es seit ca. 6 Monaten besteht. Der Empfang war super. Ich habe mich willkommen und gut aufgehoben gefühlt.

Ich habe bei meinem Vortrag den Fokus darauf gelegt, was Überwachung, Polizeigewalt und willkürliche Haft mit uns, politische Aktivist*innen, macht und wie wir uns dagegen wehren können, wie wir damit umgehen können, um unseren politischen Kampf weiter zu führen.
Ich habe auch meine Ordnungshaft der Woche zuvor angesprochen, denn das ist eine Art Haft per Beschluss ohne Urteil, genauso wie der Polizeigewahrsam , das ist die moderne Schutzhaft. Damit können Menschen ohne Prozess eingesperrt werden.

Der Vortrag war sehr gut besucht. Ich habe unter anderem aus meinem Buch „Kommen Sie da runter!“ gelesen. Ich dachte, das wird nicht unbedingt viele Menschen interessieren, sowohl das Thema als auch das Buch sind nicht ganz neu. Die Anti-Kohle-Bewegung ist aber eine sehr junge Bewegung, viele Menschen haben noch nicht so viel Erfahrung. Darum war es glaube ich eine gute Sache, meine Erfahrung sowohl im Negativen als auch im Positiven weiter zu geben.

Der Vortrag wurde gestreamt und ist hier nachzuhören.

Am Tag darauf bin ich zum Krähennest in den Hambacher Wald gefahren. Die Nacht im Baumhaus war schön, das Haus solide gebaut und der Sonnenaufgang in den Baumwipfeln ebenfalls wunderschön.

Blick aus dem Baumhaus


Eichhörnchen hat im Baumhaus schön geschlafen

 

Ich bin traurig darüber, nicht mehr die körperliche Verfassung für länger andauernde Baumbesetzungen zu haben, den das ist zugleich eine Lebensart, die ich schätze. Ich konnte aber auch mit meinem Workshop zeigen, dass Menschen mit Behinderung ebenfalls Protest in den Baumwipfel gestalten können. Ich habe dort Kletteraktivist*innen Techniken gezeigt, wie sie Menschen mit Behinderung das Klettern beibringen können. Behinderung bedeutet nicht, dass Mensch nichts kann! Es ist selbst mit Behinderung Vieles möglich!


Ich habe zahlreiche Einschränkungen. Ich kann nur wenige Schritte laufen und bin überwiegend auf einen Rollstuhl angewiesen. Von meiner Krankheit Polyarthritis (schmerzhafte chronische Gelenkentzündung) sind aber nicht nur die Kniegelenke und Zehe angegriffen, sondern auch die Finger, Ellenbogen und Handgelenke. Ich kann irgendwie alles nicht so wirklich aber doch ein bisschen. Ich habe sehr wenig Kraft und Belastung ist schmerzhaft. Ich habe Klettertechniken entwickelt, die mir ermöglichen diese Einschränkungen auszugleichen. Ich klettere schon sehr lange und habe deshalb auch etwas Erfahrung mit anderen Arten von Behinderungen, die mir bei Kletterkursen. die ich für den französischen Alpenverein damals gegeben habe oder im Rahmen von Kletterangeboten mit Robin Wood, begegnet sind.
Wichtig ist es, sich möglichst in die Einschränkungen, die die Menschen haben, hinein zu denken, um geeignete Lösungen und Techniken zu finden.

Flaschenzug-Techniken und Klemmknoten-Lift-Techniken eignen sich gut für Menschen, die wenig Kraft haben oder denen ein Glied fehlt oder auch bei geistigen Einschränkungen, zb in der Koordination. Und selbst dann gibt es je nach Handicap unterschiedliche Techniken. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, meine Erfahrung zu teilen.

Aufstieg am Doppelseil

Es wird ein Nachfolgeworkshop geben. Es gibt genug Menschen mit Handicap, die interessiert sind! Es braucht für die Trainer*innen etwas mehr Vorbereitung, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das auf die Beine stellen können. Ich werde außerdem eine Anleitung, ähnlich wie die Anleitung zum Tripodbau mit Bildern und Erläuterungen, online stellen. Diese wird sich an Menschen richten, die selbst Erfahren sind, gut klettern können und Lust haben, Menschen mit Behinderung das Klettern beizubringen. Es geht ums Baumklettern,  zb. um Banner aufzuhängen, Baumhäuser zu erreichen, etc. Eine Fotografin hat mich am Wochenende begleitet, sodass ich genug Bilder für die Anleitung habe.

Aufstieg am Einfachseil mit Klemmknotenlift

Das Wochenende im Wald hat mir gefallen. Dank Aktivistis vom Hambi-Support bin ich gut dorthin gekommen. Die Ziegen schienen auch Spaß am Waldausflug zu haben – sowie an meinem Mittagessen!

NRWE musste natürlich auch am Ostersonntag sein „Können“ zeigen, ich durfte die quasi alltägliche Provokation von RWE und Polizei miterleben. Zugegeben es war in diesem Fall harmlos, aber skurril. Die Polizei NRW war wie immer im Dienst des privaten Konzerns RWE. Dieses mal für „Sandhügel platt fahren“. Aktivistis haben schon vor Tagen auf der Piste, die der Sicherheitsdienst in den Wald nutzt, Verkehrsverlangsamungsmaßnahmen getroffen und Sandhaufen aufgetürmt. Damit die Autos von RWE und Polizei nicht mit 80kmh in den Wald rein fahren und die Wildtiere erschrecken und überfahren. Es wurde mir berichtet, dass RWE viele Rehe totgefahren hat. Ausgerechnet am Ostersonntag wollte RWE mal endlich wieder mit hohem Tempo in den Wald rein fahren und kam mit Polizeischutz und Bagger. Die „Arbeit“ von RWE ist außerdem in Manheim sehr gut zu sehen, es sieht wie ein Trümmerfeld aus… bei meinem ersten Klimacamp in der Gegend vor ein paar Jahren, konnte man dort noch ein Straßenfest veranstalten. Es ist bitter zu sehen, wie alles für die Kohle zerstört wird.

NRWE Provokation mit Überwachungswagen und Security

Mittagsessen-Klauer

Ich brauche nun ein paar Tage körperliche Erholung, es ist leider so, dass ich wegen meiner Erkrankung viel Zeit zum Regenerieren brauche.
Zur Demo gegen das neue Polizeigesetz Niedersachsen am 11.5. bin ich aber sicher wieder fit!