Redebeitrag von Cécile Lecomte zur Räumung der ZAD in NDDL

gehalten am 16.4.18 am Frankfurter Flughafen

Der Beitrag liegt nicht in schriftlicher Form vor, es handelt sich um Notizen

Die Französische Regierung will alternatives Leben zunichte machen.

17.1.: Verkündung durch die Regierung dass der Flughafen nicht gebaut wird.

Als Grund wird ausgeführt:

- Hartnäckiger Widerstand der Bevölkerung vor Ort

- Andere Flughäfen sollen Ausgebaut werden

Regierung kündigte an

- Soll landwirtschaftliche Gegend bleiben

- Illegale radikale Besetzer*innen werden geräumt → nie klar geäußert wer damit gemeint ist

Zurück zur Geschichte:

Erfolg einer Bewegung die sich über die Jahre nicht spalten lassen hat.

Höhepunkt 2009 Gründung der ZAD (Zone à défendre – zu verteidigende Zone - in Anspielung an Zone d‘amenagement differée - Industriezone) und 2012 mit der Polizei-Operation Cesar

ZAD konnte trotz Militärgewalt der Polizei nicht geräumt werden

Neue Projekte sind zu dieser Zeit erst recht gestartet worden

Was ist seit der Aufgabe der Projektes passiert, warum ist es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen?

Zunächst Jubel → Jubeldemonstration vom 10.2.

Aber auch Spannungen, weil nun die Frage gestellt wird, wie weiter

Was wird aus den 1650 Ha.?

Bis zur Räumung waren

250 Ha Sème ta ZAD (Sebstverwaltete Flächen)

450 Ha. Bauer die sich weigerten zu verkaufen, zwangsenteignung, sind aber geblieben und besetzten ihr Land

400 Hektar besteht aus Wald, Hecken und Straßen.

Rest besteht aus verkauften Flächen, die Fläche wurde zt. weiter Bewirtschaftet durch prekäre Verträge mit Vinci (Bauherr Flughafen) abgesichert. Sie erhielten Erlaubnis zu bewirtschaften bis die Flächen für den Flughafenausbau benötigt werden.

Regierung (Präfektur) hat nach dem 17.1. Gespräche zur Zukunft der Flächen in la ZAD angeboten.

Dies führte zu Spannungen innerhalb der Bewegung, weil die einen Hoffnungen in den Gesprächen steckten, die anderen dies für eine Mitmachfalle hielten.

Weiteres Problem:

Es wurden nicht alle Gruppen eingeladen. Die Bauer, deren Grundstücke beschlagnahmt wurden und die Perspektive haben, ihre Situation wieder zu legalisieren wurden eingeladen.

Die Besetzer*innen, die im Zuge der langen Jahre Proteste zt. Seit 10 Jahren in La ZAD leben und Projekte erfolgreich durchführen, wurden nicht eingeladen.

Dagegen protestierten diverse Vereine, die die Interessen der historischen und der neuen Bauer*innen und Bewohner*inne der ZAD vertreten.

Nur Dank der Unterstützung von Außen hätten die t“historischen“ Bauer, die sich gegen das Flughafenprojekt wendeten, erfolgreich Widerstand leisten, Nur dank dieser Unterstützung seien sie heute noch da.

Die ZAD gehört den Menschen, die sie Verteidigt haben!


Die Präfektur lud zudem Bauer mit individuellen Projekten zu den Gesprächen ein.

Die Gespräche wurden durch einen Teil der Bewegung boykottiert , durch einen Teil kritisch begleitet mit ernsthaften Bemühungen zu einem Ergebnis zu kommen.

Mitten März überwog der Eindruck, dass die Gespräche zu einem Ergebnis kommen könnten.

Präfektur hatte zwar nur für „individuelle Projekte“ ein Ohr offen, aber kollektive Projekte versuchten ihr Glück und hatten erstmals das Gefühl, dass man verhandeln können würde.

Offensichtlich eine Mitmachtfalle. Die Präfektur hielt sich bedeckt, aber es ist heute klar, dass sie zu einer Einigung nur dann bereit ist, wenn die Projekte, die eingereicht werden, ihr Bild der intensiven Landwirtschaft entsprechen. Für Alternativen gibt es keinen Raum

Das hat der Polizeieinsatz, der seit dem 9. April 2018 andauert gezeigt.

Regierung hatte den 31. März als Ultimatum zur Freiwilligen Räumung der besetzten Flächen gesetzt.

Einigen Projekten war klar, dass sie räumungebdroht sind. Andere dachten dass sie nicht geräumt werden, weil sie im Gespräch mit der Präfektur sind, ihr kollektives Projekt dort angemeldet haben, dass die Situation noch legalisiert werden kann.

Dem wurde keine Rechnung getragen – Orte wir die 100Noms wurden überrascht. Die Regierung zeigte sein echtes hässliches gewaltsames Gesicht.

Der Regierung geht es mit der Räumung in la ZAD nicht um eine Lösung des Konfliktes, sondern um die Durchsetzung der eigenen Konzeption von Leben und Landwirtschaft. Es geht um Politik. Der Flughafen musste aufgegeben werden.

Alternatives Leben außerhalb der Kontrolle des Staates gewähren zu lassen wäre für Macron eine zweite Niederlage.

Die Regierung will alles unter Kontrolle haben und keine Freiräume dulden. Sie will alternatives Leben zunichte machen. Das ist der einzige Grund für den gewaltsamen Polizeieinsatz!

Der Einsatz kostet über 300 bis 400 000 Euro pro Tag. 110 Euro pro Granate, über 4000 Granaten wurden geschossen. Die Bevölkerung hat es in Frankreich bei Konflikten auf dem Land mit der Armee zu tun. In der Regel sind es Gendarmerie (Spezial)Einheiten, die gendarmerie ist Teil der Armee und unterliegt dem Verteidigungsministerium. Armeeeinheiten (die keine Gendarmerie sind) werden auch eingesetzt. Panzer und Militärfahrzeuge sind überall zu sehen. Die Polizei verwendet Tränengasgranate aber auch andere Arten von Grananten.

Darunter zahlreiche Angriffsgranaten ähnlicher Typ, der Rémi Fraisse tötete.

Ein Gendarme wurde durch eine Granate beim Werfen am Fuß schwer verletzt → Es ist der Präfektur ein Communiqué wert. Schwerverletzt, absoluter Notfall, Evakuierung per Hubschrauber.

Aber was ist mit Schwer-verletzen Demonstranten? Wo Polizei sogar erste Hilfe verweigert hat? Die Feuerwehr daran gehindert hast, die schwerveletzten abzuholen? Wo die Polizei nicht nur auf Verletzte sondern auch auf Sanitäter (und Journalisten) gezielt geschossen hat?

Das ist zynische Gewalt.

Die Presse wurde an ihrer Arbeit gehindert. Gendarmerie sagt: Presse vor Ort nicht erwünscht, Gendarmerie mit eigenen Kameras vor Ort, stellt Youtube Kanal der Gendarmerie für Berichtserstattung zur Verfügung. Macron will auch die Presse unter seiner Kontrolle wissen. Nicht ohne Grund lautet Macrons Spitznamen „Jupiter“.

Die Auswirkungen Granaten kenne ich nur zu gute : Kampf gegen Hochspannungsleitung in Montabot, Gegen das Atomklo Bure. Tod von Rémi Fraisse in Sivens durch eine Polizeigranate

Siehe:

Kampf gegen Hochspannungsleitung und AKW Neubau in der Normandie: http://blog.eichhoernchen.fr/post/Erlebnisse-Einblicke-im-Widerstand-gegen-HSL-FR ; Radiobeitrag dazu: http://blog.eichhoernchen.fr/post/Radiobeitrag-ueber-aktuelle-Entwicklungen-im-Antiatomwiderstand-Normandie

(auch in meinem Buch „KommenSie da runter!“ SBN 978-3-939045-23-6thematisiert http://www.eichhoernchen.ouvaton.org/de/buch.html)

Zu den Granaten der Polizei: http://blog.eichhoernchen.fr/post/Fakten-franzoesische-Militaerpolizei-Einsatz-gegen-Bewegungen

Zum Tod von Rémi Fraisse: http://blog.eichhoernchen.fr/post/Le-Testet-ein-Jahr-nach-der-toedlichen-Polizeigranate

Zu Bure: http://blog.eichhoernchen.fr/tag/Bure und http://blog.eichhoernchen.fr/post/Atomklo-Bure-gelungenes-festival-erschreckende-polizeigewalt

Das sind Kriegswaffen, die die Regierung gegen die eigenen Bevölkerung einsetzt.

Das sind Kriegsverletzungen, die festzustellen sind. Die Granaten hinterlassen 50 Zentimeter große Krater im Boden. Die Splitterteile der Granaten dringen ins Fleisch hinein, können selten weg operiert werden. Die Menschen erleiden schwere Brandverletzungen. Verlieren Glieder oder ein Auge. Eine Granate enthält 25g TNT.

Die Widerständigen lassen sich nicht einschüchtern.

Die Militärgewalt hat Bewegung wieder zusammen geschweißt. Präfektur redet noch von Gesprächen, hat weiteres Ultimatum zu 23. April.

Die Antwort vor Ort: was ihr zerstört, bauen wieder auf!

Die Räumung der 100Noms war ein Auslöser für viele Menschen

100Noms war kollektives selbstverwaltetes landwirtschaftliches Betrieb mit mehreren Hundert Kühe und Schafe, Esel, Gemüseanbau, etc. Bestehend aus ausdrücklich gewaltfreie Aktivist*innen.

Die Besetzer machten sich bereits 2013 bei den Behörden bekannt und informierten beim Eigentümerwechsel jeweils die neuen Eigentümer über ihre Anwesenheit.

Sie nahmen an den Gesprächen mit der Präfektur im März teil und glaubten an einer Lösung des Konfliktes.

Der Vorschlag ähnelt der Organisationsstruktur im Larzac -> 10 jahre Kampf gegen ein Truppenübungsplatz mit Bombodrom 1971 – 1981. Nach Aufgabe des Projektes wurden die Lanflächen neu verteilt und zum großen Teil in kollektiven Strukturen eingefädelt.

Vorschlag von diversen Gruppen in la ZAD (Sème ta ZAD): Ein gemeinnütziger Verein verwaltet die Flächen selbst. Projekte können sich um eine Fläche bewerben. Es gibt dafür Vergabekriterien wie die ökologische Gestaltung, etc. Notre Dame des Land ist ein ökologisch wertvolles Feuchtgebiet. Diese Art der Organisation würde die Flächen betreffen, die im Zuge des Widerstandes gegen den Flughafen besetzt wurden.

Die Anträge wurde durch die Präfektur nicht-mal zu Kenntnis genommen.

Die Antwort des Staates war brachiale Gewalt und Zerstörung. In einer Pressekonferenz behauptete die Präfektur, die Menschen hätten keine Projekte und die illegalen Besetzungen müssen beendet werden.

Es werden nur individuelle Projekte von „echten“ Bauern entgegen genommen. Die Menschen dürften noch bis zum 23.4. solche Projekte einreichen – angeblich auch die Menschen, dessen Projekt gerade eben durch die Panzer der Gendarmerie zunichte gemacht worden sind!

30 Orte wurden zerstört. Nach dem Ultimatum von 23. April soll es weiter gehen. (ca. 30 weitere Behausungen und Betriebe sollen zerstört werden)

Das erinnert an das Sisyphus-Mythos. Motto heißt: Wiederaufbauen was zerstört wird.

Demos vom letzten WE in Nantes (mit heftigen Auseinandersetzungen) und am Sonntag in Notre Dame des Landes waren groß und entschlossen.

Ein Haus wurde im „Gourbi“ angefangen neu zu errichten, die Menschen trugen das Dachstuhl Kilometerlang zwischen Hecken und Feldern um der Polizei aus dem Weg zu gehen. Die Kontruktion wurde am Montag wieder zerstört.

Die Menschen geben nicht auf und bauen alles wieder auf.

Die Polizei wird das Areal nicht Monate und Jahre verteidigen können. Genauso wie der Flughafen aufgegeben wurde, wird der Staat die ZAD verlassen müssen und alternatives Leben dulden müssen.

Denn genau dafür ist die ZAD international bekannt und wird beachtet. Es geht nicht nur um bäuerliche Landwirtschaft, sondern auch um ein alternatives Lebensstil. Um Selbstveraltung. Um eine Ökonomie wo Solidarität, gegenseitige Hilfe, etc. und nicht das Geld herrschen. Es gibt Umsonstläden, kollektive Kantinen, Gemeinschaftsräume für Diskussionen, Konferenzen und Treffen., selbstverwaltete Bäckereien, Bibliotheken, Kunstateliers, etc. Fast alles wird ohne feste Preise angeboten. Und das Funktioniert! Eine andere Welt ist möglich!

Die Indische Aktivistin Vandana Shiva bei ihrem Besuch im Februar 18 in la ZAD „Das ist hier eine Werkstatt der Zukunft“.

In diesem Sinne: Unterstützen wir die Werkstatt der Zukunft la ZAD.

Ob durch Unterstützung vor Ort, Spenden oder dezentrale Aktionen, Solidemonstrationen: Schickt eure Berichte ansoutienzad@riseup.net , nutzt denHashtag #nddl #zad auf Twitter.

Solidarität und Kreativität ist unsere Antwort auf die brachiale Gewalt des Staates, der Alternativen zunichte machen will.

Ils ne passeront pas. La ZAD est partout!